"Broadchurch" im ZDF- warum sind die Briten nur so viel besser?

Foto: ZDF / Colin Hutton
Eigentlich ist es wie immer. Beth ist im Supermarkt um etwas einzukaufen. Aber nichts ist wie immer. Ihr Sohn Danny ist ermordet am Strand gefunden worden, am Strand von Broadchurch, einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt. Plötzlich gucken die Leute anders im Supermarkt und wie das gespielt, gefilmt und gezeigt wird, ist grandios. Und nur eines von vielen Details dieser großartigen Serie, derzeit Sonntag abends im ZDF zu sehen.

Mit "Broadchurch" kommt nur eine weitere Ausnahme-Serie von der Insel zu uns. Sie ist Mördersuche, Familiendrama, Hei­matgeschichte und Psychogramm einer Kleinstadt in Einem. Freunde werden zu Fremden, Täter entpuppen sich als Opfer, Sicherheit war Lüge, Gut und Böse fließen ineinander. Filmisch auf hohem Niveau, so schreibt das ZDF, beeindrucken die vier Fol­gen mit einer ganzen Galerie lebenswahrer und leuchtkräftiger Charaktere, von denen viele mühelos einen eigenen Film füllen könnten. So ist es. Anschauen lohnt sich.

So wie bei "Downton Abbey". Okay, Kostümdramen mit Lords sind Geschmackssache- aber bitte auch einmal darauf achten, wie das umgesetzt wird. Da gibt es mehr als eine liebevolle Ausstattung bis ins kleinste Detail. "Dowton Abbey" beginnt zum Beispiel mit einer filmisch fast unglaublichen, minutenlangen Szene ohne einen einzigen Schnitt. Die Kamera tanzt dabei geradezu durch etliche Räume des Hauses, in denen jeweils etliche Darsteller agieren. Das ist mehr als eine Filmszene, eher schon ein Ballett mit einer Choreografie, ganz großes Kino und dürfte den Beteiligten vor und hinter der Kamera einiges abverlangt haben. Man muss nicht Filmemacher sein- jeder Zuschauer spürt sofort: Das ist anders.

Oder "Sherlock". Der wird nicht nur nach guten Drehbüchern von Benedict Cumberbatch grandios gespielt- die Serie lebt auch davon, dass am Schnitt extrem komprimiert wird, so wie man das bisher in Fernsehserien kaum jemals zuvor gesehen hat.

Worin liegt das Geheimnis der britischen Serien- und warum funktioniert das in Deutschland nicht? Nun, das britische Erfolgsrezept ist eigentlich ganz einfach. Sie suchen eine gute Geschichte, die die Zuschauer unterhält. Allerdings haben die Briten hier wohl schon ein anderes Verständnis von "Unterhaltung". Simple Routine-Drehbücher, bei denen man sich nach den ersten zwei Szenen den Rest der Geschichte bereits in etwa zusammenreimen kann, finden die Briten anscheinend sehr un-unterhaltsam. Also langweilig.

Genau die Drehbücher eben, die mehr als 90% des deutschen Krimi- und sonstigen Schmonzetten-Ramschs ausmachen. Die dann in der Ausstattung umgesetzt werden, die eben da ist, mit entweder grottenschlechten oder wegen Unterforderung sichtlich gelangweilten guten Schauspielern. Denn umgesetzt wird so, wie schon immer umgesetzt wurde- seit den Zeiten, als Dietmar Schönherr noch mit der "Raumpatrouille" unterwegs war, hat sich da nichts verändert. Okay, die Bilder sind jetzt in Farbe. Aber das musste man den Verantwortlichen wohl auch aufzwingen.

Haben die Briten dagegen ihre Geschichte gefunden, so wie bei "Broadchurch", dann setzen sie diese in Szene. Und sie suchen fast bei jeder Szene nach den Bildern, von denen der Zuschauer sagen kann "so hab ich das noch nie gesehen" und sie finden die Bilder. Selbst bei ganz simplen Szenen wie eben die einer Mutter im Supermarkt.

Falls ihnen der Herr rechts im Bild oben bekannt vorkommt, ja das ist er. "Dr. Who" David Tennant ist in "Broadchurch" Chief Inspector Alec Hardy. Wer wirklich schnell verstehen will, warum die Briten so unendlich bessere Filme machen, muss nur einmal über "Dr. Who" nachdenken. Denn auch das "öffentlich-rechtliche" Fernsehen kann ja, wie der Doktor beweist, nicht der Grund sein. Dr. Who ist schließlich BBC, also auch öffentlich-rechtlich.

Aber stellen Sie sich mal vor, sie sind Drehbuchschreiber und wollen von einem Gremium des deutschen Fernsehens viel Geld für dessen Realisierung bekommen. "Um was geht es in ihrer Serie?" "Na ja, da ist der Doktor. Und er reist mit seiner Freundin in einer alten öffentlichen Telefonzelle aus Holz durch Zeit und Raum." Dann werden Sie erleben, wie realistisch doch eigentlich die Daleks sind: "Eliminieren! Eliminieren!!"

Kommentare