Metz geht in die Insolvenz. Das Fernsehgerät wird endgültig asiatisch.

"Solea pro Media twin R" Foto: Metz
"Man muss mit den Realitäten wirtschaften, nicht mit Fiktionen." Otto von Bismarck wird diese weise Einsicht nachgesagt. Nach der Kronacher Firma Loewe wird nun auch der TV-Gerätehersteller Metz in Zirndorf von den Realitäten eingeholt. Die Insolvenz ist angemeldet. Der Insolvenzverwalter soll nun prüfen, ob das Unternehmen eine Überlebenschance hat. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, Die Chancen dafür stünden gut, das Unternehmen verfüge über eine renommierte Marke, eine wettbewerbsfähige Technologie und hochqualifizierte Mitarbeiter.

Stimmt alles. Nur die "Wettbewerbsfähigkeit der Technologie"- na ja. Wie bei der Firma Loewe in Kronach. Die hatte es schon im Vorjahr erwischt. Dort sollen nach der Insolvenz in diesem Jahr dank Investoren sogar wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Mit der Produktion von TV-Geräten in Kronach statt mit der Umetikettierung von chinesischen "Hisense"-Fernsehern? Glaube ich nicht. Sollte ich mich irren, werde ich die verantwortlichen Manager gern anbeten. Sie hätten ein Wunder vollbracht. Sie können dann nicht mit den Realitäten gewirtschaftet haben. Sie müssen dafür zu Fuß über den See gegangen sein wie einst Jesus im heiligen Land.

Die lange Zeit funktionierende Nischen-Strategie der verbliebenen deutschen Hersteller, vorwiegend älteren Käufern qualitativ hochwertige Produkte mit gutem Service über den Fachhandel unter dem Label "Made in Germany" zu Hoch- und Höchstpreisen anzubieten, ist an ihr Ende gelangt. Samsung hat gerade seinen 65 Zoll UHD- Curved-TV mit 1000 Euro Rabatt bei Amazon in die gnadenlose Schlacht ums Weihnachtsgeschäft geworfen. 1.999 Euro hat das Riesen-Ding für die Schnäppchenjäger noch gekostet. Ein 65 Zoll (!) UHD (!) curved TV von Samsung in der gleichen Preiskategorie wie ein durchschnittlicher Metz oder Loewe-TV. Da übernimmt der Enkel für die Oma den Service gern kostenlos, wenn er dann ab und zu mitgucken darf.

Wer technisch und finanziell nicht dazu in der Lage ist, die LED-Displays herzustellen, ist eigentlich auch kein TV-Gerätehersteller. Eher jemand, der dass eigentliche Gerät mit schönen Bilderrahmen verziert. So wurde es hier schon im Zusammenhang mit Loewe beschrieben. Es ist ein löbliches Geschäft, ja, im Falle von Metz wahrscheinlich sogar eine grandiose Leistung, damit so viele Arbeitsplätze so lange am Standort gesichert zu haben. Aber auf die Dauer chancenlos.

Wer in Zukunft TV-Geräte verkaufen will, muss selbst weltweit vorn sein bei Produktion und Weiterentwicklung der modernen Riesen-Bildschirme. Muss dazu in der Lage sein, die Geräte auf einem schwierigen Markt mit Überproduktion und ständigem Preisverfall global mit signifikantem Marktanteil und damit riesigen Stückzahlen abzusetzen. Die Display-Fabriken sind Milliarden-Investitionen und man braucht alle paar Jahre eine neue auf dem nächsthöheren Technologie-Niveau. Dann muss die letzte Investition refinanziert sein.

Der letzte deutsche Hersteller, der vielleicht dazu in der Lage gewesen wäre, war die Grundig AG. Deren Insolvenz war 2003. Mit Philips hat der letzte europäische Hersteller Anfang diesen Jahres aufgegeben. Das Fernsehgerät wurde sogar in Deutschland geboren. Aber jetzt gilt: Game over.

Kommentare

  1. Gehen Sie beten, die TV Geräte werden tatsächlich in Kronach gefertigt, nicht nur umgelabelt.
    SIcherlich hat das Schreiben von schwarzen Zahlen und der wohl positive Geschäftsverlauf mit der Technologiepartnerschaft von Hisense zu tun. Der Einkauf von Komponetnen bei Hisense
    bringt zusätzliche Vorteile. Bei bisherigen Loewe TVs wurden auch Samsung Panele benutzt , jetzt bei den UHD Modellen Hisense Panele. Wer sich mit der Materie wirklich auskennt, weiss das heute die Geräte nicht nur Hardware sind sondern auch starke Software Produkte. Wer einmal einen Hisense oder Samsung bedient hat und eingestellt hat und dies auch mal bei Loewe oder Metz gemacht hat, weiss um den Unterschied. Vom Ton mal ganz zu schweigen.
    Und wenn ein Staatskonzern durch staatliche Subventionen und durch künstliche kleingerechte Wechselkurse der koreanischen Währung ,Marktvorteile sich sichert , spricht man im allgemeinen von
    Verzerrung des Marktes.
    Aber all dies wird ja hingenommen solange der Arbeitsplatzverlust einen selbst nicht trifft.


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit dem Beten lasse ich mir noch etwas Zeit. Ich habe Erfahrungen sowohl mit Arbeitsplatzverlusten als auch mit der Erstellung von Bilanzen, :-) Ja, Loewe wie auch Metz-Geräte sind gut bedienbar. Ich selbst habe einen LG-Fernseher. Theoretisch koreanisch. Das Panel wie der Fernseher ist aber "Made in Poland", also Made in EU. Der Ton des Fernsehers ist mir egal- ich hab ein angeschlossenes Surround-Soundsystem, damit es schön rumst wie im Kino. Auch Software wird weder Metz noch Loewe retten- die bekommt zum Beispiel Philips jetzt kostenlos von Google. Das nächste kommende Problem nach den Panels: Die Chips, die beim Smart- UHD-TV rechnen müssen wie ein Hochleistungscomputer- aber ohne Kühlung/Lüftung. Auch die kann weder Metz noch Loewe bauen. Natürlich sind die asiatischen Elektronik-Riesen mit staatlicher Unterstützung so groß geworden. Das ändert aber nichts am Ergebnis. Nächsten Monat ist wieder CES in Las Vegas. Das, was dort an Preis/Leistungsverhältnis aufgefahren werden wird, ist für deutsche Hersteller völlig utopisch. Da nicht zu erwarten ist, dass auch die deutsche Politik die TV-Herstellung am Standort wirklich unterstützt und zu neuem Leben erweckt, bleibt, so leid es mir für die direkt Betroffenen tut, nur Schwarzmalerei.

      Löschen
  2. Das Panel wie der Fenerseher ist aber "Made in Poland" also Made in EU.
    --> Na klar..
    Panel wird geliefert und dort zusammengebaut.
    Leiterplatten werden wo produziert und entwickelt??? ( nicht in Polen und nicht EU )
    Die Software für die TV´s kommt aus Asien.

    Bei Loewe und Metz sieht das anders aus.
    Ganz zu schweigen von der Qualität und Bedienbarkeit.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann hätte ja LG Display die sicher nicht billige Fabrik in Breslau gar nicht bauen müssen. :-) http://lgdnewsroom.com/wp-content/uploads/2013/06/LGD-Poland-Wroclaw-module-plant.jpg Spaß beiseite. LG fertigt tatsächlich Displays in Polen- genauso wie in Mexiko oder China. Kann morgen bei entsprechenden Fördermitteln auch wieder ganz woanders sein. Das Gerät jedenfalls kostet weniger als die Hälfte als ein vergleichbarer Metz oder Löwe, das Design des Gerätes ist hochwertig und weniger altbacken und die technische Ausstattung und Bildqualität deutlich besser- zumindest gegenüber dem gleichaltigen Loewe-Gerät in der Verwandtschaft beim direkten Vergleich. Ohne irgendwelche Zusatzausstattungen laufen Amazon, Netflix ganz einfach über die LG-Apps und alle Mediatheken per HbbTV. Das ist die Realität. Und wenn ich heute, ein Jahr später, wieder in den Media Markt gehen würde wären die Unterschiede noch größer statt kleiner.

      Löschen
  3. Eine eigene Panel Fabrik ist wohl nicht unbedingt notwenig, das macht ja z.B. gerade Samsung vor, die in ihren Geräten auch sehr gerne Panels anderer Hersteller verbauen. Selbst bei den UHD Modellen.

    Das Loewe und Metz preislich nicht 1:1 mit den asiaten mithalten können ist vollkommen logisch, denn selbst die Asiaten pfeifen auf dem letzten Loch was das TV Geschäft angeht. Panasonic wäre letztens beinahe daran kaputt gegangen. Um Sony und Sharp steht es auch nicht besser. Man sieht also das Massenherstellung auch nicht die Lösung ist. Der Makt ist schlicht und ergreifent einfach "kaputt". Durch eine selbstzerstörerische Preispolitik. Das Nischendasein von Loewe und Metz ist also keine so schlechte Wahl. Auf dem Massenmarkt wäre man schon vor Jahren kaputt gegangen.

    AntwortenLöschen
  4. ->"Die Chips, die beim Smart- UHD-TV rechnen müssen wie ein Hochleistungscomputer- aber ohne Kühlung/Lüftung. Auch die kann weder Metz noch Loewe bauen"
    Die baut auch Samsung oder LG nicht unbedingt. In den asiatischen Geräten wimmelt es nur so von Weltrend, Trident, MediaTek, usw. Prozessoren. Es gibt auch mal eigene Chips, aber Standard ist das nicht. Wobei auch Metz und Loewe mit FPGAs eigene Designs verwirklicht haben. Das mit den Panels wurde oben ja schon erwähnt. Das Märchen das bei den asiatischen Herstellern alles super ist weil sie alles selbst machen, stimmt also nicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es geht darum, das man in diesem Markt, der wie oben richtig gesagt, "völlig kaputt ist", keine "Nischenstrategie" braucht, sondern einen USP- etwas was kein anderer hat, benötigt um die zum Überleben notwendigen Preise erzielen zu können. Wenn das kein Panel sein kann und kein Prozessor- was dann, ein schöner Rahmen? Und "Software" wird es im kommenden Zeitalter der globalen TV-Betriebssyteme auch nicht sein können- die Software wird so komplex und teuer werden, dass viele auf die Angebote von Google & Co. zurückgreifen werden. Wenn Chinesen nach Deutschland kommen, stürmen sie in die Haushaltswarengeschäfte und kaufen sehr teure Töpfe. Warum? Weil Fissler & Co. es seit Jahrzehnten verstehen Töpfe und Bratpfannen so zu verbessern, dass sie sichtbar besser kochen als alle anderen. Was können Metz oder Loewe sichtbar besser als alle anderen? Darüber müssen sie nachdenken. Wahrscheinlich ist es längst zu spät- aber Wunder sind immer möglich.

      Löschen
  5. Das angebliche Werk montiert nur vorhanden Bauteile zusammen. Die Glassubstrate sowie die Beleuchtungeselemente udn Elektronik werden in Fernost hergestellt und hier in Polen aus steuerlichen Gründen zusammen geschraubt.
    Im überigen sollte ein Blogger , nicht von sich aus auf andere schließen. Es gibt eine nicht unerhebliche Kundengruppe die gerne bei Tator alles verstehe würde ohne einen Anlage bemühen zu müssen.
    USP hat Loewe einige. Ihre Unwissenheit lässt Sie die falschen Schlussfolgerungen ziehen.

    Sie sollten bedenken das andere Ihren Block lesen , journalistische Arbeit braucht Hintergrundrechere.

    USP bei Loewe z.B. : 2 Programme gleichzeitig aufzeichenen, ein drittes schauen.
    Tunerübergreifende Aufnahme Möglichkeit. DVB-C schauen und Sat aufnehmen.
    Lernfähige Fernbedienung, bedient z.B auch Apple TV oder T-Home Box.
    TV hat eingebaute Surroundanlage um durch den Anschluß eines SUbwoffers und weiteren Lautsprechen eine Surround anlage zu machen ohne sep. Hifi Bausteine etc etc.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bitte nicht falsch verstehen: "Kritik ist Liebe" so lautet ein gutes Sprichwort, und das ist auch das Anliegen dieses Hobby-Blogs. Keine Angst, nicht viele Deutsche lesen Blogs- ein Schaden ist durch meine Meinung nicht zu befürchten. :-) Also: Ich wünsche Frau Metz von Herzen, dass sie zu ihrem 100. Geburtstag aus ihrem Sessel auf ihre große Fernseher-Fabrik schauen kann, in die viele Angestellte hinein und viele tolle Fernseher herausströmen. Ich wünsche den Kronachern von Herzen, dass die mutigen Loewe-Investoren bald mit Blaskapelle ans Werktor schreiten und ein großes Schild aufstellen, auf dem "Wir stellen ein!" geschrieben steht. Aber nach meinem derzeitigen Wissensstand glaube ich nicht daran und kann es deshalb nicht schreiben. Und ja, da ich weiß, dass "LG" einst "Lucky Goldstar" hieß und nur billigsten Elektronikmüll produzieren konnte und dass das LCD-Display in Deutschland erfunden wurde, ja selbst neuere Trends wie "LED-Backlight" hier geboren wurden, ich selbst schon "echte" 3-D-Fernseher vor mehr als 10 Jahren hier (!) in Entwicklungslabors gesehen habe, gebe ich zu, bin ich manchmal auch in wenig wütend.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen