Nie mehr WettenDass. Wir sind frei.

Screenshot: Twitter
Och je. "Nach knapp 34 Jahren endet eine Unterhaltungssendung, von der das Schicksal der Nation abzuhängen schien", schreibt die FAZ. "Was machen wir jetzt?" Tja, meint Netz-TV. Vielleicht aufatmen. Hoffen, dass wir vielleicht doch nicht so erbärmlich spießig, weltfremd und hoffnungslos debil sind, wie es dort regelmäßig am Samstagabend einem Millionenpublikum vorgeführt wurde. Ja, es gab auch tolle Momente. Shakira zum Beispiel sang einst dort ihr "Gypsy"- und wer es nicht geliebt hat, dem ist nicht zu helfen. Und das eine oder andere mehr.

Aber das waren Momente. Momente in meist sehr langen Live-Shows. Spätestens nachdem Thomas Gottschalk, der durch seine unnachahmliche Genialität oft noch eine Brücke zwischen den Generationen schlagen konnte durch Markus Lanz ersetzt wurde, war es nur noch unerträglich. So empfanden es viele. So konnte man es überall hören.

Deshalb kann man diese Woche nur noch unter dem Begriff "erbärmlich" zusammenfassen. Erbärmlich die öffentlich-rechtlichen "Journalisten", die immer noch von Radio bis Fernsehkanal pausenlos die frohe Botschaft von der ach so tollen "erfolgreichsten Fernsehshow Europas" verbreiten, ohne die geringste Anwandlung irgendeiner Selbstreflexion, geschweige denn irgend eines Nachdenkens.

Erbärmlich das allgemeine kritiklose Getrommel, man möge doch auch an diesem Samstag seine unwiederbringliche und kostbare Lebenszeit mit diesem Möchtegern-Event verschwenden.

Aber warum auch Nachdenken. Das muss doch toll sein: "Rund 250 Mitarbeiter sind vor, auf und hinter der Bühne tätig", so meldet es voller Stolz das ZDF. "Während der Livesendung können mit den Gästen noch weitere hinzu-kommen, so dass sich dann bis zu 350 Personen in der Halle bewegen. 20 Container und 10 LKW-Auflieger werden entladen, 23 Kilometer Kabel für Licht-, Ton-, Video- und Kameratechnik verlegt. 21 Tonnen Lichttechnik und etwa 660 Scheinwerfer müssen installiert werden. 1 Megawatt Strom bringt WettenDass zum Erstrahlen, und 2000 Quadratmeter Bühnenboden werden verlegt."

Toll, was man da mit den hart erarbeiteten Gebührengeldern aus dem Land da draußen auf die Beine gestellt hat. So eine grandiose kostenlose Werbeplattform für Hollywood-Blockbuster, Popstars und auch deutsche Schlagersternchen und Kokowääh-Filme. Gibt es nie wieder. Für diese Leistung haben wir doch grenzenlose Liebe, Bewunderung und Anerkennung verdient, oder? Die fragenden öffentlich-rechtlichen Augen werden mich wohl noch im Schlaf verfolgen. Die glauben wirklich, sie hätten irgend etwas von Wert geleistet, statt nahezu sinnfrei öffentliche Gelder zu verbrennen.

Stefan Niggemeier hat darauf aufmerksam gemacht, dass jetzt wohl viele gut bezahlte WettenDass-Kritiker da draußen im Land ihre Aufgabe verlieren. Okay, das ist tragisch. Aber sonst höre ich ein Aufatmen im deutschen Fernsehland. Es ist vorbei. Und selbst wenn es nötig sein sollte, Exorzisten dafür zu beschäftigen, egal, tut alles, damit so etwas wirklich weg bleibt.

Es ist ein guter Tag für Deutschland. "WettenDass" ist vorbei. Tom Hanks kann wieder angstfrei zu uns kommen. Selbst auf Twitter glaube ich ein Aufatmen zu hören. Es ist wie eine Erlösung. Wir sind frei. Hoffentlich: Bitte achtet darauf- Untote sind eine wahre Plage:

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