Out of GEMA-Land: Vice, Live Nation, YouTube - Musik liegt in der Luft

Screenshot: livenationentertainment.com
Shane Smith, Gründer und CEO von Vice, ist immer für einen Spruch gut, den sich alle Anwesenden auch ohne Mitschrift merken können. "Bahnbrechende Inhalte" will er produzieren, "die über die heilige Dreifaltigkeit mobile, online und TV verteilt werden". Ob YouTube, bisher in der Sparte "online" der wichtigste Video-Distributionskanal für Vice, da dann noch so wie bisher dabei ist? Über eine mögliche Zusammenarbeit mit Radio Vatikan ist aber noch nichts bekannt.

Erst einmal gibt es ein neues Joint Venture zwischen Vice und Live Nation. Und das allein ist schon bahnbrechend. Die News von Vice kennt ja nun sicher fast jeder. Aber "Live Nation"? Doch, kennt auch jeder. Mindestens unter dem Namen "ticketmaster". Ticketmaster, so auf der Webseite des Eintrittskartenverkäufers, "gehört zu Live Nation Entertainment, dem größten Live-Entertainment-Unternehmen der Welt." Alle 20 Minuten ist irgendwo in der Welt ein "Live Nation Event", so erfahren wir auf der Webseite von Live Nation. Ja, und Netz-TV möchte noch ergänzen: Oft sind allerhand Zuschauer dabei. Denn die machen auch die Konzerte der Größenklasse Madonna oder Prince.

Jetzt sind Live Nation und Vice also Partner "beim Aufbau einer digitalen Plattform für Musikprogramme". "Dies ist nicht die Stimme der Musik, es ist die Stimme der Live-Musik ", so Michael Rapino, CEO von Live Nation bei der Vorstellung des Projekts. 2015 soll das MTV 2.0 mit "hunderten von Stunden Live Musik und redaktioneller Berichterstattung zum Thema" starten. Live Nation liefert die Künstler, Vice die Redaktion, Kameras und Schnitt. Das Ganze soll dann werbefinanziert zum Zuschauer bzw. Zuhörer kommen. Ob der ganze Kanal dann vielleicht schon zum "Native Advertising" von Ticketmaster für deren Events wird, werden wir sehen.

Globaler Konzertveranstalter, globaler Ticketverkäufer und globales Onlinemedium mit jugendlichem Publikum. Entdecke die Möglichkeiten... Manches liegt so offensichtlich auf der Hand, dass eigentlich nur das Wundern darüber bleibt, warum es bisher so noch nicht da war.

Musik und Nachrichten seien die Hauptinteressen des Vice-Publikums, so Smith. "Die Welt der Inhalte ist heutzutage im Umbruch, in Echtzeit werden neue Marken geschaffen und die Mainstream-Medien sehen ihr Publikum in Rekordzahlen abwandern." Ob er mit "Mainstream-Medien" auch schon YouTube gemeint hat? "Es ist diese Umwälzung des Status quo, die wir so spannend finden", so der Vice-Chef, "weil dies kombiniert mit dem Fehlen jeglichen Qualitäts-Musikprogramms da draußen eine Hölle an Möglichkeiten bietet." Vice findet derzeit sein Video-Publikum auf der YouTube-Plattform. Und auch bei YouTube hat man die "Hölle an Möglichkeiten" und die "heilige Dreifaltigkeit" im Musikbereich schon lange fest im Blick.

Mit "Youtube Music Key" hat Googles Mega-Plattform jetzt den lang erwarteten Abo-Dienst angekündigt, der Spotify Konkurrenz machen soll. Für den US-Markt und etliche andere Länder. In Deutschland wird es das neue Angebot aber vorerst wohl nicht geben. Angefangen wird mit Test-Accounts auf Einladung. Der "YouTube Music Key" soll der Schlüssel zu Googles Streaming-Musikdienst mit über 30 Millionen Songs und zum offline-Hören und Sehen sein. Und werbefrei. 9,99 Dollar im Monat soll es dann nach der Einführung kosten.

Ob es für Deutschland ein GEMA-gerechtes Angebot geben wird? Natürlich teurer? Das würde aber wiederum in vielen anderen zänkischen Kleinstaaten Begehrlichkeiten für ein nationales Angebot wecken und alle technischen und Kosten-Vorteile der Globalisierung wieder zunichte machen. Es bleibt für uns Deutsche also wieder nur das Warten.

Wir lernen aber auch, dass Shane Smith und Vice sich wohl ausführlich mit Himmel und Hölle, Engeln und Teufeln und vielleicht sogar Exorzismus beschäftigt haben. Falls erste "Rundfunkwellen" seines neuen Projektes mit Live Nation durch die Internet-Glasfasern dieser Welt die Grenzen zum Land des "Rundfunkgesetzes" überschreiten, dürfen wir auf die ersten Briefwechsel zwischen der GEMA und Shane Smith sehr gespannt sein.

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