Die Netflix-Taste ist da. Wie regulieren wir das jetzt wieder?

Fotos: Netflix
Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich an einen April-Scherz. Denn die Netflix-Pressemitteilung datiert tatsächlich vom 1. April. Aber es ist wohl ernst gemeint. Möglicherweise sogar ernster, als man selbst im Mai im ersten Moment denken würde. Die "Netflix-Taste" kommt auch (in den USA gibt es die, wie einfach alles, natürlich schon länger) nach Europa. Zuerst einmal auf die Fernbedienungen von SmartTV-Geräten der Hersteller Panasonic, Philips, Sony, Toshiba und Vestel.

Und Schnitt. Gleicher Planet, Erde. Genauer: Deutschland. Noch genauer: Baden-Württemberg. Thomas Langheinrich, Präsident der "Landesanstalt für Kommunikation" (LfK), also der dortigen Landesmedienanstalt, schlägt vor, die voreingestellte Reihenfolge der TV-Sender auf Fernsehern und Settop-Boxen sollte staatlich reguliert werden. "Nach wie vor dürfen Hersteller von TV-Geräten in Deutschland die Reihenfolge der Sender bestimmen. Die Gefahr ist groß, dass Kanalplätze nach Scheckbuch vergeben werden. Neue Sender oder regionale Informationsangebote drohen im digitalen Nirwana unterzugehen."

Und Schnitt. Immer noch der gleiche Planet, Erde. Genauer: Irgendwo in Ostasien. Ein Team von Entwicklern eines globalen Elektronik-Konzerns diskutiert mit dem Chef das Pflichtenheft für den nächsten 8K-UHD-Smart-TV: "Wie machen wir das mit der Fernbedienung? Kaum haben wir eine Idee dazu, aktualisieren die Freaks in Kalifornien wieder das Betriebssystem und nichts passt zusammen. Können wir nicht einfach unser neues Smartphone oder das Tablet als Steuerung dazulegen? Dann müssen wir nur die App neu schreiben und updaten." "Ja, aber wenn wir das machen, bekommen wir vielleicht kein Recommended TV-Siegel von Netflix. Die wollen ihre Taste für das Geld. Und wenn wir keinen 'jetzt kaufen'-Button von Amazon haben, verlieren wir noch mehr Kohle. Vor meinem Büro kloppt sich gerade Frau Siri von Apple mit der Google-Tante um das erste Wort bei der Sprachsteuerung. Dann hat noch ein Herr Zuckerberg angerufen und gesagt, er hätte eine Lösung für alle Probleme und es gäbe noch Geld dazu. Und er würde mir alle Freundschaften kündigen, wenn wir nicht ins Geschäft kommen und er hat verdammt viele Freunde." "Und was wird aus dem Herrn Langheinrich aus Deutschland?" "Deutschland? Die können ja gar keine modernen Fernseher mehr bauen. Sollen sie doch Radio hören, wenn es ihnen nicht gefällt."

Das mit Ostasien ist natürlich alles reine Fantasie und Herr Langheinrich hat natürlich völlig Recht. Kaum ein Fernsehnutzer ändert, so wie es die LFK festgestellt hat, die voreingestellte Programm-Reihenfolge seiner Settop-Box oder des Fernsehers, wenn er damit digitales Antennen- oder Satelliten-Fernsehen schaut. Ganz einfach, weil das Gefrickel in den Menü-Ebenen viel zu viel Nerven kostet und man sich alternativ ja nur ein paar neue Zahlen merken muss. Und ja, "damit sind automatisch die Sender auf den vorderen Programmplätzen in der Pole-Position. Anbieter im hinteren Listen-Bereich haben geringe Chancen, gefunden zu werden." Ja. Aber nur, weil keiner sie vermisst und deshalb danach auf die Suche geht. Und auch nur auf einem Planeten, auf dem man zum Feierabend heimkommt, den Fernseher anstellt und dann auf Programmplatz zwei (denn mit dem Zweiten sieht man besser) bei den "Rosenheim-Cops" hängen bleibt, um friedlich einzuschlafen. Ein Planet, auf dem Herr Langheinrich lebt, aber immer weniger Zuschauer.

Denn vielleicht geht es ja längst darum, ob die "Programmplätze" selbst noch in der "Pole-Position" sind. Netflix jedenfalls hat gerade im Blog die ersten "Recommended", also von Netflix empfohlenen Smart-TV bekanntgegeben. Wichtigstes Kriterium ist die Bedienungsfreundlichkeit beim Internet-TV. Wer Netflix einschaltet, soll durch leistungsfähige Software und Prozessoren das Gefühl haben, er schalte zwischen normalen TV-Programmen hin und her. "Durch die neue Netflix-Taste auf Fernbedienungen ist es jetzt in Europa genauso einfach Netflix zu schauen, wie bei herkömmlichen Fernsehern das Programm zu wechseln. So können Zuschauer unser fantastisches Unterhaltungsprogramm noch schneller genießen", so Bill Holmes, "Head of Business Development bei Netflix".

Von Netflix empfohlen werden die "Roku TV" von TCL, Hisense oder Insignia, die neuen Android-TV von Sony und wohl dank des neuen webOS 2.0 haben es die LG-UHDTV sogar ohne "Netflix-Taste" geschafft. Den "Regulierern" in Deutschland wollen wir aber noch einmal laut zurufen: Ja, Regulierung ist notwendig. Sogar dringend notwendig. Aber ihr könnt nur die Welt regulieren, die es noch gibt.

Bis dahin etwas Unterhaltung zum Thema "erst denken- dann handeln".

Kommentare

  1. NetFlix-Liebe hin oder her! ... Das nervig an dieser dahergelaufenen NetFlix-Taste ist leider, dass diese für Breitfinger in der Regel zu nah an den Cursor-Tasten der Fernbedienung liegt und man deshalb andauernd - auch wenn man gar nicht will - bei NetFix landet. Das dämpft den TV-Genuss ungemein und lässt die Bevormundung der Hersteller im Umgang mit dieser Taste - man wird sie nämlich nicht ohne Ausbau wieder los - zur Geduldsprobe werden.

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  2. Nutze mal "App Starter für netflix button" aus dem playStore falls du ein Android TV hast. Damit kannst du netflix button deaktivieren oder sogar für das Starten andere App nutzen.

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    1. Sowas ist eher schwierig. Bei Sony-TV's funktioniert das Ding zum Beispiel schon nicht mehr- und auch andere Hersteller werden bei ihren Updates solche "Ergänzungen" nicht berücksichtigen.

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