Grundig wird "Produktpartner" auf dem Holzweg von "HDplus"

Grundig Vision 8 UHD TV Foto: Grundig Intermedia GmbH

Wer die Sender von ProSiebenSat1 oder RTL in hochauflösender Qualität anschauen möchte, muss dafür normalerweise ein "HDplus"-Modul kaufen, in welches dann die entsprechende HDplus-Empfangskarte eingeschoben wird. So funktioniert das etwas merkwürdige Bezahlfernsehen für Bildqualität auf der Höhe der Zeit, dass deutsche Privatsender einst für eine gute Idee zur Erschließung neuer Einnahmequellen hielten und nun wohl nicht mehr loswerden. Auch wenn in Zeiten, in denen zumindest 720p-HD öffentlich-rechtliche Normalität und zum Beispiel ServusTV auch schon in 1080i-HDTV ohne HDplus empfangbar ist, diese Idee zunehmend zur Belastung wird.

Amazon hat zum Beispiel für seine Prime-Kunden ohne Aufpreis jetzt sogar schon erste UHD-Programme im Angebot. Aber auch wenn die Gefahr zunehmend größer wird, Zuschauer und damit die Geschäftsgrundlage zu verprellen, kommen die großen Privaten aus der selbst gestellten Falle kaum noch heraus. RTL und ProSiebenSat1 sind Aktiengesellschaften. Und Aktionäre verstehen es nicht, wenn sprudelnde Einnahmequellen einfach aufgegeben werden. Sie interessieren sich nicht für Zukunft, sondern nur für Quartalsberichte.

Also bleibt nur eine Lösung: Mit mehr Dampf voran auf dem Holzweg. Je mehr Zuschauer man davon überzeugt, dass es normal ist, dafür Geld zu bezahlen, dass die Werbespots in HD ins Haus kommen- um so weniger droht die Gefahr, dass sie einfach auf die Konkurrenz mit den besseren Bildern umschalten. Wer HDplus und damit das ganz scharfe Dschungelcamp auf dem Fernseher hat, für den ist es nur noch eine Abbuchung von vielen auf dem Kontoauszug und der Grund "bessere Bilder" fürs Umschalten entfällt.

So sucht HDplus nach neuen Kooperationspartnern und wurde jetzt mit Grundig fündig. Den neuen Ultra-HD-TV's von Grundig werden in Zukunft serienmäßig HD-Plus-Module und entsprechende Smartcards beiliegen, damit die Kunden nach dem Kauf des neuen Fernsehers sie nicht etwa noch mühsam in den Regalen suchen müssen und dies eventuell sogar vielleicht vergessen.

Grundig hatte 2013 ein schwieriges Jahr mit 25% Umsatz-Minus im Bereich Unterhaltungselektronik und hat sich 2014 mit 5% Wachstum wieder stabilisiert. Der einstige deutsche Konzern war 2004 zerschlagen worden. Fernsehgeräte-Herstellung und Marke gingen an die türkische Koc-Gruppe. Deren Tochter Arcelik ist heute der Mutterkonzern von Grundig. In Nürnberg beschäftigt das Unternehmen noch 140 Mitarbeiter mit Vertrieb, Marketing oder Kundenservice.

2015 will Grundig mit 10% Umsatzsteigerung endgültig zurück in die Erfolgsspur kommen. Im hartumkämpften Markt der Fernsehgeräte will das Unternehmen mit größeren und mit "Curved"-TV punkten, dazu mit UHD und eben auch HDplus. Letzteres wäre für mich aber kein Kaufargument.

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