Amazon hat bald HDR- und mit dem Zweiten schläft man besser

Alltag im "Alpha House". Foto: © 2014 Amazon.com Inc. or its affiliates.
Ja, bei solchen Konkurrenten kann man bei Amazon schon einmal den Sekt kaltstellen. Denn der Weg des E-Commerce-Giganten, auch zum "Alpha House" des deutschen TV-Konsumenten zu werden, ist eigentlich frei.

Jedenfalls, wenn man so liest, was Hans-Joachim Strauch, Geschäftsführer der ZDF Werbefernsehen GmbH, gegenüber Meedia so zum Besten gibt. Er hält das Thema der neuen Streaming-Konkurrenz für "überschätzt"- sein 18-jähriger Sohn würde nie ein Netflix-Abo abschließen, "weil er im frei verfügbaren TV schon jetzt ein Überangebot hat". Und in den "Konsumzielgruppen", die das ZDF mit seinem "Werberahmenprogramm" habe, sehe er "keinerlei Gefahr, dass dort eine Abwanderung in Richtung Netflix & Co. droht".

Das mag so stimmen. Und es ist sicher auch nicht die Aufgabe eines Chefs der ZDF-Werbevermarktung, das Programm schlecht oder die Konkurrenz stark zu reden. Dennoch macht das nachdenklich. Offenkundig sieht man beim ZDF die öffentlich-rechtliche Aufgabe des Senders darin, für die Zahler des Rundfunkbeitrags zwischen 17 und 20 Uhr ein "Werberahmenprogramm" für Darmprobleme, Inkontinenz und Treppenlifte abzuliefern. Die Frage, ob es nicht vielleicht auch die Aufgabe des deutschlandweiten öffentlich-rechtlichen Senders sein könnte, der US-Streamingkonkurrenz im Kampf um die Zuschauer auf dem deutschen Markt etwas Substanzielles entgegenzusetzen, die Frage stellt man sich beim ZDF anscheinend nicht.

Amazon hat jetzt seinen Prime Video-Kunden noch für dieses Jahr "Filme und Serien in HDR-Qualität" versprochen. Zuerst sollen die "Amazon Originals"-Serien in "High Dynamic Range" bei Prime Instant Video zu sehen sein. Amazon arbeite "mit Hollywood-Studios, führenden Technologieanbietern und globalen Unternehmen im Bereich Unterhaltungselektronik zusammen, um ein einzigartiges HDR-Erlebnis zu ermöglichen".

Richtige HDR-Bilder, so sagen die, die es schon einmal wirklich gesehen haben, lösen beim Zuschauer einen größeren "Wow"-Effekt aus als das viel diskutierte, aber wenig gesehene 4K-UHDTV. HDR bringt mehr Kontrast und mehr Farbe in die Fernsehbilder. Und ja, auch das wird "noch in diesem Jahr" sicher so gut wie niemand sehen können. Dafür braucht das TV-Display ein "10-Bit-Panel" und wenn Sie ihren Fernseher nicht gerade gekauft und sehr viel Geld dafür bezahlt haben, dann hat er es nicht. Auch wenn er "HEVC, HDCP 2.2 und HDMI 2.0" kann, hilft Ihnen das nicht weiter. Die ersten zwei Dinge sind wohl recht nützlich, aber HDMI 2.0, was eigentlich noch fast keiner hat, ist nun quasi über Nacht schon wieder veraltet. HDR braucht den gerade erst erfundenen Standard "HDMI 2.0a".

Also wieder alles nur ein typisch amerikanischer Marketing-Bluff? Ja. Nein. Natürlich hat auch Netflix schon erste HDR-Inhalte angekündigt, die im Moment auch noch keiner sehen kann. Aber neue Fernseher werden kommen und gekauft werden und vielleicht steckt ja dahinter eine Strategie. Eine langfristige Strategie. Also eine Strategie, die Männer, die auf "Quoten" starren, nicht verstehen können. Eine Strategie, die dazu führen könnte, dass deutsches Fernsehen plötzlich den US-Streaming-Konkurrenten mit nicht konkurrenzfähigen Bildern gegenüber steht. Mit einem Unterschied in der Bildqualität, der auch einem typischen Zuschauer des ZDF-"Werberahmenprogramms" sofort auffällt.

Spätestens dann jedenfalls, so glaube ich, entsteht eine sehr große Gefahr, dass "eine Abwanderung in Richtung Netflix & Co. droht". Und dann könnte es zu spät sein. Denn ein "klassisches" TV-Angebot in UHD und HDR wird noch nirgends geplant und es wäre ein sehr, sehr weiter technischer Weg mit immensem Investitionsbedarf.

Im ZDF-"Werberahmenprogramm" gibt es dagegen, sagt der Herr Strauch, "keine neue Produktoffensive, weil diese auch gar nicht nötig ist". Es läuft. Sagen die "Quoten". Amazon Prime Video feiert gerade, dass die deutsche Synchron-Fassung von "Transparent" fertig ist. Die feiern das auch ganz klassisch- mit einem Werbebrief auf Papier an die Amazon-Kunden. Amazon hat viele Kunden. Sehr, sehr viele Kunden. Ich weiß jetzt, dass Amazon Prime Video im Mai anscheinend in die Blockbuster-Offensive geht. Da gibt es "Iron Man III" ab 01.05., "Elysium" ab 02.05., "White House Down" ab 22.05. und "Transformers: Age of Extinction" ab 27.05. Bei denen ist immer irgendwie "Produktoffensive". Wahrscheinlich, weil es nicht so gut läuft. Ganz bestimmt.

Okay, für die Zuschauer des ZDF-"Werberahmenprogramms" ist das wohl auch nicht das Richtige. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der 18-jährige Sohn von Herrn Strauch... Und ja: Selbst die am solidesten gebauten und am besten gesicherten Häuser der Welt können in Gefahr geraten. Meint jedenfalls Regisseur Roland Emmerich:

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