Der Geist von Leipzig und die Ghostbusters aus Berlin

Foto: Media Convention Berlin / marcjaspers
Es ist ja gerade einmal wieder die Zeit der tollen Kongresse und wichtigen Veranstaltungen, die sich damit beschäftigen sollen, wie es denn nun so weitergeht mit den Medien- und so. Früher ging es dabei meistens um Zeitungen, das ist jetzt weniger geworden. Vermutlich deshalb geht es jetzt meist um das Fernsehen. Und das Internet. Tausende "Panels" mit intelligenten Teilnehmern finden statt, Tausende Vorträge mit tollen Powerpoint-Folien (ach ja, Video und Animation sind das neue Powerpoint) werden gehalten und das Publikum strömt in meist karge Hallen mit unbequemen Stühlen und hört zu. Den Zeitungen hat es aus heutiger Sicht nicht wirklich geholfen.

Manchmal frage ich mich, ob erfolgreiche Film- oder Serienideen aus dem Ausland denn auch bei uns in Deutschland realisierbar gewesen wären. Das ist lustig. Ich stelle mir dann das Gesicht eines deutschen Filmförderers vor, wenn ich ihm ein Filmprojekt vorstelle, in dem ein schießwütiger Waschbär zusammen mit einem Baumstamm als Kopfgeldjäger durch die Galaxis reist. Oder gar so etwas. Oder die "Ghostbusters". Obwohl, die Ghostbusters, das könnte vielleicht sogar gehen. Aber drehen, drehen könnte man das wohl nur in Berlin.

Dabei werden Geisterjäger auch anderswo dringend gebraucht. Zum Beispiel gibt es seit dieser Woche den "Geist von Leipzig". Direkt zwischen den Kulissen der Sachsenklinik und nein, es ist nicht der Geist von Professor Simoni, der da zusammen mit seiner Oberschwester eventuell jüngere Pflegerinnen oder gar Kinder erschreckt. Es war wieder einmal "Medientreffpunkt Mitteldeutschland".

Eigentlich war es wie immer. "Es sind doch alles Veranstaltungen für die Provinzpolitik und -medien, damit sie mal 'frei' haben für ein paar Tage - so zur Selbstbeweihräucherung und Wichtigtuerei", so soll es ein "Insider" digitalfernsehen.de gesagt haben. Beziehungsweise "ein selbstgefälliges Stelldichein von MDR und mitteldeutscher Politik, wobei es immer schwerer wird einen Unterschied zwischen beidem, also zwischen politischem Willen und öffentlich-rechtlichem Rundfunk, vor Ort herauszufinden", wie man es mutig sogar selbst formulierte.

Aber am letzten Tag, also gestern, wurde plötzlich "der Geist von Leipzig" in der "Media City" des MDR beschworen. Okay, da spukte schon bisher so mancher Untote. Aber zaubern, so zaubern, dass man vielleicht die "Ghostbusters" bestellen müsste, das konnte bisher noch keiner. "Spitzenvertreter aus Politik und Medien hatten sich getroffen, um über die "Balance der neuen Vielfalt" in den Medien zu diskutieren. "Angesichts der neuen Herausforderungen in der globalen und konvergenten Medienwelt waren sich alle Teilnehmer darüber einig, dass man zu einer gemeinsamen Strategie und einem gemeinsamen Handeln kommen müsse, auch wenn in einzelnen medienpolitischen Themenfeldern weiterhin unterschiedliche Auffassungen bestehen bleiben werden." Das ist der "Geist von Leipzig". Also egal ob RTL, ARD, ZDF, Politik oder ProSiebenSat1- alle ziehen jetzt gemeinsam an einem Strang. Spätestens dann, wenn sie sich über die Richtung geeinigt haben, wo sie denn hinziehen sollen.

Vielleicht sollten sie nach Berlin ziehen. Da war zur gleichen Zeit die "re:publica 15". Zwar sind der "Medientreffpunkt Mitteldeutschland" und die "re:publica" zwei völlig verschiedene Veranstaltungen mit verschiedenen Ansprüchen, wie es mir der Medientreffpunkt supermodern per Twitter erklärte. Das unterschreibe ich sofort. Denn zur "re:publica" gehört auch die "Media Convention", wo man, so die Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) "nach Lösungen zu den Fragen sucht, die sich aus der Verbreitung und Nutzung von Medieninhalten über das Internet sowie an den Schnittstellen von Netz- und Medienpolitik stellen".

Das ist der völlige Unterschied. In Leipzig sucht niemand mehr wirklich nach Lösungen. Man tut so als ob, versichert sich gegenseitig dass alles wunderbar ist, so wie es ist, und sucht nach dem Wundertäter, der dafür sorgt, dass alles so wunderbar bleibt, wie es ist. Und egal, wenn es ein Geist ist- auch gut.

Deshalb sah es in den Sälen des Medientreffpunkts Mitteldeutschland auch nicht so aus wie oben im Foto von der proppevollen "Media Convention". Selbst die Referenten in Leipzig waren oft nur kurz auf der Durchreise anwesend, entweder "auf dem Weg zur" oder "auf Rückreise von" der "re:publica 15".

Denn da waren sie alle, die zum Thema etwas zu sagen hätten. Sogar Netflix-Chef Reed Hastings kam vorbei, um dem Fernsehen wieder den Untergang zu prophezeien. Auf das österreichische Konkurrenz-Angebot "Flimmit" angesprochen, sagte er dem "Standard": "Ja, das ist großartig! In gewisser Weise sind wir Pioniere. Die BBC hat das auch gemacht. Die Leute gewöhnen sich dann schneller an Filme auf Abruf und Fernsehen über Internet."

Aber auch Amazon, Google und die YouTuber-Prominenz waren in Berlin vertreten. Sogar Yahoo kündigte eine "Europa-Offensive" an und will jetzt auch in unser Fernsehen.

Gut, dass in Leipzig die Kulissen der "Sachsenklinik" nur so herumstanden und gerade nicht in Betrieb waren. Sonst hätte man auf der "Intensivstation" gewiss hören können, dass das Piepsen unregelmäßig wird und irgendwann ganz aufhört.

Der Veranstalter, die "AG Medientreffpunkt Mitteldeutschland e.V.", zieht ein "positives Fazit". "Trotz des Bahnstreiks sind wir mit rund 1.100 Teilnehmern stabil", zeigt sich Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt und Vorsitzender der AG, zufrieden. "Der inhaltliche Fokus auf Themen der Medienpolitik und Regulierung hat sich ausgezahlt."

Auch im kommenden Jahr wird der Medientreffpunkt wieder in der ersten Maiwoche stattfinden. Die 18. Ausgabe findet vom 2. bis 4. Mai 2016 statt. Ghostbusters, bitte übernehmen Sie:

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