Scripted Landlust aus Brandenburg- Sat.1 eröffnet Newtopia

Foto: Sat.1
Es ist "das größte Fernsehexperiment seit Big Brother". Noch superlativer als Sat.1 kann es Erfinder John de Mol, der sein Projekt auf Sir Thomas More's fünfhundert Jahre altes Buch "Utopia" zurückführt. Schon immer hätten die Menschen Versuche unternommen, neue und bessere Gesellschaften zu errichten. "Diese Versuche fanden immer in Krisenzeiten voller Unruhe statt, in Zeiten, wo die Menschen massenhaft nach einem besseren und glücklicheren Leben verlangten. In Zeiten wie diesen."

Eine Revolution findet aber nicht statt. Eigentlich lassen sich nur 15 unterschiedliche und einander wildfremde Menschen von gut 100 Kameras umstellt in einen viel größeren "Big Brother"-Container in der brandenburgischen Provinz bei Königs Wusterhausen einsperren. Statt Pizzaservice und Fernsehcouch erwarten sie aber nur zwei Kühe, Hühner und eine recht rustikale Scheune im "Landlust"-Ambiente ohne jeden Komfort.

Ein Jahr lang, so lautet der Plan, bauen diese sich jetzt als "Pioniere" eine völlig neue Existenz auf. Alles, was sie haben, ist eine leere Scheune auf einem unkultivierten Stück Land, einen bescheidenen Viehbestand, nur Anschlüsse für Wasser und Strom, ein Telefon und etwas Startgeld, um die ersten Monate überleben zu können. Und wir alle sollen von Montag bis Freitag ab 19 Uhr dabei zuschauen.

Einige Zuschauer sind der Sendung schon sicher und sie werden nervös sein. Es sind die Verantwortlichen der ProSiebenSat.1 Media AG- die, die das Experiment gewagt haben. Denn für "Scripted Reality"-Verhältnisse ist "Newtopia" ein relativ aufwendiges Projekt. Und es kann auch schiefgehen, so wie in den USA. Was dann?

Denn einer der Gründe, die Sat.1 wohl zu dem Wagnis bewegten, ist die Krise des einstigen Privatsender-Goldesels "Scripted Reality". Zwar gibt es immer noch viele Zuschauer, die prolligen Millionären beim Geld ausgeben oder verklemmten Bauern auf Brautschau zuschauen wollen. Aber die Zahlen erodieren schleichend auf breiter Front und das Publikum reagiert immer öfter eher gelangweilt und zickig als begeistert. Neue Ideen müssen her. Ersatz für ratlose Köche in schmuddeligen Restaurants oder Auswanderer ohne Fremdsprachenkenntnisse, die den Markt für Dienstleitungen in exotischen Ländern aufrollen.

Nun lasst die Spiele beginnen. Es wird bestimmt spannend. Auch wenn die Idee, neue und bessere Gesellschaften in Brandenburg zu errichten, irgendwie schon etwas verbrannt ist. Viel Spaß auch unter dem Twitter-Hashtag #Newtopia. Brandenburg... ich fühl mich heut so Brandenburg...

Kommentare

Aktuell meist gelesen: