Metz wird chinesisch. Weil Marken wertvoll sind.

"G 9200" von Skyworth. Foto: Skyworth
Kennen Sie "Skyworth"? Nein, nicht Skynet, Skyworth. Das ist immerhin einer der größten TV-Gerätehersteller in China. Und China ist der größte TV-Gerätehersteller weltweit. Noch nie gehört? Macht nichts. Kennen Sie "Lucky Goldstar"? Auch nicht? Also das "Lucky" kommt von der "Lucky Cream", das war was zum auf die Haut schmieren und das erste Produkt des südkoreanischen Unternehmens, kurz nach dem 2. Weltkrieg. Wikipedia schweigt sich darüber aus, ob die Creme wirklich glücklich machte. Jahrzehnte später kamen unter dem Namen "Goldstar" von der gleichen Firma sehr, sehr preiswerte Elektroprodukte sogar bis zu uns nach Europa. Die Qualität war allerdings oft so, dass es nicht bis zu einem ersten Batteriewechsel reichte.

Markennamen sind wichtig und wertvoll. Für den Konsumenten sind sie eine Orientierung im unüberschaubaren Dschungel der Produkte. Als die Produkte besser wurden, wurde aus "Lucky Goldstar" LG. Obwohl LG technisch und qualitativ mittlerweile mit dem anderen großen koreanischen TV-Hersteller Samsung auf Augenhöhe konkurriert, nicht selten mittlerweile sogar vorn liegt, hat der Markenname "LG" noch lange nicht den gleichen Wert erreicht.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Eigentlich gar nichts. Der (fast) letzte deutsche TV-Gerätehersteller Metz ist pleite. Und die TV-Sparte von Metz wird jetzt übernommen. Von Skyworth. Genau wie bei Metz hatte Netz-TV schon im Fall Loewe nicht ganz ohne Widerspruch darüber geschrieben, dass eine Zukunft im "High End"- Bereich zweifelhaft ist, wenn man beim immer noch wichtigsten Teil des Fernsehers, dem Display, auf Zulieferer angewiesen ist. Bei der Display-Herstellung ist global vorn mittlerweile da, wo "LG Display" ist. Einer der größten Kunden von LG Display ist Skyworth.

Skyworth hatte erst vor gut zwei Wochen zu einer globalen Großhändler-Konferenz nach Shenzen eingeladen. Nachdem die Spitzenposition im chinesischen Heimatmarkt gesichert sei, so hieß es dort, wäre es an der Zeit, die Märkte in Übersee als neuer Wachstumszentren für eine weitere sprunghafte Entwicklung von Skyworth in Angriff zu nehmen. China sei schon heute die weltweit größte Volkswirtschaft nach den USA. Die Globalisierung der chinesischen Unternehmen sei in eine neue Phase eingetreten, die nationale Stärke wachse. Es werde prognostiziert, dass im Jahr 2015 die Auslandsinvestitionen Chinas 150 Milliarden US-Dollar erreichen und damit erstmals höher sein würden als die ausländischen Investitionen in China.

Yang Dongwen, Präsident der Skyworth Group, will als braver Soldat seiner Volksrepublik bei der Eroberung der Auslandsmärkte vorn mit dabei sein. Der Weg zur Internationalisierung der Marke Skyworth, so Dongwen, sei die Globalisierung ihrer Produkte. Seine Ziele sind anspruchsvoll: Durch den Aufbau "leistungsfähiger Lieferketten" im Ausland will Skyworth schon 2017 in Übersee ein Verkaufsvolumen von 10 Millionen Stück erreichen, davon 30% unter eigenen Marken. 2020 sollen es dann 15 Millionen Fernseher sein, mit einem Eigenmarken-Anteil von 50%.

Chinesische Unternehmen sind gar nicht so intransparent- sogar die vorgesehenen Maßnahmen dafür kann man nachlesen. Liu Tangzhi, Präsident der "Zentrale für Farbfernseher" bei Skyworth, äußerte dazu unter anderem "man werde dafür im Ausland Produktionsstätten einsetzen, um die Lieferketten zu verkürzen und auch Produktion in Gemeinschaftsunternehmen verlagern".

Das hört sich doch gar nicht so schlecht an für Metz, oder? Naja. Also da oben sieht man den Stolz von Skyworth, das derzeitige Flaggschiff "G 9200". Der ist "4K+" UHD. Mit Stolz wird auf die koreanische Display-Technologie von LG verwiesen, "in Originalverpackung aus Südkorea importiert". Der Fernseher ist gerade einmal 7,5mm dick und damit fast annähernd so dünn wie das neue Flaggschiff von Sony. Als Betriebssystem kann er Android TV. Und kostet in der 65 Zoll (!) - Variante 17.999 Renmimbi- das sind gerade einmal 2.650 Euro, auch beim gerade ja nicht so dollen Kurs. Und Kenner der verrückten Branche wissen: Listenpreis? Da geht noch was.

Einen 65-Zoll UHD-TV hat Metz nach meinem Wissensstand noch gar nicht. Aber teurere Geräte. Es wird also ein weiter und schwieriger Weg.

Heute aber gibt es erst einmal etwas zu feiern. Skyworth, so meldet es Metz, halte am Produktions- und Entwicklungsstandort Zirndorf fest und wolle von dort aus die Marke Metz stärken und ausbauen. Zugleich würden Zirndorf und das bestehende Netzwerk als "Hub" zur Erschließung des europäischen Marktes für die eigenen Produkte der Marke Skyworth dienen. Dazu übernimmt Skyworth 152 der verbliebenen 219 Mitarbeiter der TV-Sparte. Damit blieben rund 70 Prozent der Arbeitsplätze erhalten.

Mehr war wohl kaum zu erhoffen. Alles wird gut:

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