Gelesen, gelacht, gelocht: "Abschaffung der Rundfunkgebühren"


Dieses Weihnachtsgeschenk sollte man vielleicht gar nicht erst auspacken. Der schön geschmückte Karton wird ohne Inhalt bleiben. Es war die BILD-Zeitung, die die "Sensation" zuerst unter leichtgläubigen Menschen verbreitete: "Reform geplant? Schäuble-Berater wollen GEZ-Gebühr abschaffen"- so konnte das erstaunte Publikum dort lesen und vielleicht, vielleicht einen kurzen Moment vor dem Nachdenken auf den Weihnachtsmann und das Christkind hoffen.

Im Bundesfinanzministerium kursiere ein "brisantes Papier", dass eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Abschaffung der Zwangsgebühren fordere. Es gebe "gute Gründe für eine Reform des Rundfunksystems". Das hätten 32 Professoren in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums im Auftrag von Finanzminister Wolfgang Schäuble festgestellt.

Okay, meint da Netz-TV. Wozu aber 32 Professoren? Man mag von Wolfgang Schäuble halten, was man will- aber ich bin fest davon überzeugt, dass er durchaus dazu in der Lage wäre, dies durch einfaches Einschalten des Programms auch selbst festzustellen.

Deutschland liege, so die "Experten" weiter, bisher mit Rundfunk-Kosten von 94 Euro pro Kopf und Jahr "in der absoluten Spitzengruppe" der Länder in Europa. Man könne doch einfach nur noch solche Sendungen produzieren, die die Privaten "nicht von sich aus anbieten würden". Dann könnte der Rundfunkbeitrag entfallen und das verbleibende öffentlich-rechtliche Rest-Fernsehen durch Steuern oder über eine "moderne Nutzungsgebühr" finanziert werden. Könnte man, ja. Aus "guten Gründen"? Da lachen ja die Hühner, hätte mein Opa gesagt.

Also keine Panik, liebe Mitarbeiter von ARD, ZDF und Co. Eure Intendanten werden beim Lesen auch sehr gelacht haben. Obwohl der "SPIEGEL" dann auch noch mal nachgelegt hat. Aber da wird auch schon vorsichtig ergänzt, eine Reform der Rundfunkbeiträge wäre "Ländersache" und der Bund gar nicht "zuständig". Das hindert wiederum die Huffington Post nicht daran, schon einmal Meinungen "zur geplanten Abschaffung der Rundfunkgebühr" einzuholen, die "hohe Wellen" schlage. Der wenigstens entfernt sachkundige Leser bleibt mit der Frage "was soll der Quatsch?" ratlos zurück.

Ja, es gibt "gute Gründe" für eine Reform des deutschen Rundfunksystems. Sie wäre sogar dringendst erforderlich, um große Teile der deutschen Medienindustrie und damit sehr viele Arbeitsplätze für Kreative vor dem zu retten, was über die offenen deutschen Internet-Grenzen zu uns kommt und vor allem in naher Zukunft noch kommen wird. Weil Wettbewerbsfähigkeit notwendig wäre, die auf Grund fehlgeleiteter Ressourcen und eines aus analogen Zeiten übrig gebliebenen kindlichen Glaubens an "Regulierung" des Marktes für Bewegtbild-Entertainment zunehmend unmöglich wird.

Die Realität dagegen ist eine politische Kaste in Berlin, die tatsächlich ernsthaft annimmt, es hätte noch irgendeine Bedeutung oder gar Wirkung beim Wähler, wer zu irgendeiner Sonntagabend-Talkshow im "Ersten" eingeladen und welches Thema behandelt wird. Eine Ministerpräsidenten-Konferenz der Bundesländer, deren gestalterische Kraft mit der Entscheidung für einen "Jugendkanal im Internet" sicher auf Jahre hinaus aufgebraucht ist. Einen "Jugendkanal", der dann wohl sehr viel weiter von den YouTuber-Welten entfernt sein wird, in denen sich seine Zielgruppe längst befindet, als die Planeten des Marvel-Universums. Zur Not gibt es auch noch ein Bundesverfassungsgericht, dass da immer noch irgendwo einen "Grundversorgungsauftrag" sieht. Auch dann, wenn dieser in der Medienrealität etwa so sinnvoll ist wie die "Grundversorgung" der Kunden einer französischen Boulangerie mit abgelagertem Discounter-Brot zum vierfachen Preis.

Die, auf deren Gehaltszettel der Löwenanteil der Rundfunkgebühren landet, haben das Thema mit den "hohen Wellen" längst gelesen, herzhaft darüber gelacht und es unter "Kurioses" abgeheftet. Amazon, Netflix und Hollywood freuen sich auf die deutschen Zuschauer.

Kommentare

  1. Vielleicht sollte Peter Mock dieses mal lesen :
    http://online-boykott.de/ablage/20141215-gutachten-medien/2014-12-15-gutachten-medien.pdf

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    1. Ja. Das ist das Gutachten. Unterschreibe ich sofort. :-) Nur: Was nun? Eine Veränderung braucht eine Mehrheit in der Ministerpräsidentenkonferenz. Es wird lange dauern, bis das Thema diskutiert wird, wenn überhaupt. Dann wird man sehr lange verhandeln. Dann wird man sich nicht einigen. Oder man wird sich einigen- und wir werden mehr zahlen als bisher. Die Länder werden niemals "ihre" Sender kürzen oder gar aufgeben.

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  2. ARD / ZDF / DRadio den Geldhahn zudrehen.

    http://www.zahlungsstreik.net

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