Vom Wirt und der Rechnung- YouTube entzaubert die Netzwerke


Man soll die Rechnung nicht ohne den Wirt machen- das war einer der Lieblingssprüche meines Opas. "Don't be evil", den offiziellen Firmengrundsatz von Google, hat er nicht mehr gekannt. Aber er hätte ihm sicher auch gefallen. Denn für den Notfall hätte er immer noch "Ausnahmen bestätigen die Regel" parat gehabt.

"Don't be evil" gilt offiziell natürlich auch für die Google-Tochter YouTube. Das bedeutet aber nicht unbedingt, niemandem weh zu tun. 50% Wachstum meldet YouTube gerade für das vorige Jahr. Wachstum wohlgemerkt bei der "Einschaltquote", also bei der Zeit, die die Zuschauer mit dem Anschauen der Online-Videos verbringen. Über das Wachstum bei den Einnahmen von YouTube gibt es keine genauen Zahlen. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Wachstum hinter dem Zuschau-Wachstum zurückbleibt.

Offenkundig geraten bei der global führenden Video-Plattform aber jetzt die Einnahmen ins Blickfeld, die andere mit der erbrachten YouTube-Medialeistung erzielen. Vielleicht hat man auch aus dem Beispiel von Nintendo gelernt, die ja jetzt die "Let'sPlayer" auf YouTube zur Kasse bitten. YouTube beginnt jedenfalls damit, klar zu stellen, wer der Wirt ist. Und das bedeutet, auch wirklich alle Posten auf die Rechnung zu schreiben.

Da sind nicht in erster Linie die YouTube-Partner im Visier. Oder zumindest nicht alle Partner. Denn die YouTube-Partner, die die Medialeistung der Plattform in immer neue Höhen treiben, um die wird gerade von allen Seiten geworben und deren Einnahmen sollen auch im eigenen Interesse weiter steigen. Ins Visier geraten sind dagegen aber wohl nun endlich die "Multichannel-Networks". Die haben in Deutschland ohnehin schon Probleme genug, aber jetzt kommt noch ein Neues, auf den ersten Blick ganz unscheinbar, auf sie zu. Und das könnte die Multimillionen-Investitionen großer Medienkonzerne in YouTube-Netzwerke längerfristig durchaus in Abschreibungsbedarf verwandeln.

Wie gesagt, eigentlich ist es ganz harmlos. Die YouTube-Regeln für die Platzierung von Firmen-Logos in Partner-Videos wurden jetzt verschärft. Vor allem dann, wenn die Firma auf dem Logo keine bezahlte Werbung auf YouTube betreibt. Serviceorientiert, wie Google nun einmal ist, kann man gleich ein passendes neues Produkt buchen. Es heißt "Product Card" und ist ein bezahlter sechs Sekunden langer PreRoll-Spot, der neuen Platz für die beanstandeten Logos bieten soll.

Dumm ist nur, dass für die Multichannel-Netzwerke "Branded Content" eine tragende Säule ihres Geschäftes ist. Und "Branded Content" ist zuallererst eine Rechnung ohne den Wirt YouTube. Opa hätte gesagt, "die haben auf Sand gebaut". Denn wer auf Sand baut, weiß nie, was noch alles ins Rutschen kommen kann. Und wer "Branded Content" auf YouTube an Werbekunden teuer verkauft, weiß auch nicht, ob es das mit dem Logo nun war oder ob weitere YouTube-Ideen folgen.

Opa hat YouTube nie gekannt. Vom Geschäft auf der Plattform hatte er mit Sicherheit trotzdem mehr Ahnung als manch hochbezahlter Medien-Super-Head of irgendwas von heute. Für die gesamte gerade erst entstehende "YouTube-Marketing"-Branche wird dagegen wohl schon wieder Weiterbildung fällig:

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