Rundfunkbeitrag: Zoff im ARD/ZDF-Geldspeicher


Und wieder einmal: Früher war alles besser. Wer damals in Milliarden baden konnte, so wie heute die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, hatte diesen angenehmen Zustand bestimmt nur durch strengste Sparsamkeit erreicht statt durch Lastschriftverfahren für möglichst viele Girokonten.

So wird von Onkel Dagobert berichtet, dass er eher zu Fuß durch den Urwald lief, als seinem eigentlich unerschöpflichen Geldspeicher ein paar Taler für die Miete eines Hubschraubers zu entnehmen. Um einen abgelaufenen Gutschein noch einlösen zu können, soll er sogar eine Zeitreise unternommen haben.

Dank der dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk stets wohlgesonnenen FAZ wissen wir jetzt, dass es im Kölner Geldpeicher von ARD, ZDF und Deutschlandradio ganz anders zugeht. Statt sich um einen Berg von zwei Millionen unerledigter Kundenanfragen zu kümmern, seien "hochmotorisierte Dienstwagen" für die Führung des Hauses ein wichtigeres Anliegen und bei der Besetzung von Führungspositionen im Hause würden "sachfremde Erwägungen und persönliche Verbindungen" statt beruflicher Qualifikation eine Rolle spielen. Die Mitarbeiter hätten dagegen wegen eines anstehenden Stellenabbaus "nur noch Angst".

"ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice", so heißt die Behörde seit dem "Rundfunkbeitrag". Also die Behörde, die früher die "GEZ" war. Überhaupt, dass muss einmal gesagt werden, genießen die zuständigen PR- und Marketingfachkräfte meine grenzenlose Bewunderung. Denn bezahlen müssen wir ja sowieso. 1990 zum Beispiel umgerechnet 9,71 Euro im Monat. Aber das war etwas ganz, ganz anderes. Das war eine "Rundfunkgebühr", die von einer "Gebühreneinzugszentrale", eben der GEZ, "eingezogen" wurde. Heute kostet es zwar 17,98 Euro im Monat- aber das ist der "Rundfunkbeitrag", der vom "Beitragsservice" eingezogen- ähh, erhoben wird. Während früher also die Obrigkeit uns mit dem Einzug von Gebühren traktierte, dürfen wir jetzt endlich, endlich auch etwas "beitragen" und bekommen einen "Service". Also ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es ab 1. April 48 Cent billiger wird, nur weil wohl sonst der Kölner Geldspeicher überlaufen könnte.

Und überhaupt: Beim Beitragsservice handelt es sich schließlich um eine urdeutsche Behörde, ähh einen urdeutschen Service. Also jedenfalls eine Einrichtung, bei der es völlig unmöglich ist, dass "hochmotorisierte Dienstwagen" aus anderen Gründen als der effektiveren Erfüllung der Dienstpflichten angeschafft oder gar Leute aus anderen Gründen als purer Leistung und Qualifikation befördert werden. Wir sind schließlich nicht in Griechenland. Jawoll.

Genauso ist es unmöglich, dass es in einer solchen Einrichtung "unerledigte Anliegen" gibt. Höchstens in Einzelfällen und dann natürlich wegen Personalmangel. Kann ja sein, dass Mitarbeiter hin und wieder ins Autohaus müssen und dann bleibt eben mal etwas liegen. Der Service aber funktioniert. Selbst sonst eher benachteiligte und diskriminierte Mitbürgerinnen und Mitbürger bekommen da uneingeschränkten Zugang zu den Dienstleistungen. So wurden in Dortmund gerade zahlreiche Flüchtlinge vom "Beitragsservice" angeschrieben. Man wollte ihnen dabei helfen, festszustellen, ob sie auch etwas beitragen dürfen.

Etwas so wertvolles darf man jedenfalls nicht abschaffen, nur weil irgendwelche Professoren das fordern. Oder ständig und pausenlos sinnfreien Diskussionen über irgendeine Zukunft vom Zaun brechen. Was interessiert uns die Welt da draußen? Wir haben schon ganz andere Dinge als dieses "Internetz" einfach ausgesessen und erfolgreich darauf gewartet, dass es vorbei geht. Ganze Weltkriege zum Beispiel.

Im Jahre 1902 beschloss der deutsche Reichstag die Einführung einer "Sektsteuer", um die kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren. 1933 wurde sie zwar kurzzeitig abgeschafft, aber schon ab 1939 wurden die Einnahmen wieder gebraucht, um für die Nazis die deutsche U-Boot-Flotte mit zu finanzieren.

Im Jahr 2013 nahm der Bundeshaushalt, sagt Wikipedia, 449 Millionen Euro "Schaumweinsteuer" ein. Änderungen daran sind nicht geplant. Das ZDF zeigte 2014 insgesamt 452 Krimis im Programm. Welche U-Boote mit den Mitteln der Schaumweinsteuer gebaut wurden, ist nicht bekannt. Vielleicht wird die irgendwann ja ein Champagner-Service. So etwas wird gebraucht, da wo die Geldpeicher stehen.

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