Wow- Amazon Prime Video lernt fliegen

Foto: JetBlue Airways
Das es irgendwann so kommt, war mir klar. Das es schon so bezahlbar ist und technisch gut genug funktioniert, um es anzubieten, ist dennoch eine Überraschung. JetBlue Airways ist eigentlich eine Billigfluggesellschaft im gnadenlosen Preiskampf hauptsächlich auf dem US-Markt. Die Maschinen der Fluggesellschaft, die mit mehr als 200 Fliegern 2013 mehr als 30 Millionen Passagiere beförderte, sind aber mit einem gar nicht so billigen In-flight Entertainment-System ausgerüstet, welches sogar Fernsehempfang für jeden Sitz bietet. Und den nach den Angaben von JetBlue schnellsten kostenlosen In-flight-Internetanschluss der Welt.

JetBlue hat heute zusammen mit Amazon eine neue Partnerschaft bekanntgegeben. Amazon Prime Kunden erhalten jetzt kostenlos von JetBlue-Flugsitzen aus on demand Zugang zu ihrem Amazon Prime-Videoangebot. Genauso wie daheim, so wird es versprochen. Noch in diesem Jahr, nicht 2020.

"Wir wollen das beste digitale Video-Erlebnis für unsere Kunden und wir freuen uns, gemeinsam mit JetBlue die Messlatte für gutes In-flight Entertainment ein Stück höher zu legen", so Michael Paull, Vizepräsident Digital Video bei Amazon. "Wir sind begeistert, dass die Fly-Fi-Technologie Prime Mitglieder und Kunden die Möglichkeit eines unbegrenzten on-demand-Zugriffs auf alle Titel aus Amazons digitaler Video-Bibliothek ermöglicht, während des Flugs und ohne vor dem Start noch schnell eine Serienepisode oder eine Film downloaden zu müssen. Wir machen das Fliegen so unterhaltsamer."

JetBlues "Fly-Fi"-Technologie ist Internet per Satellit. Wenn aber 100 Fluggäste Video on Demand schauen, ist das schon ein recht heftiger Datenverkehr. Nur einen Laptop, ein Amazon Fire-, Apple- oder Android-Tablet bzw. Smartphone soll der Fluggast selbst mitbringen. Dann ist alles kostenlos...

Aber nicht umsonst. "Durch die Zusammenarbeit mit einem Marktführer wie Amazon schaffen wir ein einzigartiges Modell, das unseren Gästen einen kostenlosen Highspeed-Anschluss bietet", so Jamie Perry, "Vize-Präsident für Marken- und Produktentwicklung" bei JetBlue. Denn beide Partner wollen damit Geld verdienen. Amazon will verkaufen. JetBlue Airways will Zusatzeinnahmen für den Preiskampf am Himmel generieren.

Schon immer haben die Fluggesellschaften gutes Geld damit verdient, indem sie die Langeweile der Fluggäste für den "Bordverkauf" nutzten. Aber das Angebot blieb naturgemäß durch die Platzverhältnisse begrenzt. Zollfreie Zigaretten, teurer Alkohol und allerlei entbehrlicher überteuerter Kram waren meist die gesamte Warenpalette. Jetzt plötzlich öffnet sich an Bord das wohl größte Kaufhaus der Welt. Man muss nur zuschlagen. Und Amazon Prime-Kunden müssen dann vielleicht oft nach dem Flug schnell nach Hause eilen, um noch vor dem Postboten mit dem Flug-Einkauf daheim anzukommen.

Ja, sogar alle Fluggäste können überraschenderweise bei Amazon während des Fluges einkaufen. E-Books, Apps, Games und Musik sind im Angebot und natürlich früher oder später noch viel mehr. Sogar Punkte für JetBlues Vielfliegerprogramm "TrueBlue" können sie dabei mit ihren Amazon-Einkäufen sammeln. Vielleicht gibt es irgendwann kostenlose Flüge, wenn man nur genug einkauft. Denn, so steht es zwar nicht in der Pressemitteilung, aber der Autor hat einen starken Verdacht auf umsatzabhängige Provisionszahlungen von Amazon an JetBlue.

Na dann- guten Flug. Lufthansa ist übrigens JetBlue-Aktionär und könnte vielleicht nachfragen, wie das funktioniert. Am Anfang steht immer eine gute Idee..

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