Warum HDplus ein Problem für die Privatsender ist.


Die interessantesten Ergebnisse ergeben sich oft aus der Gegenüberstellung verschiedener Erfolgsmeldungen. So freut sich die HD plus GmbH, die Mautstelle der deutschen privaten Fernsehsender für den HDTV-Empfang von Dschungelcamp oder Germanys nächstem Topmodel, über "kontinuierliches Wachstum" im Jahr 2014. Zum 31.12.2014 gab es 1.654.330 zahlende Kunden gegenüber 1.412.554 im Jahr zuvor. Also 17% mehr.

Nach dem TV-Monitor 2014, den das Marktforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des Satellitenbetreibers Astra erstellt hat, schauten rund 17,6 Millionen TV-Haushalte in Deutschland Ende 2014 ihre Programme in hoch aufgelöster Bildqualität. Das sind rund 24 Prozent mehr als die 14,2 Millionen im Vorjahr.

Von 3,4 Millionen neuen HDTV-Zuschauern 2014 kamen also netto gerade einmal gut 240 Tausend bei HDplus als zahlende Kunden an- gut 7%. Prozentual sinkt damit der Marktanteil von HD plus bei den Nutzern hochauflösender Fernsehbilder insgesamt deutlich unter 10%. Bei HDplus freut man sich deshalb zusätzlich über rund 1,4 Millionen Haushalte in der "kostenlosen Testphase" und deren "Potenzial für weiteres Wachstum". Ein Jahr zuvor waren allerdings auch schon knapp 1,3 Millionen Haushalte beim kostenlosen testen und haben sich offenkundig meist nicht zum kostenpflichtigen Abonnement durchringen können. Das Kundenwachstum bei HDplus betrug 2013 noch 49%, fast eine halbe Million.

Okay, könnte man sagen, was soll's. Ist doch egal, wenn der Versuch offenkundig gescheitert ist, die Zuschauer von RTL und Co. in großer Zahl von gebührenpflichtigem HDTV zu überzeugen. Wenn gut 1,6 Millionen bezahlen, lohnt es sich doch trotzdem. So einfach ist es aber nicht.

Es ist sogar ein ziemlich kompliziertes Dilemma. Einerseits bringt HD plus mittlerweile schöne und regelmäßige Einnahmen, auf die man natürlich nicht mehr verzichten möchte. Andererseits verhindert das Pay-HDTV aber die Free-TV-Ausstrahlung der privaten Programme in HD und benachteiligt sie damit im Kampf um die Einschaltquoten. Bisher war dies noch zu verkraften. Aber zu den öffentlich-rechtlichen Konkurrenten und ein paar HDplus-Verweigerern wie "ServusTV" kommen jetzt noch die Video on Demand - Plattformen dazu. Amazon und Netflix aber streamen erste Programme sogar schon in 4k-UHD. Wenn HDplus aber die Einschaltquote beschädigt, geraten die Werbeeinnahmen in Gefahr. Und da geht es um andere Größenordnungen als beim HDTV-Abo.

Gibt es einen Ausweg aus der vertrackten Situation? Das glaube ich nicht. Erst einmal versucht man die Flucht nach vorn. "Unser Ziel ist es, bei HD+ so rasch wie möglich UHD-Inhalte anzubieten, die deutlich über ein klassisches Demo-UHD-Angebot hinausreichen werden", so Wilfried Urner, Vorsitzender der Geschäftsführung der HD plus GmbH. Ob das ausreicht? Noch gibt es eigentlich keine Programme für die bereits verkauften UHD-Fernseher.

Rund 220.000 Ultra HD Fernseher wurden laut "GfK Retail and Technology" bis Ende 2014 in Deutschland verkauft, so meldet es Astra. Die Nachfrage solle 2015 nochmals spürbar anziehen, die Marktforscher rechnen bis Ende des Jahres mit weiteren rund 750.000 verkauften Ultra HD Geräten. Ein Markt für ein UHDplus wäre also da. Allerdings erfordert ein UHD-Fernsehprogramm erhebliche Investitionen in die Produktionstechnik im Sender- und die ist bei allen durch die gerade erst erfolgte Aufrüstung auf HDTV eigentlich noch neu.

Aber auch dafür hat HDplus eine Idee: Auch solange es noch keine UHD-Inhalte gibt, so heißt es, führe für Konsumenten, die sich ein neues TV-Gerät kaufen und ihr Programm über Satellit empfangen, kein Weg an HD+ vorbei. Nur mit einem HD-Signal könnten die wesentlichen technologischen Vorzüge eines UHD-Fernsehgerätes bereits heute erlebt und die Qualitätsvorteile genutzt werden. Mit herkömmlicher Standard-Qualität als Quelle sei die Enttäuschung beim Kunden dagegen vorprogrammiert.

Stimmt. Es sei denn, die Zuschauer befinden die Programme der frei empfangbaren HD-Sender in Kombination mit Netflix und/oder Amazon nach ihrer Enttäuschung über das Bild bei RTL oder Sat.1 für völlig ausreichend.

Vergesst es. Gebt das HD-Signal frei.

Kommentare

  1. Bis insbesondere RTL zur Erkenntnis kommt, das HD-Signal freizugeben, ist es noch ein weiter Weg. Aktuell geht es eher in die Richtung, über alle denkbaren Ausspielwege eine Verschlüsselung durchzudrücken (z.B. DVB-T2).

    Zur Strategie gehören nicht nur die vermutlich bislang recht überschaubaren Einnahmen aus den Abogebühren (bei HD+ 60 Euro verteilt auf 20 Sender abzüglich Verwaltungsgebühr).

    Es geht vor allem auch darum, die Möglichkeiten der Zuschauer einzuschränken. Dazu gehören insbesondere verschiedene Aufnahme-Sperren: Werbung kann nicht übersprungen werden oder das HD-Signal kann sogar überhaupt nicht aufgezeichnet werden. Vermutlich macht ein auf einen begrenzten Benutzerkreis eingeschränktes HD-Signal auch die Rechte günstiger, da die Gratis-Versorgung ganz Europas wegfällt.

    Dafür fällt (wie oben im Artikel erwähnt) einiges an Publikum weg. Ob diese "Mischkalkulation" aufgeht, wird man sehen. Ob Netflix & Co. in Deutschland ein Massenphänomen werden und zur echten Konkurrenz für die Privaten werden, muss man aber auch erst mal abwarten ...

    Grüße
    Ulrich

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    1. Stimmt- danke für die Ergänzung. DVB-T2 ist ein schönes Beispiel für den Holzweg HD+. Der Vorteil von DVB-T2 ist ja gerade, dass es auch HDTV senden kann. RTL in HD frei über Antenne zu versenden und gleichzeitig über Satellit und Kabel Gebühren zu verlangen macht keinen Sinn. Netflix ist noch kein Massenphänomen in Deutschland. Aber wie viele in meinem Umkreis weniger als ein Jahr nach dem Start schon Amazon Prime Video nutzen, ist erstaunlich.

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  2. Widersprichst du dir nicht selbst? Du sagst, dass der Großteil der Zuschauer, die HD+ testeten, sich nicht auf ein Abo einließen. Entsprechend heißt das, dass sie kein Interesse an der verbesserten Bildqualität haben. Als Gefahr für die Quoten siehst du dagegen die 4k-Auflösung, die von Streaming-Diensten ausgeht. Wäre dem Zuschauer die Bildqualität so wichtig, hätte er dann nach dem Test nicht ein Abo abgeschlossen?

    Es sind doch immer noch die Inhalte, die den Zuschauer interessieren, nicht die technische Auflösung. Sonst müssten die Privaten ja jetzt schon erhebliche Verluste gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen verbußen.

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    1. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass die Zuschauer Interesse an der besseren Bildqualität haben. Sie haben nur ein Problem damit, zusätzlich bei HD+ dafür zu bezahlen und schauen dann halt mehr öffentlich-rechtlich, denn da ist es kostenlos. Das ist noch nicht so gravierend, gerade einmal knapp die Hälfte haben überhaupt schon HD-Fernsehgeräte. Aber es nimmt zu. Damit könnten die Privaten noch klar kommen- aber nun kommt mit den Streaming-Diensten eine weitere Konkurrenz dazu. Es gibt Zuschauer, die abonnieren alles, ja. Aber viele werden sich fragen ob sie statt 60 Euro im Jahr nicht lieber für 49 Euro bei Amazon Breaking Bad in HD gucken. Und genau da beginnt das Dilemma, dass die Privatsender nicht nur Abonnenten sondern auch Zuschauer verlieren. Und die wiederum sind die Basis ihrer Werbeeinnahmen.

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  3. Ich stehe derzeit genau vor diesem Problem. Ich zahle keine 60€ für Privatsender, die mich 1/3 der TV-Zeit mit Werbung langweilen! Für die 2h Privatsender/Woche kann ich mir auch Netflix holen. Da gucke ich ebenfalls meine Serie OHNE Werbung und WANN ich will.

    Mein PS4 Signal und Blu-Ray werden ja ebenfalls bestens angezeigt. Was soll ich denn da noch RTL/Sat1/Pro7 gucken?

    PS.: Der Anti-Roboter Test ist selbst mit UHD nicht zu schaffen!

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    1. Mmh. Mehr als einen Haken des Vertrauens wollte Google von mir nicht.

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  4. ich denke, HD-Plus wird es mittel- bis langfristig so nicht mehr geben. War mal 1 Jahr Kunde (ueber Skyabo) bei HD-Plus. Das hat dann aber auch gereicht. Nicht, dass ich es ein HD-Bild nicht zu schaetzen wuesste, aber 60 Euro im Jahr und dann nicht mal aufnehmen bzw. timeshiften zu können, empfinde ich als Witz. Mit den genannten Funktionen inclusive wuerde ich es tatsaelich wohl weiter abonieren, aber so..... auf keinen Fall. Wir sind im Jahr 2016 und ich soll mir auf meinen 55 Zoll HD-Fernseher noch eine SD-Signal anschauen? Nein, dann verzichte ich lieber ganz auf Privatfernsehen bzw. beschraenke mich auf einige wenige Sendungen, wie z.B WWM. Ganz traurig macht mich der Deal des DFB mit RTL, wonnach RTL in den naechsten Jahren den Grossteil der Fussballnationalmannschaft uebertraegt. Fussball in SD auf einem Full-HD 55 Zoll Fernseher. Das geht never! Wenn die bei RTL jetzt glauben, dass ich fuer die paar Spiele dann doch 60 Euro im Jahr investiere, dann haben sie sich "geschnitten". Und ich glaube, ich bin nicht der Einzige!

    So, wie es jetzt ist, wird HD Plus eine "Totgeburt". Punkt. Aus

    pit

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    1. So ist es. Spannend wird sein, wie sich die Geschichte mit dem DVB-T2 entwickelt- da kommt HDplus ja für die KabelTV-Gucker durch die Hintertür mit dem Vorteil, dass sie die Kabelgebühren sparen können. Wirtschaftlich wird es aber immer unsinniger, dass die Privaten die Kosten der ganzen SD-Sender tragen müssen, sie aber wegen HDplus und der Reichweite niemals abstellen können.

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  5. Ja, sie sparen die Kabelgebuehren, aber fuers DVB-T2 HD gucken muss ja doch wieder 60 Euro im Jahr bezahlt werden (dazu haeufig noch der entsprechende Adapter fuer 80 Euro). Und aufnehmen und timeshiften geht da, so glaube ich, auch nicht, oder? Selbst in der Testphase jetzt sind die privaten verschluesselt, sprich man braucht ne Adapter fuer 80 Euro und ne Karte (keine Ahnung was die noch kostet).

    Irgendwann werden sie hoffentlich merken, dass sie nen Fehler gemacht haben (die Privatsender).

    Ausser WWM und Galileo schau ich dort gar nichts mehr. Fuer Filme und Serien habe ich Sky und Netflix und Amazon Prime.

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    1. Ja. Aber in den 60 Euro ist ja merkwürdigerweise HDplus plötzlich schon drin. :-) Und dafür gibt es sogar erstmals echtes HD in voller Auflösung. Bei meinem Fernseher (47 Zoll) ist das "SD-Problem" beim Fußball schließlich gar nicht so groß. Der TV rechnet sehr gut "hoch". Bei Fußball-Übertragungen ist es da noch entscheidender, wie gut und neu die Kameras sind. :-) Klar- eine WM in HD auf ARD und ZDF bringt tolle Bilder, da nagelneue Technik. Aber Regionalfußball in HD kann durchaus matschiger sein als Fußball auf RTL in SD.

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