Print-Journalisten als WebTV-Bastler: Basketball-Bundesliga bei BILD

Foto: © Axel Springer SE
Vielleicht finden wir die Bilder der Basketball-Bundesliga ja dann auch auf YouTube, so wie die Tore der Fußball-Bundesliga. Jedenfalls investiert der Axel Springer Verlag weiterhin kräftig in sein Vorhaben, die BILD-Zeitung zum führenden deutschen Portal im Netz zu machen. Und auch der Weg dahin scheint weiterhin klar: Aus der "Zeitung" im Netz soll ein BILD-Fernsehen werden, dass attraktive Inhalte anbietet, die sonst so niemand hat- um dann irgendwann BILDplus-Abos in so großer Zahl unter die Leute zu bringen, dass sich das Projekt wirklich rechnet und so dann doch noch irgendwann zu einem kommerziellen Erfolg wird.

Ab nächsten Sonntag jedenfalls werden die Highlights aller Spiele der "Beko" Basketball Bundesliga (Beko BBL) auf den digitalen Kanälen von BILD und Sport BILD gezeigt. Die Rechte an den Clips kommen durch eine Kooperation mit der Deutschen Telekom ins Springer-Haus.

Die bis zu 90-sekündigen Zusammenschnitte der Spiele gibt es jeweils ab acht Uhr des Folgetages. Über eine der Begegnung pro Spieltag wird zudem ausführlich in einem fünfminütigen Video berichtet. Rund um die Clips entwickelt BILD die Online-Berichterstattung zur Beko BBL weiter, außerdem präsentiert BILD am Sonntag in jeder Ausgabe eine ganze Seite rund um Hintergründe und Meinungen zur Liga auf richtigem Papier.

"Mit den Highlight-Clips zur Basketball Bundesliga bauen wir unser Bewegtbild-Angebot im Bereich Sport konsequent aus. Neben der Fußball-Bundesliga und verschiedenen internationalen Fußball-Spielen haben wir jetzt eine weitere Sportart im Angebot. Die Kooperation mit der Deutschen Telekom ermöglicht uns eine breite multimediale Berichterstattung rund um die deutsche Basketball-Landschaft", so Stefan Betzold, "Managing Director Digital" der BILD KG.

"Bewegtbild-Angebot"- die Sprache ist verräterisch. Springer baut an einem wirklich großen Ding da im Netz. Mit immensem Aufwand wird ein Web-TV-Angebot konstruiert- von Printjournalisten. Die Auswahl der Themen, der zwanghafte Wahn, dass Videos im Netz immer "kurz" sein müssten und die "relevanten" Themen stets geschriebene Texte- so wird das nichts. Natürlich kann man sich mit Bundesliga-Toren auch Erfolg einfach einkaufen. Derweil holt Vice auch ohne teure Sportrechte das begehrte junge Publikum im Netz mit einem Konzept für ein Internetmedium statt für eine Zeitung mit multimedialer Tarnung ab. Ganz einfach mit Videos, die spannende Geschichten erzählen, gern auch zwanzig Minuten oder gar noch länger sein dürfen und die auf zusammengeschnittene "Highlights" gut verzichten können.

"Durch die Kooperation können wir das Bewegtbild-Angebot noch breiter aufstellen. Uns ist wichtig, dass wir den Sportfans diese attraktive Sportart neben dem umfangreichen Telekom-Live-Angebot, das wir über Entertain und Telekombasketball.de anbieten, auf vielfältige Weise zugänglich machen", so Dr. Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing bei der Telekom Deutschland. Konkurrenz für die Internet- und Fernsehportale der Telekom im Netz fürchtet er anscheinend nicht.

Denn, liebe Springer-Leute, so etwas zum Beispiel wie im Video der "Welt" da unten wird bei "Vice" sicher höchstens ein müdes Grinsen auslösen. Video-"Typen" halt, so wie Print-Journalisten sie sich vorstellen. Sie sind nicht authentisch. Und damit chancenlos im Netz.

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