"Undercover"- aus Bulgarien zu Amazon Prime. Europa kann Serie (4)

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Die ultimative Demütigung für die deutsche Fernsehproduktion kommt jetzt zum Jahresende- und sie kommt von Amazon. Auf Fox kommt sie auch, aber da hätten es vielleicht nur die wirklich harten Serienfans bemerkt. Nicht, weil die Serie "Undercover" heißt. Bei Fox sind die, die frische US-Serienware mögen- aber eben nicht in Massen.

Ernstzunehmende Experten glauben ja, dass wir deshalb so viele schlechte Fernsehproduktionen erdulden müssen, weil diese in Deutschland zum Großteil gebührenfinanziert sind. Da ist was dran. Wer einfach Gebühren kassieren kann, muss sich um Qualität nicht bemühen- und produziert dann eben immer flachere Dutzendware vom Fließband "an den Interessen der deutschen und besonders an denen der internationalen Zuschauer vorbei", wie es Dr. Florian Kerkau von Goldmedia beschrieb.

Aber da müssen noch weitere Probleme sein, wie es "Undercover" so eindrucksvoll beweist. Denn diese Produktion kommt sogar von einem Staatsfernsehsender- und noch publikumsferner geht ja eigentlich gar nicht. Da gibt es weit draußen auf dem Balkan ein "Bulgarisches Nationales Fernsehen". Das wird von Werbeeinnahmen finanziert. Und von Zuschüssen aus dem Staatshaushalt. Bevor da bei einigen die Augen leuchten: Der gesamte bulgarische Staatshaushalt, also inklusive Ministern, Botschaften, Armee, Straßenbau, Renten, Pensionen und Schuldentilgung, also alles, ist etwa doppelt so hoch wie die öffentlich-rechtlichen Gebühreneinnahmen in Deutschland. Oder anders herum: Mit dem in einem Jahr bei ARD, ZDF & Co. verbrauchten Geld könnte man Bulgarien gut sechs Monate lang komplett finanzieren.

Und dieses arme Land mit seinem sicher ähnlich finanzschwachen Fernsehen produziert mal eben eine Krimiserie, die weit moderner und qualitativ besser ist als fast alles, was wir hier so hinbekommen. Und ja, es klingt noch in meinen Ohren, deutsche Produktionen hätten mangels irgendwas international ohnehin keine Chance. Die Bulgaren haben ihre Serie jetzt in über 120 Länder verkauft. So auch an Amazon. Die hätten bestimmt auch gern interessante deutsche Produktionen. Gefunden haben sie bisher Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Sowie den 50 Jahre alten Klassíker "Raumpatrouille" und DEFA-Märchenfilme aus DDR-Produktion.

Stattdessen gibt es jetzt "Undercover". Das ist keine Hollywood-Hochglanzproduktion wie "House of Cards". Eher verwandt mit dem italienischen "Gomorrah". Manche sagen sogar, es wäre ein bulgarisches "Breaking Bad". Auf jeden Fall authentisch. Und sehr spannend. Man sieht der Serie sofort an: Da sind junge Macher am Werk, die die großen Vorbilder sehr genau kennen. Die nicht einfach stümperhaft auffällige Effekte oder Kamerafahrten an unpassenden Stellen abkupfern, nur weil sie es bei US-Produktionen mal so gesehen haben. Sondern begriffen haben, was den Erfolg dieser Serien ausmacht- und es mit ihren weit bescheideneren Mitteln erstaunlich gut auf ihre Geschichte anwenden.

"Mit Undercover bieten wir Mitgliedern von Amazon Prime oder Prime Instant Video einen weltweiten Serien-Hit, dessen Herkunft erst einmal überrascht. Undercover gibt Zusehern einen realistischen Blick hinter die Kulissen der bulgarischen Gesellschaft und wartet mit talentierten Schauspielern auf", so Christoph Schneider, Geschäftsführer von Amazon Instant Video. "Wir freuen uns ganz besonders, die ersten beiden Staffeln dieses Krimi-Highlights erstmals im Bereich der Video on Demand-Mitgliedschaften in Deutschland und Österreich anbieten zu können."

Worum geht es? Die Serie bietet ungeschminkte Einblicke in die Abgründe der bulgarischen Unterwelt. Nach einem speziellen Training übernimmt der Polizist Martin Hristov (Ivaylo Zahariev) einen gefährlichen Auftrag: Undercover schleust er sich in die kriminelle Organisation des Mafia-Bosses Djaro (Mihail Bilalov) ein. Schnell gerät er immer tiefer in einen Sog aus Verbrechen, Gewalt und Korruption. Als er Djaros Freundin Sunny (Irena Miliankova) kennen lernt, droht sein Doppelleben völlig aus den Fugen zu geraten.

Also: Genau hinschauen, es lohnt sich. Und: Ja, ich bin für öffentlich-rechtliches Fernsehen. Gerade deshalb ist es höchste Zeit, endlich Leistung zu fordern für das viele Geld. Bevor sich die Meinung weiter verbreitet, dass alles habe eh keinen Zweck mehr. Das öffentlich-rechtliche ZDF "berichtet" übrigens gerade mit Live-Schaltung, ob bevorstehende Babys von Prinzessinnen aus Monaco nun Mädchen oder Junge werden. Bald kommen bestimmt wieder Nachrichten über Balkanstaaten, die öffentliche Gelder veruntreuen. Finde den Fehler.

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