Bis dass der Bildschirm dunkel wird- Kampf ums Geld im US-TV

Foto: Dish Network
Sonnabend ist Bundesliga-Tag. Man stelle sich mal vor, was passieren würde, wenn die Fernsehbildschirme einfach leer blieben. Leer nicht wegen irgendwelcher Naturkatastrophen oder Blackouts im Stromnetz, sondern nur, weil sich der Satellitenbetreiber ASTRA, Sky und der "Sportschau"-Sender ARD nicht rechtzeitig über die Details einer fälligen Vertragsverlängerung einigen konnten. In den USA ist etwas Ähnliches heute (fast) passiert. Gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der Football-Spiele des Samstags mit dem Endspiel um die Meisterschaft im Südosten zwischen Alabama und Missouri kehrte das Angebot von CBS, einem der größten US-Fernseh-Networks nach zwölfstündiger Unterbrechung für Millionen Kunden des Satellitenbetreibers Dish Network Corporation zurück.

Satellitenempfang ist in den USA nicht kostenlos- er funktioniert ganz ähnlich wie das US-Kabelfernsehen, über dessen Kampf mit den "Cordcuttern" und auch mit Dish um die aus deutscher Sicht teilweise astronomischen Gebühren hier ja schon mehrfach wegen des hohen Unterhaltungswertes berichtet wurde.

Bei uns bezahlen die Sender den Satellitenbetreiber und dieser bringt als Dienstleister dafür ihr Programm kostenlos zu den Zuschauern. Auch das Pay-TV- der Zuschauer muss es dann in seinem Gerät per SmartCard kostenpflichtig entschlüsseln. In den USA kaufen KabelTV-Anbieter wie Satellitenbetreiber die TV-Programme quasi beim Sender gegen "Retransmission-Fees", also Geld, ein und verkaufen diese dann in "Bundles", verschiedenen Paketen, an die Zuschauer weiter. Eigentlich logischer als unser System. Aber genau dies bringt im Zeitalter des Fernsehens per Internet jetzt ganz neue Probleme.

Denn bei dem fast unlösbaren Streit zwischen CBS und Dish Networks ging es natürlich auch um den üblichen Poker um Konditionen und Preise- im Kern aber waren es die "digitalen" Rechte für die CBS-Programme, die die Verhandlungen so komplizierten, dass das Ganze dann bis hin zur zwölfstündigen Abschaltung der CBS-Programme für viele Dish-Kunden eskalierte.

Und "that escalated quickly", um es mit den legendären Worten des ebenso legendären Ron Burgundy zu sagen, denn auf beiden Seiten steigt der digitale Problemdruck erstaunlich schnell. Im letzten Quartal schauten die US-Amerikaner durchschnittlich 4% weniger TV als im Vergleichszeitraum 2013. Waren es im Vorjahr noch 147 Stunden im Monat, sind es jetzt laut Nielsen nur noch 141. Dafür stieg der Konsum von Videocontent aus dem Netz von durchschnittlich 7 auf 11 Stunden im Monat. Da stehen natürlich bei den großen Sendern sofort die Werbeagenturen auf der Matte und fragen nach Rabatt für ihre Spots.

Dem wollen die großen Sender, auch CBS, jetzt mit eigenen Internet-TV-Angeboten begegnen. Das Problem dabei: Die KabelTV-Anbieter wie auch Dish Networks versorgen ihre Kunden auch mit Internetanschlüssen. Und die sehen dann nicht mehr recht ein, wieso sie denn HBO oder CBS im teuren "Bundle" bezahlen sollen, wenn es denn meistens viel preiswerter auch aus dem Internet kommt. Und nun geht an allen Ecken und Enden die große Keilerei ums große Geld los.

Was bleibt? Dish und CBS haben sich kurz vor dem Football-Anpfiff doch noch geeinigt. Und für uns bleibt die erfreuliche Erkenntnis, dass Deutschland in diesem Geschäft auch mal "vorn" sein kann. Und sei es nur dadurch, dass versehentlich lange vor dem Internet Regeln eingeführt wurden, die heute plötzlich besser passen. ProSiebenSat1 kann jedenfalls Maxdome weiter ausbauen, ARD, ZDF oder Arte können ihre Mediatheken weiter pflegen- ohne Probleme mit ASTRA fürchten zu müssen.

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