"Marco Polo" - kann Netflix auch Mittelmaß?

Hinter den Kulissen von "Marco Polo" Foto: Phil Bray für Netflix
Grandiose Bilder und ein tolles Produktionsdesign- das bietet die neue Netflix-Serie "Marco Polo" laut "Hollywood Reporter", die morgen weltweit Premiere auf der Streaming-Plattform feiert. Aber dann kommts: Die Geschichte sei wenig unterhaltsam. Schwache Dialoge, wenig entwickelte Charaktere und eine "bizarre" Besetzung- Brian Dennehy als Kublai Khan sähe aus wie ein Albino-Kaiser. Auch bei "Variety" ist die Kritik wenig freundlich. Produzent John Fusco habe den exotischen Hintergrund wohl "als Einladung verstanden, mit B-Movie-Klischees zu spielen". Lorenzo Richelmy sei ein "Marco Polo" mit wenig Charisma.

Morgen werden wir es wissen. Behalten die Kritiker Recht, werden die Fernsehsender weltweit tief durchatmen. Netflix hätte zum ersten Mal für viel Geld eine schwache Produktion abgeliefert und damit den Nimbus verloren, der die Firma umgibt. Der Schlüssel zum Geheimnis der Massenproduktion von Fernsehserien in ausnahmslos außergewöhnlicher Qualität wäre weiterhin unentdeckt. Netflix schien bisher im Besitz dieses Schlüssels zu sein- mit "House of Cards", "Orange is the new Black" und "Fargo" ist der Streaming-Riese gerade wieder mit drei nominierten Produktionen im Rennen um den "Golden Globe".

Dabei hatte Netflix-Programmchef Ted Sarandos gerade erst dieser Tage auf der "UBS Global Media & Communications Conference" in New York erklärt, wo seiner Meinung nach der Grund für so viel schlechtes Fernsehen zu suchen ist. Die Einschaltquoten seien schuld- sie hätten die Kreativität des Fernsehens zerstört. "Schauen sie, wie viele Produktionen die ersten drei Folgen nicht überleben", so Sarandos. "Und dass nicht, weil sie schlecht sind- sondern nur am falschen Programmplatz zur falschen Zeit."

Innerhalb der nächsten fünf Jahre wolle Netflix in "nahezu jedem" Land verfügbar sein- und dann bis zu 20 eigene Serien pro Jahr produzieren- alle zwei bis drei Wochen ein Neustart.

Das wird spannend- und die Fernsehsender sollten nicht zu früh aufatmen, auch wenn "Marco Polo" vielleicht doch nur Durchschnittsware ist. Viele bereits angeschobene Netflix-Projekte klingen sehr spannend. Genauso wie bei Konkurrent Amazon. Die Amazon Studios sind mit "Transparent" auch erstmals für den "Golden Globe" nominiert. Amazon war noch vor gut einem Jahr nur als Internethändler bekannt...

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