Amazon Prime Video ist wohl ein Riesenerfolg- und was das bedeutet

Foto: Amazon
1.300.000.000 US-Dollar, also 1,3 Milliarden hat Amazon allein im vergangenen Jahr in den Programmausbau von Amazon Prime Video investiert. Und es ist anscheinend ein großer Erfolg- nicht nur bei den "Golden Globes", sondern auch beim Publikum. Amazon gibt ungern Mitgliederzahlen zum Prime-Programm heraus. Aber bei Bilanzen börsennotierter Gesellschaften lassen sich Zahlen selten völlig vermeiden und nun wissen wir zumindest, dass die Zahl der "Prime"-Kunden allein im vergangenen Jahr um stolze 53% gestiegen ist. Damit weiterhin niemand ihre genaue Menge kennt, wurde allerdings keine konkrete Zahl als Ausgangsbasis genannt. Es hieß nur etwas nebulös, es sei eine "zweistellige Millionenzahl" gewesen.

Das ist nicht wenig. Das ist sogar ziemlich viel. Wenn man ein Geschäft mit -zig Millionen Kunden hat und dieses noch einmal um 53% wächst, muss es dafür einen Grund geben. Noch dazu, wenn wie bei Amazons Prime-Programm auf dem wichtigsten Markt, den USA, der Preis kräftig auf nun 99,- Dollar pro Jahr angehoben wurde.

Ja, kostenlose und schnelle Lieferung bestellter Einkäufe ist schön. Aber es besteht wohl kaum ein Zweifel daran, dass "Prime Video" die Rakete war, die das Geschäft auf eine neue Umlaufbahn katapultierte. "Wir werden kontinuierlich weiter hart arbeiten für unsere Prime-Mitglieder", so Amazon-Chef Jeff Bezos.

Für Fernsehsender wie für die unmittelbaren Streaming-Konkurrenten ist das wohl keine gute Nachricht. Der Streaming-Gigant Netflix zum Beispiel hat 2014 3,8 Milliarden US-Dollar in sein Programmangebot investiert, nach 3 Milliarden im Jahr zuvor. Das ist gar nicht mehr so weit weg. Und Netflix hat auf der Einnahmeseite nur seine Abo-Gebühren.

"Prime ist ein einzigartiger 'all you can eat - Hybrid' für Reales und Digitales", so Bezos, und da sollte man genau zuhören. Denn hier beschreibt er den USP, den "Unique Selling Point", das Alleinstellungsmerkmal des Programms. Prime-Kunden kaufen bei Amazon, schauen Fernsehen bei Amazon und die, so das Marketing-Buzzword, "Customer Journey" des Kunden wird dadurch ideal beeinflussbar. Man kann ihn, ist er einmal im Haus, sanft weiterleiten zu den anderen Angeboten. Jedenfalls sanfter und unmerklicher, aber im Prinzip genau so wie bei den Laufwegen im Möbelhaus, die den Kunden fast gewaltsam kreuz und quer durch die Angebote schubsen.

Zuerst kommt man als Prime-Video-Kunde natürlich zu der unüberschaubaren Zahl von Filmen oder Serien, die gerade nicht "in Prime enthalten" sind und deshalb gegen Geld unkompliziert geliehen oder gekauft werden können. Und, so denke ich, auch erste Ideen zur Verzahnung mit der riesigen Amazon-Welt nicht-digitaler Produkte werden wohl bald zu bestaunen sein. So kann der E-Commerce-Gigant über das Vehikel "Streaming-TV" Kunden an sich binden und weit höhere Einnahmen erzielen als ein reines Video on Demand-Abonnement. Und umgekehrt gilt das genauso- auch gegenüber der reinen E-Commerce-Konkurrenz entsteht ein immenser Wettbewerbsvorteil.

Wenn Jeff Bezos noch der Jeff Bezos ist, den wir kennen, wird Amazon seine Investitionen in "Prime Video" schnell weiter steigern. Die großen asiatischen Konkurrenten haben diese neue Art des digitalen Geschäfts schon erkannt und entwickeln eigene Angebote. Nur bei uns denkt man noch in "Kanälen". Auch "Multichannel", so ein gerade beliebtes E-Commerce-Buzzword, ist nicht die Zukunft. Die Zukunft ist das "Universum". Es könnte ein Amazon-Universum werden.

"Bosch"- demnächst in ihrem Amazon-Universum:

Kommentare

Aktuell meist gelesen: