Google ohne "Helpouts"- und ohne klares Ziel?

Screenshot: helpouts.google.com 
"Wir haben traurige Nachrichten mitzuteilen", so heißt es seit dieser Woche auf der Seite des Google-Angebotes "Helpouts". Der Service für Google Hangouts mit Experten gegen Bezahlung war nie bis zu uns nach Deutschland gekommen und wird nun gerade einmal gut ein Jahr nach dem Start wieder eingestellt.

Am 20. April ist nun schon wieder Schluss. Als Grund wird angegeben, der Service sei "nicht so gewachsen, wie wir es erwarteten". Ein besonderes Engagement von Google, um mehr Helpouts-Nutzer zu werben, habe ich aber nirgends beobachten können. Dafür kam der größte Konkurrent für die eigentlich geniale Idee aus dem eigenen Haus. Es wurde wohl beim Start nicht daran gedacht, dass "Gewusst wie"-Videos zu nahezu jedem erdenklichen Thema schon kostenlos auf YouTube zu finden sind. Wer aber bei der allgemein bekannten erste Anlaufstelle fündig wird, muss danach keinen kostenpflichtigen Experten mehr konsultieren.

Trotzdem hatten sich Nutzer beim US-Angebot eingefunden. Darunter waren zahlende Kunden genauso zu finden wie zahlreiche innovative und interessante Angebote, deren Macher jetzt wieder einmal vom Suchmaschinen-Konzern ratlos und ohne den erhofften Ertrag für den als Vorleistung erbrachten Aufwand zurückgelassen werden.

Auch die neue EU-Richtlinie für den Vertrieb digitaler Produkte und Dienstleistungen, die seit 1. Januar gilt, kann es allein nicht gewesen sein. Obwohl die Helpouts-Anbieter aus den USA damit plötzlich vor allem vom ebenfalls englischsprachigen und großen britischen Markt abgeschnitten wurden. Denn die EU-Richtlinie verlangt die Abführung der Umsatzsteuer im Land des jeweiligen Kunden nach den dort geltenden Regeln. Das aber ist für solche Micro-Geschäfte wie Helpouts kaum sinnvoll zu organisieren, seit 1. Januar waren deshalb für die EU nur noch kostenfreie Helpouts im Angebot.

Ich glaube, diese Entscheidung ist ein weiteres Zeichen für bestehende Probleme beim kalifornischen Internet-Giganten. Überzeugende Antworten auf die zunehmenden Herausforderungen durch Facebook oder Amazon kann ich bei Google derzeit nirgends erkennen. Auch Googles Wirken im "NewTV"-Bereich, angefangen beim einstigen "Google-TV"-Projekt bis hin zum aktuellen Android-TV ist, wohlwollend gesagt, momentan wenig überzeugend.

Hoffentlich irre ich mich, aber das derzeitige Management beim Suchmaschinen-Konzern nach dem Rückzug von Eric Schmidt erscheint den Herausforderungen im eigentlichen "Stammgeschäft" nicht wirklich gewachsen. Vielmehr scheint es teilweise so, als sei mit Larry Page ein wenig das ursprüngliche Google zurückgekehrt, das Google der genialen Kinder, die immer nur auf der ständigen Suche nach den Spielzeugen für die Welt von morgen sind. Die dann aber ein Spielzeug auch achtlos wieder wegwerfen, wenn es nicht mehr genug Spaß macht.

Derzeit sind nun Dinge wie "Nest" und das "Smart Home", selbstfahrende Autos oder Roboter die Google-Spielzeuge zur Weltveränderung. Nächstes Jahr vielleicht wieder andere. Für Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Apples Tim Cook oder vielleicht sogar Microsoft ist das die Chance für einen Angriff. Die haben alle auch viel Spaß am Spielen- aber sie werden Google dort angreifen, wo es wirklich weh tut: Dort, wo sie das Geld verdienen, bei Werbung und Shopping im E-Commerce.

Aber vielleicht gehört die Zukunft ja doch den genialen Kindern, die nur spielen wollen und nicht den Managern mit Excel-Tabellen, die vorrangig Bestehendes optimieren. Manchmal könnte man sogar etwas Angst bekommen, wie bei den aktuellen "Spielzeugen" der Google-Firma Boston Dynamics:

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