"Better Call Saul" und "Bloodline"-Premiere - Berlinale als Netflix-Laufsteg

Bob Odenkirk bekommt als Saul Goodman eine Hauptrolle: "Better Call Saul" Foto: Ursula Coyote/Netflix
Sissy Spacek wird mitspielen. Ja, "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" wird diesmal die Mutter sein und für Netflix ihre erste TV-Serie mit einem Hauch des ganz großen Hollywood veredeln. Sechs Nominierungen und einmal gewonnen lautet die "Oscar"-Bilanz ihrer langen Karriere. "Bloodline" heißt das Werk, hat 13 Teile, ist ein "Netflix Original" und die Serie ist, so Netflix, "düster". Und sie feiert ihre Weltpremiere in Berlin- da, wo einst ausschließlich Spielfilme ihr glanzvolles Premieren-Ambiente fanden, auf der 65. Berlinale in der deutschen Hauptstadt.

Netflix kann Marketing. Und die Berlinale erkennt den Trend der Zeit. "Serien-Formate haben in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung gemacht und die Gunst des Publikums weltweit erobert", so lesen wir da. Dramaturgie und Produktionsbedingungen stünden klassischen Filmproduktionen schon längst in nichts mehr nach. Das Erzählen in Serienform sei fester Bestandteil der audiovisuellen Kultur geworden, der Serienmarkt boome und vor allem Dramaserien seien ein beliebtes Genre. Deshalb gebe die Berlinale dieser Form des Erzählens sowohl im offiziellen Programm als auch beim "European Film Market" und "Berlinale Co-Production Market" mehr Raum und Aufmerksamkeit.

"Die Berlinale ist ein Publikumsfestival und daher der richtige Ort, unseren Besuchern die besten und aufregendsten Serien vorzustellen und ihnen die Gelegenheit zu geben, diese im Rahmen des Festivals zu erleben", so Festivaldirektor Dieter Kosslick. Also gibt es nun das "Berlinale Special Series" mit "Premieren von brandneuen Episoden aus deutschen, europäischen und amerikanischen Serien"- und Netflix nimmt die neue Marketing-Plattform dankbar an. Zwei von acht präsentierten Produktionen sind "Netflix-Originale" und sie werden es den anderen schwer machen, auch einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit abzubekommen.

Denn auch die zweite präsentierte Produktion ist hochkarätig. "Better Call Saul" feiert zwar in Berlin nur noch die "internationale Premiere" außerhalb den USA. Aber die Idee, die Welt des Chemielehrers Walter White aus "Breaking Bad" endgültig zum Filmuniversum zu machen, indem Anwalt Saul Goodmann eine eigene Serie bekommt, fand ohnehin schon weltweites Interesse und sie ist auch nur außerhalb des US-Marktes ein "Netflix-Original". In den USA läuft sie beim "Breaking Bad"-Sender AMC.

Aber auch für die deutschen Serienmacher wird die Berlinale interessant. Unter dem Titel "Ready to Take Off? High-end Drama Series Made in Germany" diskutiert der Hollywood Reporter am 9. Februar mit führenden deutschen Serienmachern und Sendern die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Serienlandschaft. Im Moment bin ich da immer noch eher skeptisch, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Tom Tykwer ist zumindest mit seinem als "die neue deutsche Qualitätsserie" gehypten Projekt "Babylon Berlin" schon auf der Berlinale unterwegs- "auf der Suche nach internationalen Koproduktions- und Finanzierungspartnern". Und es wird ein Panel geben, bei dem "internationale Experten die Öffnung des US-Serienmarktes für lokal produzierten Content aus Europa diskutieren, der zunehmend als Original oder Remake den amerikanischen Markt erobert".

Nachdem seit "Marco Polo" nicht mehr so viel los war bei Netflix, gibt es "Better Call Saul" nun ab 11. Februar und "Bloodline" ab 20.März für die deutschen Abonnenten zu sehen.

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