TV-Fernbedienung per Touchscreen- warum nicht schon lange?

Foto: Ray Enterprises
Komisch. Wenn ich heute in den Fachmarkt fahre, kann ich jede Menge tolle Fernseher zu günstigen Preisen kaufen. Curved oder flach, mit UHD, superdünn oder riesig und auch mit Betriebssystem wie Computer oder Smartphones. Nur die mitgelieferte Fernbedienung sieht meist so aus, als wäre sie irgendwie aus der Zeit gefallen. Ein billiges Stück Plastik mit Batterien- und Tasten. Tasten !! Also gar nicht wie Smartphones.

Okay, es gibt jetzt auch Fernbedienungen, die eine Art "virtuellen Finger" auf den Fernsehbildschirm zaubern, so dass man dann dort in den Apps gezielt navigieren kann. Auch mit Smartphone-Apps gibt es allerlei Experimente der Hersteller, um das vorhandene Smartphone als Fernbedienung zu nutzen.

Aber eine überzeugende Lösung ist weit und breit nirgends zu sehen. Vorige Woche zum Beispiel wollte ich bei einem dieser angeblich "smarten" Fernseher eine selten oder nie gebrauchte Einstellung im Set-Up ändern. Es hat länger als eine halbe Stunde gedauert, in verfrickelten Menü-Ebenen die Stelle zu suchen, wo ich ein Häkchen setzen konnte. Warum kann man das Gerät nicht fragen? Warum hat die Fernbedienung nicht wenigsten einen Suchschlitz, wo man Suchbegriffe eingeben kann?

Das Problem ist wohl: Im harten Innovations- und Preiskampf der TV-Hersteller fehlen bei den Herstellern die Ressourcen für die Entwicklung eines kleinen HighTech-Teils zur Fernseher-Steuerung. Andererseits wollen die Samsungs, Sonys oder LG's die Fernbedienung auch ungern anderen überlassen. Zum Beispiel per Smartphone-App. Denn es geht um die Kontrolle des großen Bildschirms im "Living Room" und damit um die Macht über den Fernseher. Also ums Geschäft.

Deshalb haben es praktisch fertige Entwicklungen wie die jetzt vorgestellte "Next Generation TV"-Fernbedienung "Ray Super Remote" des New Yorker Start-Ups Ray Enterprises sehr schwer. "Die Ray Super Remote entstand aus meiner Frustration darüber, im 'Goldenen Zeitalter des Fernsehens' zu leben und trotzdem kämpfen zu müssen, um Inhalte quer über wuchernde Plattformen mit archaischen TV-Fernbedienungen zu finden", so CEO David Skokna bei der Vorstellung.

Die "Ray Super Remote" verbindet sich per WiFi, Bluetooth, Infrarot oder ZigBee mit TV, DVR, Set-Top-Boxen, Spielkonsolen, Media Playern aber auch sonstigem vernetzbaren Hausrat bis hin zum Lichtschalter. Nach einem kurzen Setup, so wird versprochen, habe man alles leicht über das Wunder-Teil und dessen Touchscreen im Griff.

Ob Rays Fernbedienung der Durchbruch gelingt? Glaube ich nicht. Zwar hat man sich einen starken Partner gesucht und sie wird zur Ausrüstung des auch schon anderweitig innovativ aufgefallenen digitalen Videorecorders "Hopper" von Dish Networks. Das Teil geht also im Gegensatz zu vielen anderen hoffnungsvollen Ideen und Prototypen in die Serienproduktion und man kann es für 199 Dollar auf dem US-Markt kaufen.

Aber, wie schon erklärt, das Interesse der großen Fernsehgeräte-Hersteller dürfte sich in Grenzen halten. Vielleicht steigert die "Ray Super Remote" aber den Handlungsdruck ein wenig. Denn egal ob Samsung, Sony oder LG - sie alle müssten eigentlich nur einmal in ihrer eigenen Smartphone-Abteilung nachfragen. Dann könnte sie sicher sehr schnell ihren Super-Fernsehern eine zeitgemäße Fernbedienung mit Touchscreen beilegen.

Denn da muss einfach noch mehr gehen:



Update 04.11.: Das Ding soll 250 Dollar kosten. Also so viel wie ein einfacher Fernseher- mit Fernbedienung. Das wird sich wohl nicht durchsetzen...

Update 10.02.17: "Variety" meldet, dass der Verkauf wohl eingestellt ist und ein typisches StartUp-Schicksal droht.

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