Sterben für die Quote- die "Hunger Games" kommen

Screenshot: discovery.com
Katniss Everdeen ist auf dem Weg zurück in die Kinos. Die schöne Jennifer Lawrence wird ab Ende November dem bösen Präsidenten Snow in "Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1" hoffentlich tüchtig einheizen und die Macht des Kapitols vielleicht noch ein Stück weiter erschüttern. Zum Glück ist diese Science-Fiction-Welt, in der für eine TV-Show gestorben wird, ganz weit weg. Mindestens bis Sonntag.

Da wird "The World’s Nr.1 Nonfiction Media Company" live übertragen. Okay, Nik Wallenda ist ein Profi. Er muss wissen, was er tut. Aber er könnte morgen live vor den Fernsehkameras des Discovery Channels in den USA sterben. Und, machen wir uns nichts vor: Genau diese sehr reale Möglichkeit wird für große Quoten sorgen.

Der legendäre Motorrad-Stuntman Evel Knievel hatte einst immerhin noch ausreichend Bodenkontakt um wenigstens eine geringe Chance zu haben, falls etwas schiefgeht. 1969 brach er sich bei einem Versuch, über die Brunnenanlage des Caesars Palace in Las Vegas zu springen, insgesamt 40 Knochen. Anschließend lag er 29 Tage im Koma und durfte trotzdem nach einem ereignisreichen Leben im Alter von 69 Jahren an Krankheiten sterben. Nik Walenda hat diese zweite Chance nicht. Sein Stunt morgen funktioniert- oder es ist vorbei.

Sein Plan: Er wird morgen über ein Seil gehen. Mit verbundenen Augen, in etwa 200 Meter Höhe zwischen zwei Wolkenkratzern in Chicago. Ungesichert. Chicago ist auch unter dem Begriff "Windy City" bekannt. Okay, Wikipedia meint, der oft starke Wind, der mal kalt aus nordwestlicher Richtung, mal auch vom Michigansee weht und durch die Wolkenkratzerschluchten kanalisiert und dadurch verstärkt wird, führe nicht dazu, dass Chicago bedeutend windiger sei als andere US-Metropolen.

"Ich glaube, es ist ein kalkuliertes Risiko, was ich tue", so Nik Wallenda. Und ja, zu allen Zeiten hat es Artisten gegeben, die ihr Leben für einen möglichst großen "Wow-Effekt" beim Publikum riskierten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.

2012 überquerte Wallenda die Niagara-Fälle. Damals filmte ABC- und machte zur Bedingung, dass er mit einer Sicherung unterwegs war. Ein Jahr später lief er auf dem Seil über dem Grand Canyon. Die Filmrechte gab er an den Discovery Channel. Der verlangte keine Sicherung. Wallenda lief ohne und verschaffte so Discovery mit 13 Millionen Zuschauern dessen größtes Live-Event aller Zeiten.

Wallenda läuft auch zur Erinnerung an seinen Großvater, Karl Wallenda. Die "Flying Wallendas" sind eine traditionsreiche Artistenfamilie. Karl Wallenda stürzte vor 36 Jahren in Purto Rico in den Tod- beim Versuch, über ein Seil zwischen zwei Hochhäusern zu laufen.

Ein wenig fühlt man sich an die "Hunger Games" erinnert. Aber es wird keine Kanone Salut schießen. Live senden heißt vorbereitet sein. Discovery wird deshalb mit einer 10-sekündigen Verzögerung übertragen. Sollte etwas schiefgehen, so die Verantwortlichen, werde nichts übertragen, dass unsensibel oder unangemessen sei. Man ist schließlich nicht bei Vice, wo in Nahaufnahme gezeigt wird wie man so aussieht, nachdem man aus großer Höhe heruntergefallen ist.

Howard Swartz, Discovery’s "Executive Producer" dazu: "Da ist ein Teil Neugier. Da ist ein Teil Risiko. Da ist ein Teil Ehrfurcht, Gefahr und Inspiration und das ist sehr überzeugend und erzählbar."



Update 03.11. Es ist gut gegangen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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