Auf Augenhöhe: "Golden Globes" für Amazon und Netflix

Jeffrey Tambor in "Transparent" Foto: Amazon
So schnell ändern sich die Zeiten. In Hollywood wertet man es als "Enttäuschung" für Netflix, dass nur ein "Golden Globe" in der "TV-Abteilung" des Preises an den Streaming-Giganten ging. Kevin Spacey, der für "House of Cards" als "bester Serien-Hauptdarsteller" in der Kategorie "Drama" gewann, wird es nicht verstehen. Denn der zweimalige Oscar-Gewinner weiß, dass der "Golden Globe" der "Hollywood Foreign Press Association" nicht so leicht zu bekommen ist. Er selbst brauchte insgesamt acht Nominierungen, um jetzt zum ersten Mal als Gewinner zum Publikum sprechen zu können.

Sicher ist es für seine "House of Cards"-Ehefrau Robin Wright erst einmal eine Enttäuschung, "nur" nominiert gewesen zu sein. Aber es sind nur fünf in jeder Kategorie und sie hat im Vorjahr gewonnen. Für "House of Cards". Für Netflix. Und nominiert zu sein für den "Golden Globe"- dass allein ist schon eine Auszeichnung, die für sehr viele Hollywood-Akteure für immer ein unerfüllter Traum bleibt. Und nominiert war Netflix in diesem Jahrgang sehr oft. Das Netflix-Original "Orange is the New Black" kann sich je nach Standpunkt über drei Nominierungen freuen oder über dreimal nicht gewonnen ärgern. Ricky Gervais war für "Derek" ebenfalls als "bester Schauspieler Comedy/Musical" nominiert.

"Derek" musste sich wie "Orange ist the New Black" dem Sieger des Abends im TV-Bereich geschlagen geben- und der kommt ebenfalls aus dem "NewTV": "Transparent" aus den Amazon-Studios ist die beste TV-Serie im Bereich Comedy/Drama, Hauptdarsteller Jeffrey Tambor der beste Schauspieler und beide zusammen stellten mit ihrem Erfolg fast die beste "Drama"-Fernsehserie "The Affair" von Showtime Networks in den Schatten.

Enttäuschung also für Netflix? Nein. Der Serien-Riese des klassischen TV, HBO, war auch vielfach nominiert und bekam nur eine Art "Trostpreis". Matt Bomer gewann für "The Normal Heart" den Golden Globe als "bester Schauspieler in einer Serie, Miniserie oder einem Fernsehfilm". In dieser schwer verständlichen Unterkategorie wurde übrigens "Fargo" als Sieger gekürt. Das ist zwar eine Produktion von FX Networks. Aber Netflix hat dafür die Streaming-Rechte außerhalb der USA.

Uneingeschränkt feiern dagegen wird Amazon. Die "Amazon Studios" des E-Commerce-Giganten sind durch "Transparent" unter den "Großen" im TV-Bereich angekommen, da wo Netflix schon ist, als reines "Streaming-TV" auf "Augenhöhe" mit den "Big Playern" unter den klassischen Fernsehsendern. Für Deutschland im Moment noch fast unvorstellbar. Genauso unvorstellbar wie der herrlich unverkrampfte Umgang von "Transparent" mit dem Thema "Transgender" es wohl für die spießige Serienwelt der Traumreisen für Rentner, der patenten Dorfkommissare, der lustigen Nonnen oder der immerblonden mittelalten Frauen auf der schwierigen Suche nach dem "anständigen" Mann wäre, die uns degeto, ZDF & Co. hier so anbieten.

Der deutsche Markt steht für die US-Streaming-Anbieter weit offen. Konkurrenz ist nicht in Sicht. Und die können sogar Marketing. Wie es der Zufall so will, ist seit gestern der Ankündigungs-Trailer für die dritte Staffel "House of Cards" online:

Kommentare