Twitch feiert Jahresrekord mit "Call of Duty". Bekleidet, aber ohne Lizenz?

Foto: Activision
Hab gerade mal nachgesehen. Aktuell schauen gut 3.500 Zuschauer bei Twitch anderen Leuten dabei zu, wie sie "Call of Duty: Advanced Warfare" spielen. Das hört sich nach viel an. Wenn man nicht weiß, dass gleichzeitig wieder gut 75.000 in der "League of Legends" dabei sind.

"Call of Duty: Advanced Warfare" ist der elfte Teil der "Call of Duty"-Serie der US-Firma Activision und erst seit Anfang November auf dem Markt. Und somit ein schönes Beispiel für den Neugiereffekt bei den Gamern. Denn innerhalb der ersten Woche nach der Veröffentlichung verzeichnete die erst kürzlich von Amazon übernommene "Let's-Play-Plattform" twitch.tv mit dem Spiel einen neuen Rekord. 5,4 Millionen Stunden sahen die Fans innerhalb einer Woche beim herumballern zu. Kein geringerer als Kevin Spacey (ja, der kommende US-Präsident aus "House of Cards") gibt den Haupt-Bösewicht und Kriegsgegner der US-Truppen. 75.000 Gamer agierten vor der Kamera und erreichten mit "Call of Duty: Advanced Warfare" fast 6 Millionen Zuschauer.

In einem normalen Monat "sendet" Twitch insgesamt 1,3 Millionen Livestreams, die 16 Milliarden Zuschauer-Minuten generieren. "Die 'Call of Duty' Gemeinde auf Twitch ist extrem leidenschaftlich, deshalb sind wir nicht überrascht, dass 'Call of Duty: Advanced Warfare' beim Vergleich der Einführungswochen einen Meilenstein als meist gestreamtes Konsolenspiel des Jahres gesetzt hat", so Ernest Le, Direktor für Publisher- und Entwickler-Partnerschaften bei Twitch. "Unsere Community verbrachte mehr als eine Stunde pro Tag damit, andere beim Spiel zu beobachten. Das zeigt die unglaublich starke Anziehungskraft von interaktivem Live-Video."

Warum dagegen Amazon knapp eine Milliarde Dollar für die Plattform bezahlt hat, ist auch knapp 3 Monate nach dem Kauf noch nicht wirklich klar ersichtlich. Sicher kann Twitch bei seinen Nutzerzahlen ein paar Groschen für die zwischengeschalteten Werbespots einnehmen. Aber nichts, was annähernd den Kaufpreis amortisiert. Bisher war die aufregendste Neuerung seit der Übernahme die Einführung US-amerikanischer Anstandsregeln. Amazon hat die leicht bekleideten Damen von der Plattform geworfen, die dort mit der zu über 90% männlichen Zielgruppe vor den Bildschirmen "spielten". In Zukunft will also die Verkaufsmaschine Amazon dort allein Geschäfte mit den Gamern machen. Auch das wird für weitere Einnahmen sorgen. Möglicherweise war aber der betriebswirtschaftlich wichtigste Grund für die Übernahme, zu erreichen, dass YouTube und damit Google Twitch nicht bekommt.

Auch lustig: Die Gamer-Community ist global und Twitch separiert seine Zuschauer nicht nach Nationalität. Dennoch erfüllt die Plattform alle Kriterien der Medienanstalten für "zulassungspflichtigen Rundfunk". Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Deutschland allein. Wer soll nun die eigentlich unter Androhung saftiger Geldstrafen dringend notwendige "Rundfunklizenz" beantragen? Der Versandhändler Amazon? Twitch? "Samzorz", der gerade "Call of Duty" spielt? Fragen über Fragen...

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