Mehr ist weniger. Die US-TV-Branche in der Streaming-Falle.


Hans im Glück erhielt einst als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen großen Klumpen Gold. Den tauschte er gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Schleifstein. Der fiel ihm dann in einen Brunnen und Hans war endgültig glücklich, da er nun frei war von der Last jeglichen Besitzes.

Überraschende Zahlen gab es heute aus den USA. Man hört ja ständig vom neuen, goldenen Fernsehzeitalter der Serien, des Streamings und der tollen, stets und überall verfügbaren "on demand"-Inhalte. Es könnte durchaus sein, dass es nur für die Zuschauer "golden" wird. Die haben jetzt eine freiere, bessere und größere Auswahl als je zuvor. Die Branche selbst aber könnte als "Hans im Glück" enden.

Denn jeder würde eigentlich steigende Einnahmen erwarten. Sie steigen auch. "The Digital Entertainment Group" DEG meldet in ihrem "DEG-Report", dass US-Konsumenten in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 26,12% mehr für Streaming-Abonnements ausgaben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Einnahmen aus diesem Geschäft stiegen von 800 Millionen auf gut eine Milliarde US-Dollar.

Nur reichte diese Steigerung nicht aus, um die Umsatzrückgänge in anderen Bereichen wie zum Beispiel dem DVD- und BlueRay-Verkauf beziehungsweise -Verleih auszugleichen. Sogar der Video on Demand-Umsatz sank um fast 10%. Wer ein Streaming-Abonnement bezahlt, nutzt dies auch offenkundig vorrangig und die Zahl der Streaming-Abonnenten steigt. Für den Gesamtbereich "Home Entertainment", der zusammen knapp 4 Milliarden Dollar einnahm, bedeutet das unter dem Strich einen Umsatzrückgang von 1,2%. 

Seit mehreren Quartalen bröckeln auch die Zuschauerquoten und damit die Werbeeinnahmen im US-Kabelfernsehen auf breiter Front. Man rätselt noch über die Ursachen, aber die Hauptverdächtigen sind klar: Netflix & Co.

Hans wurde auch mit weniger glücklich. Ob eine Branche, die bisher nur ein "mehr" kannte, auf diesem Weg glücklich wird? Wohl kaum. Immer mehr Anbieter drängen auf einen bereits überbesetzten Markt. Es entsteht eine "Streaming-Blase", die mit lautem Knall platzen und sehr viel Geld in einem Kampf auf Leben und Tod durch niedrigste Preise bei höchster Inhalte-Qualität verbrennen wird.

Wahrscheinlich wird es sehr viele Verlierer und nur zwei Gewinner geben. Einer davon steht schon fest: Der Zuschauer.

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