Amazon ändert den 2. Weltkrieg - und Web-TV die Art, wie wir fernsehen

Foto: Amazon
Was wäre, wenn? Das ist der Anfang vieler guter Geschichten. "The Man in the High Castle" hat die aktuelle "Pilot Season" von Amazon gewonnen, und zwar deutlich. Die Serie nach dem Roman "Das Orakel vom Berge" von Philip K. Dick bekommt deshalb grünes Licht für die Produktion einer kompletten Staffel. Wir können also bei "Amazon Prime" bald mehr darüber erfahren, wie die USA der 60er Jahre denn so ausgesehen hätten- wenn Deutschland und Japan die Sieger im 2. Weltkrieg gewesen wären.

"In der aktuellen Pilot Season haben unsere Kunden "The Man in the High Castle" zur meistgesehenen Pilotepisode überhaupt gemacht", so Roy Price, "Vice President" der Amazon Studios. "Die neuen Serien gehören zu unseren ehrgeizigsten Projekten. Ich freue mich schon auf die Premieren." Denn insgesamt gibt es fünf Sieger- neben dem Mann im hohen Schloss können auch die "Mad Dogs" sowie die Kinderserien "Just Add Magic" und "The Stinky & Dirty Show" einen Produktionsauftrag von Amazon feiern.

Am meisten überrascht aber der Zieleinlauf für "The New Yorker Presents". Keine Ahnung, ob sich wirklich so viele so etwas angeschaut haben, aber Amazon schickt das fürs "NewTV" sehr außergewöhnliche und anspruchsvolle Projekt in die Serienproduktion. Der Namensgeber "The New Yorker" ist Amerikas meistausgezeichnetes Magazin und es ist, ja was eigentlich, eine 30-minütige Dokuserie, wie es Amazon nennt?

Nun ja, es sind 30 Minuten und das Ganze besteht aus Episoden. Eigentlich ist es ein TV-Magazin. Eigentlich ist es Feuilleton. Es geht um Kunst, das Leben im Allgemeinen und die Großstadt im Besonderen und es ist inhaltlich anspruchsvoll. Es ist intellektuelles Fernsehen auf hohem Niveau für eine ganz spitze Zielgruppe. Etwas, von dem bisher behauptet wird, dass es so etwas im Netz-TV der YouTube-Schminkstars, Musikvideos und Drama-Serien fürs "Binge-Watching" gar nicht geben kann.

Amazon macht es jetzt einfach. Aus den USA wird heute berichtet, dass die vom klassischen Fernsehen so ersehnten jüngeren Zielgruppen gerade rasant wie nie sich genau davon verabschieden. Seit 2012 verlor das US-Fernsehen jährlich 4% der 18 bis 34 Jahre alten Zuschauer. Zwischen September 2014 und Januar 2015 sank der Zuspruch dagegen laut Nielsen um 10,6%.

Das ist für eigentlich feste Familiengewohnheiten wie TV ein Erdrutsch. "Der Wandel im Zuschauerverhalten ist atemberaubend", so Alan Wurtzel, "Audience Research Chief" bei NBCUniversal. "Eine solche Verhaltensänderung habe ich nie zuvor beobachtet".

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nun, ganz einfach: Sowohl "The Man in the High Castle" als auch "The New Yorker Presents" wollen die Zuschauer offenkundig sehen. Aber beide Projekte sind nicht der "kleinste gemeinsame Nenner" und hätten im klassischen Fernsehen kaum eine Chance. Im von Gremien regierten deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon gar keine.

Web-TV macht es möglich, Nischen zu bedienen. So viele Nischen, dass für das herkömmliche Quoten-TV möglicherweise bald keine Nische mehr bleibt.

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