"Rapdancer im Pensionsheim" - Helmut Thoma zum "Jugendkanal"


Kennen Sie Mittweida? Nein? Macht nichts. Ich eigentlich auch nicht. In der Lehrzeit habe ich erfahren, es liegt mitten in Sachsen und sie sprechen dort diesen schönen Dialekt in seiner reinsten Urform. Das weiß ich von Thilo, der mitlernte und dessen Vorstellung "ich bin där Diehloh, Diehloh aus Middweidah" uns einst unvergesslich blieb.

Heute gibt es dort eine echte "University of Applied Sciences", die Hochschule Mittweida, die aus der einstigen Ingenieurhochschule Mittweida hervorgegangen ist. "University of Applied Sciences"- khihihi, das hätte ich gern mal von Thilo ausgesprochen gehört. Aber die Mittweidaer haben auch ein Fakultät Medien. Sogar eine bekannte und viel gerühmte Fakultät Medien. Nicht in München, Köln, Hamburg oder wenigstens Leipzig- sondern in Mittweida. Und die wiederum veranstaltet ein jährliches Medienforum. So richtig mit Panels. Aber irgendwie jünger als anderswo. In Mittweida. Da kommen richtig hochkarätige Gäste hin. Aus dem Medienbereich. Nach Mittweida. Ich glaube, ich muss da auch mal hin. Es muss wirklich außergewöhnlich sein.

Seit heute ist wieder Medienforum Mittweida. Mit einer wohl sehr interessanten Diskussion gleich am Ende des ersten Tages. Es ging da um den "Jugendwahn der Öffentlich-Rechtlichen" und die Frage, ob der nun mittlerweile beschlossene "Jugendkanal" von ARD und ZDF den Markt wohl verändern würde.

"Klingt nach MC Fittie auf dem Traumschiff und Red Bull statt Klosterfrau Melissengeist. Dabei ist doch die spannende Frage, was uns ARD, ZDF und Co. Online präsentieren wollen? Denn mit Politik, Kultur und skurrilen Musikshows werden sie das junge Publikum auch im Netz verfehlen. Welche strategische Raffinesse ist von den Rundfunkanstalten zu erwarten? Wie positioniert sich hier die Politik, schließlich ist auch ein Bildungsauftrag zu erfüllen? Wie rechtfertigt sich die exorbitante Summe von 45 Millionen und ist dieses Konkurrenzangebot aus privater Sicht zu fürchten oder zu belächeln? Lässt sich König YouTube tatsächlich entthronen? 2016 geht der Kanal online."

Für eine "junge" Diskussion sorgte dann vor allem einer, der selbst schon 75 und immer für einen flotten Spruch bekannt ist und dessen Kommen in die sächsische Provinz das Außergewöhnliche der Veranstaltung unterstreicht: Helmut Thoma. Ja, der Helmut Thoma, einst das Herz und die Seele von Deutschlands größtem Privatsender RTLplus und jetzt Lokalfernsehmacher bei "NRW-TV".

Ein Unterhaltungsprofi. Und Thoma hat wohl geliefert, wie immer. Das findet man dann leider aber eher nicht in der etwas ängstlichen "offiziellen Zusammenfassung" des Panels, sondern eher bei Twitter:

Screenshot: Twitter
Mehr? So ein oder zwei haben wir noch:

Screenshots: Twitter
Dann bremst der Professor aus Mittweida. aber einer geht noch:

Screenshots: Twitter
Was war sonst noch? Ach ja, Dr. Beerman, Chef der Sächsischen Staatskanzlei, erklärte, warum es das neue Jugendportal geben soll: "Es wurde von der Politik angefordert." Nun ja. Es wurde von Seiten der Sender aber auch erheblich insistiert, dass eine "Anforderung" erfolgen solle. Auch im Urlaub kauft man vielleicht manchmal nur etwas, damit der Verkäufer einem nicht bis auf die Hoteltoilette folgt. Orientiert habe man sich bei dem Projekt an der BBC. Irgendwie symbolisch, dass deren Jugendkanal “BBC Three” bereits wieder eingestellt ist, bevor der deutsche nach diesem "Vorbild" es bis an die Startlinie schafft.

Die Briten suchen die Jugend jetzt nur noch im Internet- und genau das hat die deutsche Politik zum Entsetzen der "Anstalten" jetzt auch "angefordert". Ein Konzept gibt es dafür von den Sendern aber noch nicht. Vielleicht sollten sie Helmut Thoma fragen. Der wirkt einfach deutlich jünger...

Screenshot: Twitter
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