Fast zwei Millionen Europäer schauen Wuaki.tv

Screenshot: wuaki.tv
Zahlen sind selten im Video on Demand Business, es sei denn es geht um YouTube. Dabei wäre es doch hoch interessant zu erfahren, wie viele Abonnenten Netflix in Deutschland schon hat oder was "meist gesehen" bei Amazon Prime denn in Zahlen bedeutet. Aber da ist nicht viel zu erfahren- die Zahlen, so heißt es, könnten der Konkurrenz im harten Wettbewerb wertvolle Hinweise geben.

Die europäische Rakuten-Tochter Wuaki.tv, gerade erst in den letzten Wochen in Deutschland richtig angekommen, hat kurz vor Weihnachten ein paar herausgerückt- also mal anschauen. Wuaki hat (noch?) kein Angebot für Abonnenten- es gibt Filme und Serien im Einzelabruf zu leihen oder zum Kauf. Die Auswahl ist aber recht groß und man kümmert sich auch schon um UHD-TV. So gibt es derzeit im Rahmen einer Werbekooperation mit LG für deren UHD-Smart-TV-Kunden vier Spielfilme in 4K-Auflösung bei Wuaki.tv als kostenlose Zugabe.

2014, so heißt es, erreichte Wuaki.tv in Europa über 1,85 Millionen Nutzer- 85% mehr als 2013. Der Umsatz der Online-Videothek stieg europaweit um 94 Prozent. Die mobile Nutzung von Content wuchs um 590 Prozent, nach wie vor wird das Angebot aber vorrangig auf Fernsehern genutzt. In Haushalten mit Smart-TV favorisieren rund 45 Prozent diesen Zugang. 26 Prozent schauen die Filme und TV-Serien vor allem über mobile Geräte wie Tablets und Smartphones, während 24 Prozent direkt über den PC auf die Videos zugreifen.

Sind wir jetzt schlauer? Eigentlich nicht. "Wir freuen uns, wie gut Wuaki.tv von den Film- und Serienfans angenommen wird, sowohl in Spanien und als auch in den anderen europäischen Ländern, in denen wir tätig sind", sagt Jacinto Roca, Gründer und CEO von Wuaki.tv. "Wir haben die Mission, dem Medienkonsumenten die Möglichkeit zu geben, jederzeit zu entscheiden, was und wann und über welche Endgeräte er Videos sehen will. Die Kombination attraktiver und aktueller Inhalte mit ständiger technologischer Innovation unserer Plattformen zahlt sich aus."

Bei Abonnentenzahlen von Maxdome, Netflix oder Amazon Prime könnte man aus den Nutzerzahlen Einnahmen schätzen. Die Nutzerzahlen von Wuaki sagen aber nur, dass 1,85 Millionen schon einmal da waren. Ob sie täglich ins Video on Demand-Kino kommen oder nur einmal im Jahr an der Kasse erscheinen, wissen wir nicht. "Guardians of the Galaxy" gibt es ab 3,99 Euro. Der Betriebswirtschaftler in mir mutmaßt über Kosten und Preise und kann noch kein Geschäftsmodell erkennen. Könnte Streaming-TV vielleicht doch auch eine Blase sein? Ein Geschäft, in dem alle außer Netflix nur Geld verlieren? Die Zukunft wird es zeigen- und bis sie kommt, wird erst einmal investiert. Auch bei Immobilien gibt es Blasen, aber der, der die Schlossallee erobert, der hat ausgesorgt.

"Als Tochtergesellschaft des japanischen E-Commerce-Konzerns und Internet-Dienstleisters Rakuten ist Wuaki.tv außerdem ein wichtiger Bestandteil dessen Ökosystems.". Aha. Also die finanzielle Basis für den harten Wettbewerb könnte vorhanden sein. Und man investiert ja auch kräftig weiter- Anfang des Jahres wird der Launch in Italien erfolgen. Der Start in Österreich und Irland ist für das zweite Quartal 2015 geplant. 10 europäische Länder sollen insgesamt bis Ende 2015 dazu kommen.

Das ist nicht selbstverständlich. Die britische Supermarktkette Tesco betreibt mit "blinkbox" zum Beispiel auch einen vergleichbares großes europäisches Portal mit Schwerpunkt in Großbritannien. Da wird mittlerweile wegen anhaltender Verluste über einen Verkauf an Vodafone spekuliert.

Ich glaube, dass das Abonnement-Angebot zusammen mit eigenen, selbst produzierten Inhalten der Schlüssel zum Erfolg ist. Siehe Netflix- und Amazon. Amazon freut sich über immerhin 10 Millionen neue "Prime"-Kunden in diesem Jahr- da könnte auch das Video-Angebot kräftig mitgeholfen haben. Wuaki.tv aber ist interessant, weil kapitalkräftige asiatische Besitzer dahinter stehen- aus dieser Himmelsrichtung wird 2015 noch mehr zu hören sein.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: