Es ist angerichtet- Yahoo will jetzt "richtige" Sender haben

Guy Fieri kocht für das "Food Network"  Foto: scrippsnetworks
Hehe- endlich mal ein Fernsehkoch meines Vertrauens. Kennen Sie Guy Fieri? Nein? Macht nichts. Denn Fieri kocht für das US-amerikanische "Food Network" und er kocht, sagen wir mal, vorwiegend gut sättigend. Wikipedia kennt noch eine leicht indignierte "New York Times"-Kritik zu seinem Auftauchen, in der zu lesen war, Fieri bringe ein "rowdyhaftes Element der Massenkultur" ins amerikanische TV-Kochstudio. Seine Prime-Time-Shows (und jetzt kann man das Seufzen zwischen den Buchstaben hören) zögen jedoch "mehr männliche Zuschauer an als alle anderen auf dem Sender." So ist das Leben. Und für die feineren Geschmäcker bietet das Futternetzwerk ja auch Dinge wie "eine italienische Weihnacht mit Mario und Giada", wo dann "Lobster and Mascarpone Holiday Ravioli with Truffle Butter" gekocht werden.

Was interessiert uns das? Eigentlich gar nicht. Keine Angst, es kommt jetzt auch keine längere Abhandlung über die Frage, warum die in den USA so clever waren, die Fernsehköche zusammen in einen Sender zu sperren- bevor sie alle anderen Rest-Programme übernehmen. Aber wenn man sich einmal anschaut, wie beim "Food Network" schon heute klassisches Fernsehen, Social Media, Werbung für Lebensmittel oder Restaurants und "NewTV" on demand per Internet zu einem Gesamtkunstwerk zum Geldverdienen verbunden sind, könnte man schon noch einiges lernen.

Das "Food Network" gehört mit weiteren Kanälen zum Thema Reisen, Heimwerken, Country-Musik und Lifestyle zu "Scripps Networks"- und dass, so will es der "Business Insider" erfahren haben, würde Marissa Mayer jetzt für Yahoo gern kaufen. Yahoo war für mich eine der interessantesten "NewTV"-Geschichten 2014 und sie geht wohl auch 2015 weiter.

"Können Sie mir erklären, was Yahoo eigentlich ist?" Noch im Mai musste sich die Yahoo-Chefin von TechCrunch-Gründer Michael Arrington diese etwas provokative Frage gefallen lassen. Eine wirkliche Antwort hatte sie nicht. Das spiele keine Rolle, so Marissa Mayer. Yahoo müsse sich darauf konzentrieren, Produkte zu entwickeln, "die die Menschen lieben und die ihnen einen Mehrwert bieten."

Yahoo lebt von Internetwerbung und bei den ungeheuren Mengen von Seitenaufrufen die die Yahoo-Portale weltweit immer noch verzeichnen, ist das kein schlechtes Geschäft. Aber ein zunehmend schwierigeres. Immer mehr Seitenaufrufe werden mobil- und da werden die berühmten "lousy Pennies" für Online-Werbung nicht mehr bezahlt. Sondern deutlich weniger. Im Mai hatte Marissa Mayer ihr neues Ziel sicher schon fest im Blick, auch wenn sie noch nicht darüber reden wollte. Die TV-Werbung soll es bringen- die ist so viel besser bezahlt und man muss sie einfach nur ins Internet holen.

Seit dem Börsengang von Alibaba hat sie auch ordentlich Cash in der Kasse und sie ist auf Experimentier- und Einkaufstour. Sogar Filmpremieren gibt es jetzt bei Yahoo. Da passt ein Kauf von Scripps mit seinen "markenfreundlichen Inhalten" gut dazu. Sogar ein Kauf von CNN durch Yahoo scheint jetzt denkbar. Die Verkäufer könnten dann Werbespots für Internet und Fernsehen zu attraktiven Paketen bündeln und so bessere Preise herausschlagen.

Aus Sicht der großen Fernsehsender dürfte es eine neue Erfahrung sein, wenn diese Internet-Emporkömmlinge plötzlich anfangen traditionelle Medien einfach aufzukaufen. Dass man selbst hier und da die "jungen Wilden" im Konzern etwas zur Abrundung des Portfolios dazukaufen lässt mag ja noch angehen. Aber umgekehrt? Kann das sein?

Wie dem auch sei- Guy Fieri und die New York Times werden wohl keine Freunde fürs Leben mehr:

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