Auschwitz-Gedenkfeier für Deutschland gesperrt. Youtube Live - Fundstücke (10)

Screenshot: YouTube

"Der Bundespräsident trägt schwer an der Geschichte seines Landes an diesem Nachmittag, das sieht man ihm an. Er vertritt ein anderes Deutschland, ein demokratisches, freies, liberales Land. Aber man wird als Deutscher seine Geschichte nicht los." So schreibt es der "SPIEGEL". So ist es. Jedenfalls letzteres.

Denn mit Freiheit und Liberalität ist es nicht so weit her in Deutschland, zumindest wenn es um "Rundfunk" geht. Auch dass ist wohl eine Folge deutscher Geschichte, die wir vielleicht nie wieder los werden.

Mit der "Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" vom 1. September 1939, dem Tag des Beginns des Polenfeldzugs, wurde im Deutschen Reich das Verbreiten der Nachrichten von abgehörten "Feindsendern" unter Strafe gestellt. Selbst das Abhören von Radiosendern neutraler und mit Deutschland verbündeter Staaten war verboten. Wer so etwas praktizierte, beging ein "Rundfunkverbrechen".

Daran musste ich heute unwillkürlich denken, als ich von der neuesten Peinlichkeit aus dem "Schlandnet" hörte. Die Live-Übertragung der Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz war auf YouTube für Deutschland (!) gesperrt.

Ja, Google bzw. YouTube hätten sicher unbehelligt streamen bzw. "senden" können. Aber eben nicht "rechtssicher". Ja, sie nutzen so etwas zu PR-Zwecken. Aber es ist richtig, diese YouTube-Live Übertragung des Museums Auschwitz könnte nach der "Checkliste" der Landesmedienanstalten "zulassungspflichtiger Rundfunk" und damit, wenn die "Zulassung" fehlt, von hohen Geldstrafen bedroht sein.

Hört es denn nie auf, dass man sich für Deutschland schämen muss? Naja, Aufzeichnungen "on demand" zu zeigen, ist für YouTube ja auch in Deutschland noch ohne "Zulassung" erlaubt:

Kommentare

  1. Auch an anderer Stelle schon geschrieben. Das Verhalten von YouTube kann ich nicht nachvollziehen. Man hätte sich sicher im Vorfeld auf ein Verfahren einigen können, und auch ohne Dialog hätte die GEMA bei dieser Veranstaltung sicher keine Einwände gehabt.
    Dass YouTube hier mit der Auschwitz-Gedenkfeier Politik macht, finde ich mehr als entsetzlich.

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    1. Es ist richtig, dass das Thema gewiss nicht geeignet ist Geschäfts- oder Rechtsstreitigkeiten auszutragen. Aber es geht nicht nur um die "GEMA". Es geht wohl auch um den Grundsatzstreit, ob solche Live-Streams im weltweiten Internet für Deutschland "zulassungspflichtig" sind. YouTube bzw. Google sagt dazu: Nein. Die deutschen Landesmedienanstalten sagen: Unter bestimmten Bedingungen ja. Wenn man bedenkt, welche Folgen sich daraus für die ohnehin schon sehr eingeschränkte Freiheit im Netz ergeben würden sollte man YouTube hier unbedingt unterstützen. Die GEMA-Frage wird dagegen immer unwichtiger. YouTube baut ein eigenes System, um Urheberrechte- und Ansprüche weltweit zu klären- die GEMA wird dadurch schrittweise umgangen und irrelevant.

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