BuzzFeed & Co. - die Quoten-Milliardäre der Video-Explosion

Screenshot: live.huffingtonpost.com
Kennen Sie "BuzzFeed"? Nein? Dann sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit a) älter und b) kein Journalist. Denn BuzzFeed gehört zu diesen rapide wachsenden "neuen Medien" aus dem vorwiegend US-amerikanischen Raum, die die Welt über das Netz mit "Nachrichten" versorgen. Mit Nachrichten für den kleinen News-Hunger zwischendurch, wie sie anscheinend insbesondere die Jüngeren mögen. Mit Nachrichten wie "19 Gründe, warum Du niemals das Siegerland besuchen solltest" (deutsche BuzzFeed-Ausgabe). Mit Nachrichten, die die klassischen "Journalisten" das Gruseln lehren- zuerst wegen ihres Inhalts und dann wegen der Leserzahlen, die sie erreichen.

Denn diese Leserzahlen sind immer öfter wesentlich größer als die Leserzahlen, die die "Altmedien" noch schaffen. Inbesondere bei den jüngeren "Zielgruppen" am Smartphone. Dazu kommt ein, sagen wir mal, "unverkrampfteres" Verhältnis zur Werbung. So gibt es bei BuzzFeed gar keine "Anzeigen" mehr. Statt dessen können zahlende Werbekunden einfach eigene Artikel veröffentlichen. Das nennt man dann im Marketing-Denglisch "Native Advertising", also "natürliche Reklame" und Natur liegt ja schließlich überall im Trend.

Nun sollte es für "Netz-TV" relativ egal sein, wenn BuzzFeed & Co. zeigen, wie realitätsfern die immer noch weit verbreitete Idee ist, das einstige Tageszeitungs-Modell mit Abonnementgebühren, Anzeigen und "redaktionellen Beiträgen" könnte vom Papier einfach in die digital vernetzte Welt übertragen werden. Ist es aber nicht. Denn Internet findet immer auf Bildschirmen statt. Internet ist Fernsehen, auch wenn die Bildschirme mobil und klein sind. Und BuzzFeed & Co. entdecken das gerade.

Seit sechs Monaten gibt es deshalb die Abteilung "BuzzFeed Motion Pictures", also die Abteilung für die bewegten Bilder, sprich Video, und die meldet gerade stolz für BuzzFeed eine Milliarde Videoabrufe. Monatlich. Nach gerade einmal einem halben Jahr. "Im September 2012 waren wir zu fünft und wir experimentierten mit Videoformaten für einen YouTube-Kanal", so BuzzFeed Motion Pictures-"Präsident" Ze Frank gegenüber der LA Times. "Jetzt haben wir ein Team von über 160 Mitarbeitern. Wir veröffentlichen rund 50 Videos pro Woche auf mehr als 20 Plattformen und Portalen rund um die Welt."

Und BuzzFeed ist nicht allein. BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti war einst auch einer der Gründer der "Huffington Post" und die Huffington Post hat schon seit fast drei Jahren mit "HuffPost Live" ein eigenes "WebTV". Auch dort wird gerade mit Hochdruck weiter ausgebaut. "Wir werden jede Art von Video machen, Kurz- und Langform, Branded Entertainment, Live-Programm, Skript, Dokumentationen, TV, Features - und wir werden das Programm und die Inhalte weltweit in großem Maßstab verbreiten", so ist von Nathan Brown, der bei der HuffPost gerade seine neu geschaffene Position als "Generalmanager Video" antrat, bei CNN -wohl noch- zu lesen, statt zu sehen und zu hören.

So wird es schon in diesem Monat erstmals "The HuffPost Show" geben- ein wöchentliches politisch-satirisches Live-Programm. Also eigentlich so etwas wie "Late-Night". Oder die "heute-Show". Oder wie Fernsehen. Das Ganze ist Teil einer Strategie, die bei der Huffington Post intern 50 zu 50 genannt wird. "Im Grunde bedeutet es 50% Video und 50% Text", so CEO Jimmy Maymann gegenüber CNN. "Es ist eine enorme Veränderung der Denkweise."

Aber auch das alles könnte Netz-TV relativ egal sein. Wenn da nicht der Hauptgrund wäre, warum es passiert. Video oder Fernsehen zu produzieren, ist weit teurer als die Produktion von Text. BuzzFeed oder Huffington Post können auch mit Texten enorme Reichweiten produzieren und bekommen diese Texte oft noch kostenlos frei Haus. Es muss einen anderen Grund geben. Vor BuzzFeed-Videos läuft auch ganz normale Werbung. Vielleicht ein erster Hinweis darauf. Denn der Grund ist wohl die Werbung.

Werbung mit bewegten Bildern ist die Königsdisziplin der Werbung. Nur mit TV-Spots können angeblich "Marken aufgebaut" werden, nur für TV-Spots kassieren die Fernsehsender viele Milliarden an Einnahmen. Genau auf diese Milliarden wird jetzt der Großangriff aus dem Internet gestartet. Noch gibt es ein gewisses Zögern bei den Werbekunden. Aber auf dem US-Markt zeichnet sich bereits eine Trendwende ab. Große TV-Werbekampagnen laufen immer mehr und ganz normal auch im Web-TV.

Aber auch das könnte Netz-TV relativ egal sein. Nur: TV-Werbung im Netz wird auch die Möglichkeiten der Werbung im Netz schrittweise nutzen. Dinge wie "Real Time Bidding" und "Targeting" werden auch für TV-Spots normal werden und die bisher so schön übersichtlich geregelte Verteilung nach "Quoten" nach und nach ablösen. Ein ins Unendliche wachsendes Angebot an Werbeplätzen wird entstehen. Und möglicherweise zu dem gleichen Preisverfall bei Werbebuchungen führen, der in der "Apokalypse" endet, die hier beschrieben wird.

Das aber würde für privates Free-TV, so wie wir es kennen, die Geschäftsgrundlage komplett zerstören.

Ist es Werbung? Sind es Nachrichten? Auf jeden Fall ist es eine Uhr:

Kommentare

Aktuell meist gelesen: