LeFloid wird Berater für den ARD/ZDF-Jugendkanal

Screenshot: YouTube/LeFloid
Langsam wird es ernst. Schon 2016 soll er an den Start gehen, der öffentlich-rechtliche "Jugendkanal" im Internet, also im nächsten Jahr und damit in der Welt der durch bedächtig arbeitende Gremien gesteuerten "Anstalten" ja praktisch eigentlich schon morgen. Einen verantwortlichen Geschäftsführer für das mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag jährlich an "Rundfunkgebühren" finanziell gut ausgestattete Projekt gibt es mittlerweile, Florian Hager heißt er und er kommt von Arte. Also von dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das so experimentell ist, dass es vorsichtshalber ein wenig außerhalb der deutschen Grenzen in Frankreich angesiedelt werden musste.

Was wird sich durch das öffentlich-rechtliche Jugendangebot ändern? "Gar nichts", so meinte RTL-Urgestein und Privatfernsehlegende Helmut Thoma im Vorjahr auf dem Medienforum Mittweida. "Des is wie wenn se an Rapdancer ins Pensionsheim packen. Ein Jugendkanal von Sendern der Kategorie Pflegeversicherung- das funktioniert nicht."

Genau deshalb hat Florian Hager wohl jetzt den ungemütlichsten öffentlich-rechtlichen Job in Deutschland. Denn die "Anforderung" des neuen öffentlich-rechtlichen Angebotes durch die Ministerpräsidenten der Länder im vorigen Jahr enthielt mit der Beschränkung des "Jugendkanals" auf das Internet eine von den Intendanten so wohl nicht geplante Giftpille. Eigentlich sollte es doch eher ein "Sender" werden, digital, "trimedial" und "socialmedial" natürlich, aber eben ein Sender, mit "Quoten", die man dann immer irgendwie als "Erfolg" interpretieren kann. Über reine Internetangebote dagegen ist allgemein bekannt, dass sie "Abrufzahlen" haben. Für jede einzelne "Sendung". Oder jedes "Video", wie es da heißt.

Und an genau diesen Zahlen wird der Erfolg des "Jugendkanals" gemessen werden. Ja, hört man es da schon rufen, man könne Erfolg nicht nur über Quoten definieren und und und- aber ein "Jugendkanal", der "die Jugend" nicht erreicht, ist wie eine Fußballmannschaft, die keine Tore schießt und somit überflüssig. Also wird man Florian Hager an den Zahlen messen. Und im Vergleich dazu an Zahlen wie diesen: Knapp 300 Millionen Abrufe verzeichnet zum Beispiel der YouTube-Kanal von "LeFloid" und dass neue Videos dort nach kurzer Zeit die Millionen-Grenze knacken, ist fast schon normal.

Deshalb hat "LeFloid" jetzt einen neuen Nebenjob. Sicher ganz gut bezahlt, denn Geld ist ja da. Und das gibt's noch obendrauf, jetzt, wo er ja seine YouTube-Einnahmen nicht mehr mit Mediakraft teilen muss. Er ist nun "Berater" für den Jugendkanal. Man arbeite derzeit mit "Szenegrößen" wie LeFloid an der "Entwicklung von Formaten für die Plattform", so Hager gegenüber dem "SPIEGEL". Man wolle YouTube aber nicht kopieren.

Glaube ich nicht. Wollen würde man vielleicht schon gern, aber können... Ist es so schwierig? Nein. Aber YouTube ist eben tatsächlich eine "Plattform", während man beim Jugendkanal vielleicht eine sein will, aber wohl keine sein kann. Eine Plattform ist Austausch. Alle senden, alle empfangen. "LeFloid" ist eben nicht nur Florian Mundt, so wie er tatsächlich heißt und sein Publikum unterhält- er ist vor allem die Community, die er mit seinem "Programm" auf YouTube binden und interessieren kann. Ohne die YouTube-Community wäre er auch nur einer von vielen, die da aus dem Bildschirm heraus die Leute vollquatschen. Es sind die Interaktion und der Austausch, die das Publikum faszinieren.

Und genau das wird öffentlich-rechtlich und gremiengesteuert nicht funktionieren. Die echte Kommunikation mit einem echten Publikum hat das "Rundfunk"-System nie gelernt. Einen "Sender" aber, der das verloren gegangene Publikum in die Herde der nur empfangenden Schafe zurückholen kann, den wird es nicht geben- egal mit welchem "Programm".

Na dann, auf zum neuen Jugendkanal:

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