Google Fiber- mehr als ein Glasfaser-Anschluß: Es ist ein Labor.


Früher war alles besser. Auch im Fernsehen. Man war "Rundfunk", das kommt von "Funk" und den dazugehörigen "Wellen", auf denen ein "Programm" ausgestrahlt wurde. Es gab schlechten Empfang und es gab guten Empfang, aber es wurde immer "empfangen" und zwar dass, was aus dem "Funkhaus" gesendet wurde. Heute ist alles "digital", also in Daten, beim Fernehen viele Daten und das macht alles so viel schwieriger. Oder eben anders.

Rundfunkwellen, einmal ausgestrahlt, konnten zum Beispiel gestört oder schlecht und vielleicht sogar gar nicht empfangen werden. Aber nicht mehr verändert. So, wie sie aus dem Funkhaus kamen, wurden sie empfangen- oder eben nicht. Und eingeschaltet. Genau das maßen dann beim Fernsehen die Einschaltquoten. Dann wusste man, wie viele das Programm empfangen hatten und konnte einen Preis für die Werbespots festlegen. Und über den "TKP" (Tausenderkontaktpreis) war das Ganze dann prima vergleichbar.

Jetzt ist alles digital. Jetzt ist alles anders. Digital heißt, dass Datenpakete vom "Sender" zum "Empfänger" kommen und er kann entscheiden, ob er sie jetzt, später oder gar nicht anschaut. Und die Datenpakete können auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger auch verändert werden. Auch von Dritten und theoretisch sogar ohne Wissen und Einverständnis von Sender oder Empfänger. Das aber kann, dank der tollen Erfindung des Internets, dann sogar besser, genauer und in Echtzeit gemessen werden- viel besser und genauer als die "Einschaltquoten" es jemals waren.

Soweit, so gut. Bei uns gibt es zum Glück ja immer noch die "Regulierer", die uns im TV-Bereich Gott sei Dank vor zu viel Zukunft und Fortschritt zuverlässig schützen. In den USA aber gibt es "Google Fiber"- eine Breitband-Infrastruktur, die Google in ausgewählten Städten aufbaut und die FTTH-Glasfaserverbindungen und die damit möglichen Datenraten im Gigabit-Bereich direkt in die privaten Haushalte bringt. Zusammen mit einem kompletten TV-Angebot als IP-TV.

In Kansas City hat Google Fiber jetzt noch etwas Neues. Na ja, genauer gesagt, ein "kleines Experiment". Lokale Unternehmen können dort jetzt in den ganz normalen Werbeblöcken im TV-Progamm TV-Werbespots buchen. Bei Google, nicht beim Sender. Für das ganz normale Fernsehprogramm. Und diese "Fiber TV Ads" können "real Time" ausgeliefert werden. Für bestimmte ausgesuchte Gebiete, Sendungen - oder für Zuschauer, deren bisherige "Viewing History" vermuten lässt, sie würden eventuell dieses oder jenes Produkt kaufen. Das kann man natürlich abschalten. Wenn man daran denkt.

Alles im Prinzip eigentlich doch nichts Neues. Das kann uns nicht erschrecken, das kennen wir alles. Von der Online-Werbung im Internet. Aber die Fernsehsender könnte das sehr erschrecken. Die kennen die Preisentwicklung bei der Online-Werbung und würden über 90% ihrer Einnahmen verlieren, sollten die Regeln für Internetbanner auf die TV-Werbespots der Zukunft Anwendung finden. Es würde die bisherige Existenzgrundlage der Branche vernichten.

Zum Glück ist es ja nur ein "kleines Experiment". Die "Mad Man" sind ewig. Oder?

Kommentare

  1. Spannend - der Haken an der Sache ist allerdings, dass durch die Werbeeinnahmen nicht nur dicke Firmenwagen der Senderbosse finanziert werden, sondern in erster Linie vor allem Content. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: weniger Werbeeinnahmen -> weniger attraktiver Content -> noch weniger Werbeeinnahmen... Spannend wird also die Frage: wie sieht das Content-Finanzierungsmodell der Zukunft aus?

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    1. Es wird wohl viel Content geben, für den sich gar kein Finanzierungsmodell mehr finden lässt. Der Rest wird sich extrem auseinander entwickeln. Immer bessere Qualität gegen Abonnement- und sonstige Gebühren und billigster Werbe-Trash for free.

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