Werbefrei privat fernsehen? Die Adblocker fürs TV kommen.

Screenshot: dish.com
Wieder einmal gibt es wegweisendes aus den US-Gerichtssälen zu berichten. Interessant ist dass, weil dort oft die Probleme behandelt werden, auf die bei uns bisher nur noch keiner gekommen ist. Haben Sie vielleicht gestern "Game of Thrones" bei RTL II oder Dschungelcamp auf RTL gesehen? Keine Angst, Sie müssen es jetzt nicht zugeben. Stellen Sie sich nur einmal vor, ihr Fernseher würde die Werbung einfach weglassen. Dann wäre das "Game of Thrones" viel schneller zu Ende und viel spannender und das Dschungelcamp wäre zumindest ersteres. Schließlich müsste man sich nicht ständig mittendrin mit etwas anderem zur Überbrückung der Werbepausen beschäftigen.

In den USA gibt es so etwas- zumindest ansatzweise. "Dish Network" bietet da seinen (für den Satellitenempfang allerdings zahlungspflichtigen) Kunden den "Hopper" an. Hopper ist ein digitaler Videorecorder, der auch schon mit anderen innovativen Funktionen Fernsehsender in lustige Gerichtsprozesse getrieben hat.

Hopper von Dish hat nun noch eine weitere interessante Funktion mit dem schönen Namen "Autohop". Und diese Funktion stellt, einmal aktiviert, nun wiederum automatisch die privaten "Prime-Time"- Programme etwas später als Aufzeichnung bereit. Ohne die Werbepausen.

"Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie viel Lebenszeit sie mit dem Anschauen von Werbespots verbraucht haben?" So fragt die Dish-Werbung zu Thema. Und weiter: Weniger Zeit mit TV-Spots zu verschwenden, sei doch überlegenswert. Schließlich würde man diese Momente des Lebens niemals zurückbekommen. Deshalb biete Dish Network seinen Kunden "ausgewählte Primetime-Sendungen" kommerzieller Free-TV-Kanäle als Aufzeichnung werbefrei an. Also, auf Deutschland weitergedacht, könnte ich dann "Game of Thrones" von RTL II werbefrei gucken- nur eben einen Tag später.

Das Entsetzen in den Gesichtern der Sender-Verantwortlichen, die von einer solchen Idee hören, kann man sich gut vorstellen. Und natürlich als nächstes den Gang zum Gericht- schließlich kann man doch nach dem Urheberrecht das Programm nur so gucken, wie es gesendet wird- oder?

Nö, meint dazu jetzt ein US-Gericht. Die Kunden von Dish zahlten ja für ihr Satelliten-Abonnement. Und von diesem Geld geht ja in den USA eine "Transmission-Fee" an den Sender. Der Kunde habe den Empfang des Programms also bezahlt und könne es nun auch aufzeichnen und anschauen- auch nur teilweise, wenn er das will. Das sei nicht vergleichbar mit dem Service von Aereo, der auf digitalem Weg unbezahlten Empfang ermöglichte und deshalb verboten wurde.

Der Satellitenempfang für uns in Deutschland ist ja, zumindest für viele Sender, kostenlos. Also würde dieses Argument bei uns nicht für "Game of Thrones" auf RTL II gelten. Damit ist das Problem aber nicht aus der Welt. Digitale Geräte werden immer schlauer. Ein DVR für smarte TV's, der selbstständig und automatisiert die Werbung vom Film trennen kann, ist sicher nicht mehr allzu fern. Und wenn es keinen Service-Anbieter mehr gibt, den man verklagen kann, was dann?

Dann braucht es eine ganz neue Idee zur Finanzierung privaten Fernsehens oder die Sender, so wie wir sie kennen, lieben und hassen, sind Geschichte.

Kommentare

  1. Ich bin sicherlich kein Freund von Werbung (wie vermutlich jeder), aber hat Dish schon mal drüber nachgedacht, wie sich TV-Sender finanzieren? Wenn sowas groß Einzug hält, gibt's bald nur noch teures Pay-TV. Da bezahl ich lieber mit durch Werbung anschauen vertaner Lebenszeit.

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    1. Da es in den USA ohnehin nur so gut wie nur Pay-TV gibt (mit Werbeeinnahmen noch obendrauf) ist es Dish vermutlich egal. Die Entwicklung wird sich aber nicht aufhalten lassen- Webseiten-Betreiber müssen ja auch lernen, mit dem Problem zu leben.

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