"PlayStation Vue" Sony greift nach der Zukunft des Fernsehens

Screenshot: YouTube / PlayStation
"Jeden Tag wird das Fernsehen außergewöhnlich werden mit unserem neuen, Cloud-basierten TV-Service PlayStation Vue", so verspricht es Andrew House, President und Group CEO der Sony Computer Entertainment Inc. und in der Konzernleitung verantwortlich für das "Network Entertainment"-Geschäft.

Zumindest für die "Cordcutter" in den USA ist es ein neues und vielversprechendes Angebot. Sie könnten theoretisch das teure TV-Kabel jetzt kappen, wenn sie es denn könnten. Denn auch die Daten für Sonys "cloudbasiertem" TV-Service müssen ja irgendwo herkommen. Nebel allein reicht nicht aus. Und die Kabelkonzerne in den USA sind ja auch meist die, die das Internet ins Haus bringen. Sie wehren sich mit allen Mitteln dagegen, nur noch "dumme" Leitungen verkaufen zu können und auf ihren teuren KabelTV-Senderpaketen sitzen zu bleiben.

Sonys "PlayStation Vue" geht zwar vorerst nur in den USA an den Start, ist aber ein Service, der auch für uns interessant ist. Nicht nur, weil Sony damit auch irgendwann in Deutschland aufschlagen könnte. Von Sony kommen die neuen UHD-TV-Kameras. Sony produziert SmartTV-Geräte, die bald auch im Paket mit Inhalten angeboten werden könnten. Sony Entertainment produziert Inhalte wie Serien und Blockbuster. Sony bietet Video on Demand mit UltraViolet als eigenem Digital Rights Management-System in der Cloud. Sony hat die Games in seiner Playstation und die hat auch jetzt schon ein "Playstation TV". Und Sony will jetzt Fernsehsender zum Zuschauer bringen. Hardware, Produktion, Software und Distribution in einer Hand. Das schafft neue Möglichkeiten.

Das interessanteste Feature bei "PlayStation Vue" ist vielleicht, dass alle "populären" Programme aufgezeichnet werden und drei Tage zum Schauen in der Cloud bereit liegen. Das macht den digitalen Videorecorder zum zeitversetzten Anschauen und dessen Programmierung ein gutes Stück überflüssiger. Ist aber nicht wirklich aufregend.

Aufregend ist, dass sich mit Sony jetzt ein weitere gewichtiger Player ernsthaft in die gnadenlose Schlacht um die Kontrolle über unsere Fernseher daheim begibt. Ja, liebe deutsche Kabelfernsehanbieter und Telekom Entertain, auch zum Beispiel bei Amazons "FireTV" könnte irgendwann neben den Mediatheken der Sender auch das Live-Programm auftauchen. Demjenigen, dem es gelingt, die Kontrolle über einen nennenswerten Anteil der globalen Glotzen zu erreichen, dem winken in der neuen cloudbasierten Multimediawelt Chancen auf Macht und Reichtum in bisher unbekannten Größenordnungen. Dafür kämpft Amazon ohne Rücksicht auf Verluste. Dafür suchen Google und Apple noch nach dem Weg. Deshalb müssen wir sogar bald mit chinesischen Internetkonzernen rechnen. Vielleicht sogar mit Yahoo. Spannende Zeiten kommen.

"PlayStation Vue" ist jetzt erst einmal als Beta für ausgesuchte Städte in den USA und die Konsolen PlayStation 3 und PlayStation 4 angekündigt. Danach sollen eine iPad-App sowie "mehr" Geräte von Sony (zum Beispiel SmartTV?) folgen und sogar andere Hersteller könnten das Sony-TV anbieten.

Die interessanteste Frage für die Cordcutter ließ Sony aber noch offen: Die Frage nach dem Preis. Der aber soll, so wird versprochen, "fair und transpararent" sein und "die Regeln ändern", nach denen bisher der US-Konsument für Fernsehempfang bezahlen musste. Es gibt keinen Vertrag, keine Installations- oder versteckte Zusatzkosten. Man kann monatlich ein - oder aussteigen wie bei Netflix & Co.

Was ich mich gerade frage: Angeblich sind US-Fernsehnachrichten ja so schlecht. Ob deutsche Fernsehnachrichten auch so ausführlich und kompetent über irgendein neues Internetfernsehen berichten würden wie CNBC unten im Video?

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