"Curved" oder flach? Panel-Technologie und Smart-TV-Produktion

Foto: Samsung
"Curved TVs bestechen nicht nur durch ihre einzigartige, ikonische Designsprache, sondern auch durch technologische Vorteile", so heißt es bei Samsung. "Aufgrund des erweiterten Sichtfeldes wirken gewölbte Bildschirme größer als vergleichbare Flat TV Modelle. Zudem ermöglicht die Curved Technologie ein kontrastreicheres und räumlicheres Seherlebnis. Dies bestätigt ein Verbrauchertest der Zeitschrift video während der diesjährigen Messe IFA. In einem Direktvergleich von Flat und Curved TV bevorzugte die Mehrheit von 120 Messebesuchern das gewölbte Modell. Nach dem Test waren 79 Prozent der Befragten so angetan, dass sie für ihren nächsten Kauf einen Curved TV in Erwägung ziehen."

Und man meldet stolz, dass die Stiftung Warentest für das Modell UE55HU8590 im Juli-Vergleichstest das Qualitätsurteil "gut", die Note 1,6 und damit die beste Wertung seit fünf Jahren unter getesteten Fernsehern vergab.

Wenn man sich so eine neue Wunder-Glotze neu anschaffen will, gilt es nicht nur die Frage zu beantworten ob es denn nun schon UHD sein soll, obwohl das keiner sendet. Es gibt die prächtigen neuen Riesen-Bildschirme ja auch noch in krumm und in flach. Während es bei UHD fast noch eine Glaubensfrage ist, ob dann, wenn es irgendwann wirklich gesendet wird, im neuen Fernseher auch alles drin ist was man dann braucht, ist die Entscheidung für "curved" oder nicht eigentlich viel einfacher. Man muss nur sein eigenes Fernseh-"Konsumverhalten" beobachten. Denn der gewölbte Bildschirm braucht Zuschauer, die frontal davor sitzen. Seitliches Betrachten ist logischerweise durch die Wölbung unschöner als beim flachen Panel.

Das ist in den heute so häufigen Ein- oder Zweipersonenhaushalten eigentlich kein Problem. Aber je mehr sich vor dem Fernseher versammeln, um so kuschliger wird es.

"Curved" ist aber auch ein interessantes Lehrstück für die Bedeutung der Panel-Technologie für den Erfolg von Herstellern auf dem hart umkämpften Markt für neue TV-Geräte. Im Zusammenhang mit den Insolvenzen der deutschen Edelproduzenten Metz und Loewe wurde das hier ja schon mehrfach angesprochen und bestritten. Die krummen Panels sind natürlich in der Produktion erheblich komplizierter und auch teurer. Die koreanischen Hersteller Samsung und LG haben viel in die Technologie investiert und setzen das Ergebnis jetzt auch gnadenlos im Marketing ein.

Die Konkurrenz kann da weitgehend nur zuschauen. Sie hat diese Panels (noch) nicht und kann sie auch entweder gar nicht oder nur zu Preisen einkaufen, die eine Verwendung unrentabel machen. Was bleibt da? In den USA gibt es mit Vizio einen einheimischen Hersteller, der zeitweise dort sogar Marktführer war. Im Gegensatz zu den deutschen Herstellern Metz und Loewe hat man sich bei Vizio mit der Produktion nie beschäftigt. Genauso gegensätzlich ist die Preisstrategie- Vizio greift die Konkurrenz mit Niedrigstpreisen an.

Das geht, weil die ganze Firma ( wohlgemerkt, ein zeitweiliger US-Marktführer ) gerade mal 400 Beschäftigte hat, von denen auch noch die Hälfte im Call-Center mit Kundenservice beschäftigt ist. Man entwirft die Geräte speziell für den US-Markt und lässt komplett in Taiwan, Mexiko und China produzieren. Mit dieser Strategie ist Vizio wohl profitabel- verliert mittlerweile aber auch Marktanteile.

Jetzt kommt die Konkurrenz mit diesem "curved"- was kann man tun? Ganz einfach- Marketing ist die Grundlage von allem. Wer sich einen teuren neuen Fernseher kauft, will bewundert werden und nicht belächelt. Curved hat auch eine Schwachstelle- und deshalb gibt es jetzt von Vizio einen ein wenig bösen "anti-curved" Werbefilm. Viel Spaß dabei:

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