Schon gewusst? Der Netflix - "Sender" steht bei Amazon

Spielen mit Amazons Fire-TV. Foto: Amazon
Sie wollen doch nur spielen, die zwei. Und warum denn auch nicht- spielen macht Spaß. Und wenn man sie fragen würde, woher ihr Spiel denn kommt, so ohne Konsole, scheibenförmigen Datenträgern oder leistungsfähigem Computer- dann würden sie wohl antworten: "Aus der Cloud". Und dabei den Fragenden erstaunt anschauen- so, als wäre damit alles gesagt.

So so, aus der "Wolke" also. Okay, Fernsehsender zum Beispiel haben eben Sender, deswegen heißen sie so und mittlerweile sogar Satelliten. Also kommt Fernsehen ja auch irgendwie "aus der Wolke". Aber die Cloud ist anders. Sie antwortet. Wenn ich beim Spielen auf das Monster ballere und treffe, fällt es um und ist tot. Die Cloud registriert also, was ich tue und passt ihr "Programm" daraufhin an. Sie hört also auf mich. Oder in der Version für Datenschützer: Sie hört mich ab.

Eigentlich ist es ja ganz einfach. Früher war beim Spielen da unter dem Tisch eine PlayStation, eine X-Box oder ein Rechner, der registrierte, ob ich das Monster traf oder nicht. Heute ist da nur der Fernseher mit Amazons FireTV-Box und der Rechner steht in einem "Data Center" oder "Cloud Center" irgendwo da draußen in der Welt. Und dazwischen ist nur noch das Internet.

Jetzt stelle ich mir das einmal bildlich vor. Vielleicht wird gerade jetzt, in diesem Moment, auf Millionen verschiedener Monster geschossen. Und getroffen- oder eben nicht. Manche Monster fallen um. Manche nicht und dann heißt es für den Spieler "Game over". Andere wiederum verpuffen getroffen in der Luft. Die Gourmets unter den Gamern werden fürs Treffen mit herumfliegenden Monster-Teilen belohnt. Und so weiter, millionenfach, aber jedesmal anders. Die Cloud hat viel zu tun.

Und die Spieler sind ja nur eine von vielen, vielen anderen Aufgaben. Die Cloud verwaltet unsere Konten und Zahlungen. Sie rechnet unsere Steuern und Abgaben aus. Sie weiß, wo unser Paket gerade ist und wann wir welches Hotelzimmer irgendwo in der Welt gebucht haben. Sie kennt unseren reservierten Sitzplatz im Flugzeug dahin. Und jetzt liefert sie auch noch tolle Serien und Filme per Video on Demand auf unsere Fernseher.

Wer ist eigentlich der Herr der Cloud? Google. Ja, natürlich. Facebook. Ja, auch. Die Telekom. Ja, ein kleines bisschen. Aber vor allem jemand, an den man dabei nicht zuerst denkt: Amazon.

"Amazon Web Services" (AWS), so heißt das dann und Amazon hat gerade seine Bilanz für das erste Quartal vorgelegt. Eigentlich wie immer. Die Umsätze steigen und steigen ( +15% ). Der operative, also theoretische, Gewinn explodiert ( +74% auf  255 Millionen Dollar im ersten Quartal ). Die Aktionäre haben davon nichts, weil Amazon einen Netto-Verlust ausweist ( 57 Millionen Dollar Minus im ersten Quartal ). Die Börsianer regieren darauf- mit neuen Allzeit-Höchstständen für die Amazon-Aktie. Denn der Grund für den Netto-Verlust gefällt ihnen- Amazon investiert, investiert, investiert.

Amazon investiert in Roboter, die Pakete füllen sollen. In Drohnen. In neue Serien für Amazon Prime. Das ist sehr öffentlich und eigentlich allgemein bekannt. Aber Amazon investiert auch sehr, sehr viel in die Infrastruktur für die Cloud. Eben in "Amazon Web Services". Und das ist nicht so bekannt.

Die Data-Center sind eben nicht so lustig wie Drohnen, die wild mit Paketen umherfliegen sollen. Oder nicht so spannend wie eine neue Krimi-Serie für Amazon Prime Video. Und auch nicht so allgegenwärtig wie die zahllosen unscheinbaren braunen Pakete, mit denen der Postbote jeden Tag in meiner Straße unterwegs ist. Aber vielleicht ist die Cloud ja viel wichtiger und wertvoller.

Denn wie gesagt, die Cloud regelt bald alles. Und wer sie besitzt, besitzt die Infrastruktur der gesamten schönen neuen digitalen Welt. Das Cloud-Geschäft hat zum Gesamtumsatz von Amazon im ersten Quartal mehr als 1,5 Milliarden Dollar beigetragen. "Amazon Web Services ist ein 5 Milliarden-Geschäft, und es wächst schnell", so Jeff Bezos. "Seit einem Jahrzehnt ist AWS ein gutes Beispiel dafür, wie wir Ideen und Risikobereitschaft bei Amazon miteinander verbinden. Wir fokussieren uns unermüdlich auf die Wünsche der Kunden, treiben Innovationen schnell voran und zeigen operative Exzellenz."

Das beruhigt mich sehr. Oder vielleicht doch noch nicht ganz. Wie hieß nochmal die Cloud-Firma, bei der Schwarzenegger arbeitet? Ach ja, Skynet. Also, nur wegen der Vollständigkeit: Ich bin langjähriger und treuer Amazon-Kunde und habe alle offenen Rechnungen stets pünktlich bezahlt.

Klar, dass dieses Geschäft den Börsianern gefällt. Nicht nur, weil es 265 Millionen Dollar Gewinn im ersten Quartal abwarf. Sondern weil die Cloud eine zentrale Infrastruktur für die neue digitale Welt ist. Und wer die Infrastruktur dominiert, verdient immer. Es ist egal, ob VW oder Opel mehr Autos verkauft. PKW-Maut auf der Autobahn werden sie alle zahlen müssen. Für das Fernsehen im Netz bedeutet das: Es ist egal, ob Amazon Prime oder Netflix mehr Abonnenten gewinnt. Aus der Amazon-Cloud kommen beide.

So sieht ein Datencenter für die Cloud aus- Google hat seins schon einmal für Kameras geöffnet:

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