Netflix, Amazon - Exklusive Inhalte sind das neue Streaming on Demand

Netflix-Original "Sense8". Foto: Murray Close/Netflix.

Dr. Who wird mit seiner Telefonzelle bald nicht mehr durch das Amazon Prime Video-Universum fliegen, wenn man Bloomberg Glauben schenken darf. Auch Scripted Reality-Shows von Viacom oder A+E Networks, die vor zwei Jahren für das Prime-Videoangebot in den USA eingekauft wurden, werden nach diesem Bericht dort keine große Zukunft mehr haben. Statt dessen soll mehr Wert auf Exklusivität gelegt werden.

Dr. Who kann bei Amazon nicht über mangelndes Interesse klagen. Aber Dr. Who fliegt eben on demand für andere auch. Darum geht es: Amazon will mehr Programm, das nur Amazon hat. So wie die 2. Staffel der preisgekrönten Serie "Transparent", die noch in diesem Jahr fertig werden soll. Oder "The Man in the High Castle", von den Zuschauern in der diesjährigen "Pilot Season" ausgewählt und nun von Ridley Scott höchstselbst produziert.

Und das ist nicht nur bei Amazon so. Netflix-Programmchef Ted Sarandos hat in dieser Woche ebenfalls auf einer Investoren-Konferenz angekündigt, noch stärker als bisher ohnehin schon in Eigenproduktionen zu investieren und beim Erwerb von nicht exklusiven Rechten in Zukunft eher Zurückhaltung zu üben. An Rechten, die nicht global gültig seien, bestünde gar kein Interesse mehr.

Netflix kalkuliert den Wert eines Programms buchhalterisch und völlig unsentimental, indem es ganz einfach die damit erreichten Zuschauer-Stunden durch die anfallenden Kosten teilt. Nach dieser Rechnung sei jeder Dollar, der in Eigenproduktionen fließt, derzeit viel effizienter eingesetzt als die Dollars für lizensierten fremden Content. Auch Output-Deals mit TV-Produzenten, wie zum Beispiel Hulu sie mit AMC abgeschlossen hat, erteilte er eine Absage. "The Walking Dead lief großartig auf Netflix, aber für alle Produktionen zu bezahlen, nur um Walking Dead zu bekommen, ist sinnlos", so Sarandos.

Ob es jetzt irgendwann ein Aufwachen gibt? Bisher glauben ja immer noch sehr viele klassische Fernsehmacher, dass dieses Video on Demand doch eigentlich nur eine weitere Verwertungsmöglichkeit für ihre so professionellen Produktionen sei. Die Erkenntnis, dass dort global agierende und finanzstarke Konkurrenz-"Sender" mit durch 4K UHD und demnächst HDR auch noch deutlich besserer Bildqualität entstehen, wird noch immer eher verdrängt als akzeptiert. Derweil wird bei Netflix wie Amazon die Produktionsmaschine mit immer mehr Dollars gefüttert und liefert dementsprechend immer mehr Programm ab.

"Vor drei Jahren hatten wir gar keine eigenen Produktionen", so Sarandos. "Das wir es geschafft haben, in so kurzer Zeit relevant zu werden, ist überraschend. Unsere eigenen Erwartungen wurden übertroffen."

Als nächstes gibt es im Juni "Sense8" auf Netflix. Die "Matrix"-Macher Andy und Lana Wachowski und J. Michael Straczynski ("Babylon 5") haben sich für Netflix die Serie ausgedacht. Nicht nur immer mehr und immer schnellere Produktion, nein, egal ob vor oder hinter der Kamera, es werden dazu auch stets die ganz "Großen" beschäftigt, die nach den in Hollywood geltenden Regeln auch richtig Geld kosten. Denn das vorhandene Geld fließt in die Produktion und nicht in Strukturen und immer mehr Abonnenten sorgen für immer mehr Geld im System.

So entsteht irgendwann ein Todesstern für die klassischen Fernsehsender, dessen ultimative Waffe eine unschlagbare Programmbibliothek sein wird. Denn wenn der Netflix- oder Amazon-Vorrat niemals endet- warum sollte man noch schlechtere Programme mit schlechterer Bildqualität schauen?

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