Zu wenig, zu langsam- Asien hängt uns ab beim Glasfaser-Internet

Foto: Telekom
Wäre die Welt doch bloß ein Quartalsbericht, dann wäre sie in Ordnung. "Die Nachfrage nach den Glasfaser-Produkten VDSL und FTTH ist ungebrochen stark", so meldet es die Telekom für das dritte Quartal 2014. Allein von Juli bis September hätten sich 225.000 neue Kunden für einen "glasfaserbasierten" Anschluss entschieden, fast 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Anschlüsse bei der Telekom kletterte damit innerhalb eines Jahres um fast 60 Prozent auf knapp 2,2 Millionen. Die "Netzoffensive" zeigt anscheinend Erfolg, wir können beruhigt sein. Können wir?

Eigentlich hört es sich ja erst einmal gar nicht so schlecht an. Und auch bei den Kabel-TV-Konzernen wird Internet ja immer schneller. Aber schon das schöne Marketing-Wort "glasfaserbasiert" relativiert da sofort wieder einiges. "Glasfaserbasiert" sind schließlich alle Internet-Anschlüsse- irgendwie. Die Frage ist nur: wie weit weg. FTTH, Fibre To The Home, eine durchgehende Glasfaser vom Datenzentrum bis in die Wohnung- nur dass ist der vollwertige Highspeed-Glasfaser-Internetanschluss. Die Telekom zählt aber auch ihre VDSL-Anschlüsse dazu, die per Vectoring die Geschwindigkeit aus der im grauen Kasten auf der Straße endenden Glasfaser zumindest teilweise in die Wohnung bringen.

Asien, du hast es besser oder wenigstens moderner- das Thema hatten wir ja gestern schon. Und wieder wird einem schwummrig, wenn man deutsche Zahlen mit dem aktuellen Geschehen in dieser Region vergleicht. Mehr als 100 Millionen Glasfaseranschlüsse meldet aktuell Ooyala für die APAC-Region. Und zwar direkte, vollwertige FTTH-Glasfaseranschlüsse "to the Home". Was natürlich auch eine Firma sein kann.

"APAC ist weltweit führend bei FTTH-Anschlüssen und dies ist ein wichtiger Meilenstein, der die enormen finanziellen Investitionen und ein tiefes Verständnis für die Zukunft der Netzwerkinfrastruktur dokumentiert", so Julie Kunstler von Ovum dazu. Von "tatkräftiger Unterstützung" durch Regierungen ist die Rede und von "innovativen Lösungen" bei Glasfaser- wie bei Komponenten- oder Geräteherstellern, die den erreichten Stand ermöglicht hätten.

Und der Ausbau geht unvermindert weiter. Fernsehen per Internet, on demand genauso wie live, ist einer der Haupttreiber des Glasfaserausbaus in der Region. Auch die Telekom ist schließlich mit ihrem Entertain-TV in Deutschland sofort erfolgreich, wenn nur die Leitungen endlich verfügbar sind.

Weltweit nutzen nach einer Prognose in diesem Jahr 374 Millionen Haushalte Bewegtbilder, die über das Internet zu ihnen kommen. 2010 waren es 197 Millionen. 706 Millionen, die Hälfte aller TV-Haushalte weltweit, sollen es 2020 sein- bei kontinuierlich besseren und schärferen Bildern. Vom Ruckel-Kästchen 2010 hin zu UHDTV auf dem smarten Fernseher 2020, dass bedeutet stark wachsender Datenverkehr auch pro angeschlossenem Haushalt. Und immer mehr nutzen Over-the-top Content (OTT), dass heißt, die Inhalte kommen unabhängig vom Internet-Service-Provider.

Bis 2020 werden für die APAC-Region 231 Millionen weitere Haushalte erwartet, die OTT-Dienste nutzen, davon 140 Millionen allein in China, dass die USA damit als weltweit größten OTT-Markt ablösen soll. Unvorstellbare 50.000 Petabyte an Daten könnten dann pro Jahr durch Asiens Leitungen strömen. 1,2 Billionen zusätzliches Bruttosozialprodukt und 35 Millionen neue Arbeitsplätze werden durch den konsequenten Ausbau des Highspeed-Internets erwartet.

Ja, hier und da passiert auch bei uns etwas beim Ausbau der Internet-Infrastruktur. Aber für ein Land, dass auch nach 2020 zu den modernen Industriestaaten zählen will, ist es immer noch viel zu wenig. Der Internet-Ausbau, dass gilt es in Deutschland endlich zu lernen, ist keine "Investition", die mühsam und langwierig auf Sinn und Rentabilität zu prüfen ist. Es ist ein Hochgeschwindigkeits-Wettrennen zu den Arbeitsplätzen der Zukunft.

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