Es lebe der Sport ! Vor allem von Rundfunkgebühren !!

Foto: DHB/Sascha Klahn
"Angesichts der Vorgeschichte sind wir froh, dass die WM-Spiele unserer Nationalmannschaft live zu sehen sein werden", sagt der Präsident des Deutschen Handballbundes, Bernhard Bauer dazu. "Wir sind Sky dafür dankbar, die Initiative ergriffen zu haben. Jeder Handball-Fan hat nun grundsätzlich die Möglichkeit, Übertragungen von hoher Qualität und unterstützt von kompetenten Experten sehen zu können. Die neue TV-Situation müssen wir und der Handballsport zudem als große Chance erkennen und uns auf weitere Entwicklungen vorbereiten. Zwar ist es wünschenswert, dass internationale Sportgroßereignisse im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Aber wenn die Qualität wie bei den Übertragungen der Fußball- oder Handball-Champions-League stimmt, kann der Handballsport auf einen solchen Partner stolz sein."

Hört sich an, als hätte er beinahe "auch" gesagt. ARD und ZDF hatten Anfang Dezember die Verhandlungen über die TV-Rechte für die Handball-WM 2015 in Katar abgebrochen. Es ging dabei auch gar nicht ums Geld, das stand aus öffentlich-rechtlichen Gebühren wie stets problemlos bereit. Die Rechteinhaber mochten sich wohl nur nicht mit der unverschlüsselten ARD/ZDF Satellitenausstrahlung anfreunden. Sie kommen aus einer privat finanzierten Fernsehwelt und verstanden das wohl nicht. "Der geplatzte Deal hinterlässt viele Verlierer", so die Einschätzung des SPIEGEL. "Die IHF wird geringere TV-Ratings beklagen, da Deutschland der wichtigste Handballmarkt ist. Der DHB wird beschädigt, weil seine Sponsoren weniger im Fernsehen gezeigt werden. ARD und ZDF verzichten auf gute Quoten in der fußballarmen Zeit - als die deutsche Mannschaft vor zwei Jahren ins WM-Viertelfinale vorstieß, schalteten zu Spitzenzeiten 9,59 Millionen Zuschauer zu."

Burkhard Weber, Senior Vice President Sports bei Sky Deutschland freut sich- Sky musste für die Rechte sicher deutlich weniger bezahlen: "Bereits der Erwerb der langfristigen exklusiven Live-Übertragungsrechte an der EHF Champions League war seitens Sky ein klares Bekenntnis zum Handball als TV-Sport. Als wir nun die Chance hatten, die WM in Katar doch noch im deutschen Fernsehen zu übertragen, haben wir das im Sinne der vielen Handball-Fans kurzfristig möglich gemacht. Wir freuen uns auf das nächste Wintermärchen." Auch an Handball-Fans, die noch keine Sky-Kunden sind, wird mit Fürsorge gedacht. Der PayTV-Marktführer verweist auf  zahlreichen Bars mit Sky-Lizenz in ganz Deutschland- dort seien alle Spiele des DHB-Teams in Katar in der Gemeinschaft anderer Fans und im Großformat erlebbar.

Also alles in Butter? Scheint so. Und schöner Schein ist ja anscheinend alles. Wer will schon die Miesmacher hören, die fragen, wieso das DHB-Team in Katar überhaupt mitspielt. Okay, sie haben sich sportlich nicht qualifiziert. Aber wenn Deutschland doch "der wichtigste Handballmarkt" ist? Oder wie? Oder was? Ist es nun "Sport" oder ist es "Markt"?

Das ZDF meldet übrigens heute stolz, im Jahr 2014 "erneut meistgesehener Sender" gewesen zu sein. Das wird wohl stimmen, auch wenn die Sache mit den "GfK-Quoten", nun, eben so eine Sache ist. "Der ZDF-Programmerfolg", so lesen wir weiter, "gründet sich vor allen Dingen auf die hohe Kontinuität unter anderem beim fiktionalen Serienangebot und die erfolgreiche Einführung neuer Reihen." So so. Danach folgt eine lange Liste der Programmerfolge. Sogar Kabarett, heute-Journal, Polit-Talks und die handwerklich stümperhafte "Familienserie Dr. Klein" werden lobend erwähnt.

Mit dem, was aus Gründen der Vollständigkeit am Ende noch erwähnt wird, hat das alles sicher nicht so viel zu tun. Sonst wäre es ja nur "schöner Schein". Da steht dann noch: "Auch der Sport lieferte 2014 viele Highlights: Das WM-Halbfinale Brasilien – Deutschland war mit 87,6 Prozent Marktanteil und 32,54 Millionen Zuschauern die meistgesehene Sendung im ZDF-Programm des zurückliegenden Jahres. Weitere Höhepunkte waren die Übertragungen der Olympischen Winterspiele aus Sotschi und die Champions-League-Saison 2013/2014 unter anderem mit dem Hin- und Rückspiel FC Bayern – Real Madrid (11,66 Millionen / 38,2 Prozent beziehungsweise 12,02 Millionen Zuseher und 37,9 Prozent Marktanteil)."

Da der Programmerfolg ja mit dem "fiktionalen Serienangebot" erreicht wurde und sogar "maybrit illner" sich gegenüber dem Vorjahr verbessern konnte, ist es auch nicht schlimm, wenn diese ominöse "Expertenkommission" von irgendeinem "wissenschaftlichen Beirat des Finanzministeriums" in ihrem Gutachten jetzt explizit die Kosten für Sportübertragungen ins Visier genommen hat. Denn es ist ja nur üble Nachrede böser Menschen, wenn behauptet wird, die öffentlich-rechtlichen Sender würden ihre Marktanteile mit den vielen Rundfunkgebühren einfach "kaufen". Zum Beispiel, indem sie die Kosten für Sportrechte so lange in die Höhe treiben, bis alle Privaten aussteigen, da sie es auf keinem Markt mehr refinanzieren könnten.

"Die Aufwendungen von ARD, ZDF und Deutschlandradio", so schreiben diese Gutachter, "lagen nach Angaben der KEF im Jahr 2013 bei 8.593,8 Millionen Euro. Dabei schlagen ca. 40.000 Erstsendeminuten im Bereich des Sports allein im 1. Programm der ARD mit rund 450 Millionen Euro an Kosten zu Buche. Dies sind ca. 8 Prozent der Sendezeit des Ersten Programms und ca. 0,4 Prozent der Gesamtfernsehsendeminuten, aber fast 5 Prozent der Gesamtausgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Beim ZDF hat der Sport eine ähnliche Bedeutung. Ausgaben für Sportsendungen mit ca. 35.000 Erstsendeminuten und Kosten von ca. 340 Millionen Euro dominieren auch dort alle anderen Bereiche für diesen Einzelsender im Hinblick auf die Kosten und gehören neben dem Ressort 'Fernsehspiele' zu den teuersten Programmbereichen."

Okay, wegen Winterspielen im weit entfernten Russland und Fußball-WM im noch weiter entfernten Brasilien war es 2014 sicher noch teurer. Aber es hat sich doch gelohnt, oder? Wir sind Weltmeister! Und ab jetzt wird eisern gespart. Bei den Handballern. Die wollen ihre Sponsoren im Fernsehen zeigen. Öffentlich-rechtlich!! Das geht ja nun gar nicht. Rundfunkgebühren sind hart erarbeitete Euros von hart arbeitenden Zuschauern. Wo kämen wir dahin, wenn ganze Millionen davon an dubiose Verbände und Ferrari fahrende Multimillionäre gingen. Nee!

Wir schalten zurück zu den üppig finanzierten Dokumentationen über die Lage der Bauarbeiter in Katar.

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