Apple gibt den Apple-TV auf. Und macht weiter.

Foto: Apple
Interessant. Wenn das gewöhnlich gut unterrichtete "Wall Street Journal" so gut unterrichtet ist wie gewöhnlich, dann hat der große Steve Jobs einst ein wenig hochgestapelt. Oder ein großes Geheimnis mit ins Grab genommen. Denn, "I finally cracked it", so soll er gesagt haben, noch kurz vor seinem Tod und damit das Problem "Fernsehgerät" gemeint haben. Also vor allem das Problem, dass Fernsehgeräte mit Internetanschluss damals eigentlich praktisch unbedienbar waren. Seitdem ist viel Zeit vergangen, die großen Hersteller von "Smart TV's" haben mittlerweile eigene Betriebssysteme entwickelt oder setzen auf Entwicklungen wie Googles Android-TV oder Roku. Der erwartete Apple-TV, revolutionär in Design und Nutzer-Freundlichkeit, todschick und einfach zu bedienen, er blieb aus.

Die Verwunderung aller Beteiligten wurde von Jahr zu Jahr größer. Immer wieder haben Apple-Verantwortliche bei verschiedensten Gelegenheiten das Interesse des Konzerns am Thema bekundet. Immer wieder kam: Nichts. Wenn es stimmt, was das "Wall Street Journal" schreibt, dann gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung. Annähernd zehn Jahre, so heißt es, hätten die Apple-Entwickler sich mit dem Thema beschäftigt. Und dabei nichts herausgefunden, was einen Apple-TV so deutlich von der Konkurrenz hätte abheben können, wie es den Ansprüchen des Iphone-Konzerns an seine Produkte entspricht. Wie es auch notwendig gewesen wäre, um als Neuling auf einem von gnadenlosem Preis- und Innovationswettbewerb gekennzeichneten Markt erfolgreich zu sein.

Mit Videotelefonie hätte man es versucht. Sogar über Versuche mit einem durchsichtigen Laser-TV wird gemunkelt. Aber es sei einfach nichts dabei herausgekommen, was die Apple-Verantwortlichen davon hätte überzeugen können, den Schritt zum Kunden zu wagen.

Eigentlich ist Apple, so abwegig das zuerst auch klingen mag, an der gleichen Problematik gescheitert wie die letzten deutschen Hersteller von TV-Geräten. Die wichtigste Technologie, die man beherrschen muss, um erfolgreich TV-Geräte herstellen zu können, ist und bleibt das Panel. Der Bildschirm macht den Fernseher, erst dann kommt der Rest. Wenn ich im Bekanntenkreis verkünde, mir ein neues TV-Gerät angeschafft zu haben, ist in der Regel nach wie vor die erste Frage: "Und? Wie ist das Bild?" Erst danach kommt der "Rest". Design ist wichtig, ja. Gute Bedienbarkeit auch. Apps mit echtem Mehrwert sind toll. Aber der "Key-Account" ist und bleibt "das Bild". Also das Panel. Auflösung, Schwarzwerte, Helligkeit, Kontrast. Und das immer größer.

Apple hätte die Kernkompetenz für seinen iTV bei Konkurrenten wie Samsung oder LG einkaufen müssen. Deshalb wird es auf der bevorstehenden Apple-Entwicklerkonferenz WWDC wohl den Strategieschwenk geben, der sich im März beim letzten Apple-Event schon abzeichnete: Der Würfel, die kleine Streaming-Box, ist vorerst endgültig das "Apple TV". Mit der "HBO now"-App wurden die ersten Schritte auf diesem neuen Weg gegangen. Kein eigener Fernseher- die Box soll stattdessen die Fernseher anderer Hersteller steuern. Erreicht werden soll das durch attraktive Inhalte, die der Würfel auf die Geräte bringen soll, sowie durch überzeugende Bedienbarkeit und eine tiefere Siri-Integration.

Der bekannte Investor und Analyst Carl Icahn glaubt immer noch an den Apple-Fernseher und hat seine Premiere für 2016 prophezeit. Denn mit dem Würfel allein ist Apple in der Zukunft am Markt in einer schwierigen Position. Ja, mit dem Nimbus eines Apple-Produkts wird man bei den Kunden punkten können. Ein wirklich attraktives StreamingTV-Angebot für die "Cordcutter" könnte sogar den TV-Markt in den USA verändern. Aber die großen SmartTV-Produzenten haben die Bildschirme und sie werden sich deren Steuerung nicht einfach von einem kleinen Würfel wegnehmen lassen, nur weil der von Apple kommt. Sie werden jede interessante Apple-Idee zum Thema aufmerksam beobachten. Und irgendwann einfach selbst in ihre Geräte einbauen.

Aber die Magie, die für viele von Apple-Geräten ausgeht, sorgt zumindest dafür, dass das Rennen um "den großen Screen" im Wohnzimmer offen bleibt:

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