Global oder gar nicht- "Fortitude" als Beispiel für die Serie der Zukunft

Screenshot: takepart.com/pivot/fortitude 
"Fortitude" feiert am 29. Januar Premiere. Das meldet im obigen Screenshot der in Los Angeles beheimatete Kabel- und Satelliten-TV-Sender "Pivot" von "Participant Media". Den können so irgendwo zwischen 40 und 50 Millionen US-Haushalte empfangen. Also eigentlich für uns eine "Sack Reis"-Meldung. Tja...

"Fortitude" feiert am 29. Januar Premiere. Das meldet stolz die britische "Sky-Zentrale", die ja seit kurzem auch irgendwie die deutsche Sky-Zentrale ist, und siehe da: Die Serie, so Sky, sei das erste Sky-Original-Programm, dass simultan Premiere auf alle fünf "Märkten" der von Sky im Vorjahr geschaffenen "führenden europäischen Entertainment-Firma" feiere. Die 20 Millionen Sky-Kunden in Großbritannien, Italien, Irland, Österreich und auch hier bei uns, in Deutschland, können am 29. Januar dabei sein. Aha.

Und weiter: In den Wochen danach, so meldet es Sky stolz, wird Fortitude, nach Meinung der "Times" eines der "am meisten erwarteten TV-Ereignisse des Jahres" auf dem kanadischen "Superchannel", bei ABC Australia, Canal+ in Frankreich, SVT in Schweden, TV2 in Dänemark, bei NRK in Norwegen, YLE in Finnland, RUV in Island, VRT in Belgien, Ale Kino+ in Polen, bei Sky Neuseeland, YES in Israel und OTE in Griechenland Primetime-Premiere haben. Keine Ahnung, ob ich "Fortitude" am meisten erwarten sollte. Für "Sky Vision", die internationale Verkaufsabteilung des PayTV-Riesen, ist "Fortitude" aber damit schon vor dem Start die erfolgreichste Produktion.

Die Zukunft des Fernsehen sind Marken in der Cloud, so habe ich das hier am Beispiel "StarTrek" schon vor längerer Zeit einmal beschrieben. Globale Marken, die im besten Fall stark genug sind, um "Film-Universen" zu schaffen die immer wieder neue und spannende Geschichten bereit halten. Dabei ist es völlig egal, ob es eine Kino-Serie wie "Transformers" oder eine Fernsehserie wie "Breaking Bad" ist. Schon bei "StarTrek" war es ja immer schon irgendwie beides. Und "Film-Universen" müssen nicht immer nur Phantasie-Welten sein. Auch der ländliche Südwesten der USA kann zu einer solch dauerhaft viele Zuschauer und damit viel Geld produzierenden Maschine werden. Wenn es funktioniert, wie bei "Breaking Bad", dann geht es eben als "better call Saul" selbst dann weiter, wenn eigentlich alle tot sind.

Gut und schön. Wo ist dass Problem? Ganz einfach: Für TV-Serien, die global vermarktet und produziert werden können, sind Produktions-Budgets in ganz anderen Größenordnungen als bisher möglich. Gleichzeitig wird es immer leichter, bisherige Grenzen einfach zu überschreiten. Die Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amazon bearbeiten von vornherein den globalen Markt und TV-Konzerne wie Sky, die die Entwicklung verstanden haben, stellen sich zunehmend globaler auf.

Ja, für einen begrenzten Zeitraum kann man mit simpel gestrickten lokalen Produktionen, wie zum Beispiel den "Rosenheim-Cops", noch Quoten-Erfolge feiern. Im Kino ist die Entwicklung schon weiter voran geschritten- das Geschäft wird komplett von den Film-Universen aus Hollywood beherrscht und deutsche Produzenten kommen aus der Rand-Nische niedlicher und billig zu produzierender Komödien mit oder ohne Till Schweiger nicht mehr heraus.

Im viel bedeutenderen TV-Geschäft mit den Serien bräuchte es nicht so weit kommen. Man müsste nur in der Lage sein, etwas zu verändern. Die großen privaten Sender müssten begreifen, dass sie allein auf Dschungel- und sonstige Camps keine nachhaltige Zukunft aufbauen können. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten dazu fähig sein, ihre Strukturen so umzubauen, dass sie global oder wenigstens erst einmal europäisch denken und handeln können. Denn Europa kann eigentlich Serie- es gibt viele tolle Beispiele, angefangen bei schwedischen Robotern über italienische Mafioso bis hin zu bulgarischen (!) Ermittlern.

Ein solches Erwachen scheint aber ein Traum zu bleiben. Und nun? Ganz einfach. "Fortitude" kann sich zum Beispiel mit Stanley Tucci Schauspielkunst aus Hollywood vom Feinsten leisten. Das ist teuer. Und wird, da die Nachfrage geradezu explosionsartig wächst, immer teurer. Nicht nur bei den Schauspielern. Auch die besten Drehbuchschreiber, Regisseure oder CGI-Experten haben wohl nur noch bei übertariflichen Angeboten einen Termin frei. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Die, die global am besten vermarkten und so am zahlungskräftigsten sind, werden so irgendwann in einer anderen Liga produzieren. Ja, die Fußballer aus unserer Stadt haben sicher unsere Sympathie. Die Zuschauer aber, die Zuschauer sind in Massen dort, wo die Champions-League spielt.

Es hat gerade erst angefangen- und funktioniert noch lange nicht richtig. "Fortitude" zum Beispiel braucht noch etwas Zeit für die deutsche Synchronisation- deshalb gilt am 29. Januar für Deutschland nur "auf Abruf, im Originalton über Sky Go und Sky Anytime." Linear und auf Wunsch auch deutsch synchronisiert gibt es "Fortitude" ab 3. März auf Sky Atlantic HD.

Gary Davey, Executive Vice President Programming von Sky Deutschland: "Mit Fortitude haben unsere Kollegen in UK eine großartige Dramaserie geschaffen. Wir sind stolz darauf, diese simultan in Deutschland und Österreich zu zeigen und damit Teil eines einzigartigen europäischen Serienstarts zu sein." Die Serie handelt übrigens von einer eingeschworenen Gemeinde in einem abgelegenen Gebiet in der Arktis, in dem es noch nie Gewalt gegeben hat. Bis ein mysteriöser Todesfall die Gemeinschaft bis in ihre Grundfesten erschüttert. Eigentlich ist alles in Ordnung. Nur das Böse, das Böse kommt irgendwann überall hin und immer von außen...

Kommentare

Aktuell meist gelesen: