Viel oder wenig? Netflix hat 470.000 Abonnenten in Deutschland

Sind da noch mehr hinter dem Hügel? Szene aus "Marco Polo" Foto: Phil Bray für Netflix. 
Worauf viele mit Hochspannung gewartet haben, liefert uns heute die "New York Times": Zahlen für Netflix Deutschland. Werden die Deutschen in Massen ARD, ZDF, RTL, Sat.1 & Co. den Rücken kehren und zahlende Netflix-Zuschauer werden? Denn wenn jeder, der über das Fernsehprogramm schimpft, jetzt zum Netflix-Gucker wird...

Kurz gesagt: Nö. Erst einmal nicht. Zum 31.12. hatte Netflix in Deutschland etwa (die Zahlen stammen aus der Marktforschung, Netflix selbst sagt dazu bisher nichts) 470.000 zahlende Abonnenten. Das sind gut halb so viel wie in Dänemark, da sind es 790.000 oder Norwegen, da sind es 900.000. Für das deutschsprachige Angebot kommen noch 50.000 Österreicher hinzu und zumindest ein Teil der 140.000 Netflix-Fans aus der Schweiz.

Okay, der Start hierzulande war zum Ende des Vorjahres erst wenige Monate her. Aber es gab auch schon vorher Netflix-Abonnenten in Deutschland- die schauten ganz einfach per VPN das US-Angebot und das geht wohl immer noch, trotz erster Gerüchte über Probleme. Eine knappe halbe Million ist erst einmal eine Zahl, auf der man aufbauen kann. Aber nach den Anfangserfolgen in Europa ( 3,3 Millionen Briten sind Netflix-Abonnenten und 900.000 Norweger- das ist fast jeder fünfte, also auf Deutschland hochgerechnet wären das dann etwa 15 Millionen ) ist es wohl nicht verkehrt, anzunehmen: Netflix selbst hatte sich mehr erhofft.

In insgesamt 200 Länder will Netflix nach eigenen Aussagen bis 2017 expandieren, also fast mehr als alle ( die Vereinten Nationen zählen aktuell 193 Mitglieder ) und Ted Sarandos, der "Chief  Content Officer" des Streaming-Giganten sagte kürzlich selbst, dies setze voraus "kulturelle Barrieren zu überwinden".

Ja, das wird schwierig und wir warten bestimmt alle mit Spannung auf das erste "Netflix Original" mit einem deutschen Thema. Die erste Barriere für mehr Netflix-Abonnenten in Deutschland ist aber nicht kulturell. Das deutsche Angebot ist noch in keiner Weise vergleichbar mit dem US-Angebot. Zwar bekommen hiesige Netflix-Kunden mit "Better Call Saul" jetzt erstmals sogar ein attraktives Serien-Angebot, auf das die US-Kunden noch warten müssen. Aber insgesamt ist Netflix Deutschland mit aktuell verfügbaren 1.646 Titeln gegenüber den 8.522 verschiedenen Angeboten für US-Kunden noch, sagen wir mal, ausbaufähig.

Sicher wird sich die Programmbibliothek auch in Deutschland allein schon durch die zu erwartende Klärung komplizierter Rechtefragen weiter füllen. Allzu leicht wird der Weg zum globalen Marktführer jedoch für Netflix nicht werden. Zwar hat man gerade noch einmal eine üppige Milliarden-Finanzierung von Investoren für die weitere Expansion eingesammelt. Aber der rapide und auf Grund der scharfen Konkurrenz unverzichtbare Ausbau der eigenen Film- und Serienproduktion sowie das Ausrollen des Angebots in viele weitere Länder und Sprachen wird auch immense Kosten verursachen. Und wenn dann die geplanten zusätzliche Einnahmen durch neue Abonnenten nicht kommen, kann das auch sehr schnell zum Riesenproblem werden.

Aber andererseits gilt: Nur wer aufbricht, der kann auch ankommen. So wie Saul Goodman, und so ist es gut:

Kommentare

  1. Es mag womöglich einfach auf Beobachtungen in meinem privaten Umfeld beruhen, aber ich halte die Bevölkerung hierzulande für Technikfaul. Oberhalb der 50 ist größtenteils spätestens mit "mit der Technik gehen" Schluss. Ab dann bleiben viele (zumindest in meiner Verwand-/Bekanntschaft) auf dem gleichen Techniklevel. Wie schon gesagt, mag vielleicht auch an meinem persönlichen oder auch lokalen Umfeld liegen. In größeren Städten/anderen Bundesländern kann das vielleicht anders aussehen.

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    1. Ich bin "oberhalb 50" und muss immer das Neueste haben :-) und ich kenne 20-jährige, die bewusst nach "Fernsehern ohne Internet" suchen. "Technikangst" ist ein Phänomen quer durch alle Altersstufen. Ich glaube, es gibt nur eines, vor dem Deutsche mehr Angst haben als vor Technik: Geschäftsbeziehungen, die "Abonnement" heißen. :-) Und dafür gibt es gute Gründe, die mit Netflix nichts zu tun haben.

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