Von Null auf Eins- ist Amazon schon das neue deutsche Fernsehen?


Wow. Geahnt habe ich es ja schon irgendwie, schließlich gab es bereits Indizien, aber diese aktuellen Zahlen sind ziemlich krass. Nur ein Jahr nach dem Start ist Amazon wohl eindeutiger Marktführer für Video on Demand (VoD) in Deutschland. Netflix dagegen, die wahrscheinlichen Gründe wurden ja bereits kürzlich hier beschrieben, liegt deutlich auch noch hinter Marktpionier Maxdome, Apples iTunes oder Google Play zurück.

Jedenfalls dann, wenn man den aktuellen Zahlen der renommierten Fachleute von Goldmedia vertrauen mag. Nach der aktuellen Studie, für die im Februar Internet-Nutzer im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt wurden, nutzen bereits 35 Prozent aller Onliner in Deutschland VoD-Angebote. Vor sechs Monaten im September 2014 waren es noch rund 20 Prozent. Mit einem Anteil von 33,2 Prozent ist Amazons Prime Instant Video mit weitem Abstand Marktführer. Und das ist noch nicht einmal alles- weitere 5,7 Prozent gaben an, Amazons Verleih- und Kaufservice Instant Video zu nutzen.

Das rasante Wachstum des VoD-Marktes insgesamt pulverisiert geradezu alle früheren Prognosen. Und Amazons attraktives Paket aus Prime-Lieferservice für den E-Commerce zusammen mit einem großen Film- und Serien-Angebot scheint tatsächlich den Markt aufzurollen. Ja, es gibt erfolgreiche Mediatheken der Fernsehsender. Ja, es passiert noch viel mehr auf diesem Markt als Amazon. Aber die Verantwortlichen bei ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1 & Co. sollten den erfolglosen Kampf der deutschen Verlage mit dem Internet um ihre Leser genau studieren. Und sich fragen, was ein Konkurrent, der im Zukunftsmarkt "NewTV" so eben mal in zwölf Monaten von Null auf Eins startet denn in den kommenden Jahren noch so alles erreichen könnte.

Auch interessant: Die Frage, welche Filme und Serien die Nutzer zuletzt gesehen haben, brachte bei den Serien "The Big Bang Theory" (7,4%), "Breaking Bad" (6,9%) und "The Walking Dead" (4,8%) auf die ersten drei Plätze. Neben wenigen TOP Serien zeige die Auswertung dann eine sehr breite Streuung der Nutzerinteressen.

Noch auffälliger sei dieser "Long Tail-Trend" bei den beliebtesten Spielfilmen. Die führende "Hobbit"-Trilogie wurde von gerade einmal drei Prozent der VoD-Nutzer genannt, bei der zweitplatzierten "The Hunger Games"-Trilogie waren es etwas mehr als zweieinhalb Prozent. Es folgen auf den Plätzen der Film "Noah" und "Batman - The Dark Knight Trilogy". Nur etwa 30 Filme wurden überhaupt von mehr als einem Prozent der Nutzer gesehen. Video on Demand ist eben kein "Fernsehen für den kleinsten gemeinsamen Nenner". Und genau deshalb das bessere Fernsehen.

Und mittlerweile fast täglich geben die "Amazon-Studios" neue Produktionsaufträge bekannt...

Kommentare

  1. Gibt es auch eine Zahl, wie viele Leute ingesamt VoD nutzen?

    Ich war gerade mal auf der Startseite von Netflix.de. Da finde ich null Infos, was die mir bieten. Irgendwie abschreckend.

    Gruß
    Ulrich

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    1. Wirklich belastbare Zahlen gibt es nicht. "35 Prozent aller Onliner" wären allerdings eine zweistellige Millionenzahl... Was Netflix einem bietet und ob es für einen das Richtige ist, kann man in einem kostenlosen "Probemonat" ausprobieren.

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