Sky ohne Limit- und ohne Angst vor Netflix

Foto: Sky
Ja, was soll man da sagen. Es läuft bei Sky Deutschland. 103.000 zusätzliche Abonnenten im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014/15, fast eine halbe Million mehr innerhalb der letzten zwölf Monate. Das EBITDA betrug 22 Mio. € (Q3 2013/14: -9 Mio. €), was einer Verbesserung um 31 Mio. € im Jahresvergleich entspricht. Viele haben es immer wieder bezweifelt, dass es dauerhaft möglich ist- aber der jetzt aus dem Amt scheidende Sky-Chef Brian Sullivan hat es geschafft: Pay-TV ist endgültig in Deutschland angekommen.

"Die konsequente Kundenorientierung von Sky hat wieder zu einem Rekord-Wachstum und zu herausragend guten Ergebnissen geführt", so Sullivan. "Unsere einfache Formel erweist sich als wirkungsvoller denn je: Großartige und exklusive Inhalte, die die Leute sehen wollen, innovative Produkte, die unsere Programme überall und zu jeder Zeit zugänglich machen und ausgezeichneter Kundenservice, dessen Mitarbeiter sich bestmöglich für die Bedürfnisse unserer Kunden einsetzen. Mit nahezu einer halben Million neuer Kunden in den letzten 12 Monaten entwickelt sich Sky zu einem Muss für alle, die großartiges Entertainment lieben - und das Potenzial wächst stetig weiter. Mit Carsten Schmidt, der die Leitung hier in Deutschland und Österreich übernimmt und eng mit Jeremy Darroch und unseren Kollegen in der Sky Gruppe zusammenarbeitet, beginnt der nächste Schritt in der Entwicklung des zweifellos besten Unterhaltungsunternehmens in Europa. Ich bin unglaublich stolz auf das, was unser Team erreicht hat - und wir stehen erst am Anfang. Nie zuvor war es lohnenswerter, Kunde von Sky zu sein."

Naja, Brian Sullivan ist US-Amerikaner und hat es demzufolge sicher sprachlich nicht so mit dem "ö". Also vielleicht hat er ja doch "löhnenswerter" gemeint. Aber Spaß beiseite. Von Anfang an hat sich Netz-TV die Frage gestellt, wer sie denn sein werden, die neuen großen Player für das neue Fernsehen aus dem Netz. Natürlich werden da einige aus dem Internet kommen, so wie Amazon, Apple, Facebook oder Netflix. Denn diese Bewerber können den Vorteil der Globalisierung voll ausnutzen. Aber auch die herkömmliche TV-Riesen sind mit im Rennen, vor allem die, die zunehmend globaler agieren so wie RTL. Oder schon immer global agieren. So wie Sky.

Zwar ist das Fundament, auf dem Sky agiert, noch immer der Fußball. Gerade erst hat man in Großbritannien sich in einem Aufsehen erregenden Mega-Deal die Rechte der Premier League für unglaubliche fast sieben Milliarden Euro vier weitere Jahre lang gesichert. Fußball ist also sehr teuer, aber auch fast das einzige Programm, welches noch immer zuverlässig die Zuschauermassen vor dem Bildschirm versammeln kann. Also auch ein Fundament, auf dem man mehr aufbauen kann.

Zum Beispiel mit hochwertigen, selbst produzierten Serien. "Fortitude", das erste "Sky Original", ist ein Erfolg und geht in eine zweite Staffel. Mit "100 Code" gibt es jetzt eine weitere Sky-eigene Produktion. Die zwölfteilige Serie, die im März Premiere feierte, "hebt das Skandinavien-Krimi-Genre auf eine neue Ebene". Und sei "ein Beispiel für eine erfolgreiche länderübergreifende Zusammenarbeit". Sagt Sky.

Parallel zum klassischen Pay-TV baut Sky auch im Streaming Video on Demand-Bereich sein Angebot zügig zu einer im Vergleich zu Netflix oder Amazon auf Augenhöhe konkurrenzfähigen Größe aus. Die fünfte Staffel des HBO-Serienhits "Game of Thrones" war im April auf Sky Go, Sky Online und Sky Anytime sowie einen Tag später auf "Sky Thrones HD" zu sehen, dem ersten Sender in Europa, der ausschließlich einer bestimmten Serie gewidmet ist. Und das war noch nicht alles: Zusammen mit der aktuellen "GoT"-Staffel waren auch sämtliche vorherigen Folgen der letzten vier Staffeln abrufbar.

Auch bei den Erstausstrahlungen der aktuellen Staffeln von "The Walking Dead" und "True Blood" hatten die Sky Kunden ebenfalls Zugriff auf alle zurückliegenden Staffeln und Folgen. Im Laufe des Jahres 2014 zeigte Sky insgesamt 474 Box-Sets mit vollständigen Serienstaffeln und über 9.000 einzelne Episoden über die Abrufdienste Sky Anytime, Sky Go, Sky Online und Snap by Sky.

An wen erinnert uns das? An "Premiere"? Nö. An "Binge-Watching". An Netflix. Das ist die kommende Konkurrenz, an der Sky sich orientiert. Vor deren "Todesstern" Sky auch keine Angst hat. Sky hat den Fußball. Und das eine oder andere zusätzlich im Programm, um Netflix ein wenig zu ärgern.

"Die dritte Staffel des Politdramas 'House of Cards' mit Kevin Spacey feierte erneut ihre exklusive Premiere auf Sky in Deutschland und Österreich", so lesen wir da. "Seit dem Start Ende Februar wurde 'House of Cards' über 200.000-mal angesehen und verzeichnete so ebenfalls einen erfolgreichen Staffelbeginn. Anfang des kommenden Jahres wird auch die kürzlich angekündigte vierte Staffel auf Sky zu sehen sein." Klingt irgendwie nach "Ätsch, Netflix- ihr habt uns die Rechte einstmals verkauft und wir rücken sie nicht wieder raus."

Netflix muss sich damit trösten, dass Frank Underwood nicht einen Moment zögern würde, Werbung für die Konkurrenz zu machen- wenn er damit nur irgendeinen Vorteil für sich selbst herausschlagen kann.

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