Lost in NRW: Wo der blanke Horror lauert- Hilfe, Mutti, mein Film ist weg !

"Lost". Ja, das passt. Foto: Watchever
Ja, wir leben gefährlich. "Horror-Erlebnisse" können einem praktisch "allabendlich" drohen. Meint jedenfalls die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Schwindsucht" und "Exodus" bedrohen unser "millionenfaches Flatrate-Vergnügen" bei den "Online-Streaming-Diensten". Jetzt kann man durchaus über die recht martialische Sprache der Mitteilung streiten oder darüber, dass einem selbst in unserem wohlgeordneten Land durchaus auch Schlimmeres widerfahren kann. Aber ja, es stimmt: "Zahlreiche Filme und Serien verschwinden quasi über Nacht aus den Abo-Paketen. Schwindsucht erfasst Merkzettel und Watchlists."

Denn egal ob Netflix, Amazon, Maxdome, Watchever oder whatever: Wer Filme und Serien streamen will, braucht dafür Rechte. Theoretisch selbst dann, wenn er über eine Domain aus dem schönen pazifischen Insel-Königreich Tonga streamt, die auf Punkt to endet. Auf jeden Fall aber bei einer Geschäftstätigkeit in der EU oder den USA. Streaming-Rechte kosten Geld. Viel Geld. Der Programm- und Preiswettbewerb im gerade erst neu entstehenden "New TV" ist äußerst hart und der Markt für die Rechte ist kein Ponyhof. Eher eine Mischung aus orientalischem Basar und einem Gefecht mit schwerer Artillerie.

Im Regelfall erwerben die Streaming-Anbieter deshalb die Lizenzen nicht unbefristet, sondern nur über einen bestimmten Zeitraum. Dass die Lizenzgeber ihre Inhalte gar nicht unbefristet hergeben würden, wie es Maxdome gegenüber der kritischen Verbraucherzentrale erklärte, ist so sicher nicht richtig. Alle Rechte sind letztendlich nur eine Frage des Preises. Und unbefristete Rechte sind für die Streaming-Anbieter unrentabel. Denn im Kampf um Marktanteile braucht man die neuesten und attraktivsten Spielfilme und Serien, das Budget ist begrenzt und das Gefecht um die Pole-Position beim Zuschauer verlangt nach Rechten für jetzt. Unbegrenzte Rechte- das hieße, frisches Geld auszugeben für die Zuschauer in den nächsten Jahren. Geld, welches dann für die Zuschauer von heute fehlt.

Das bedeutet dann natürlich, in der dramatischen Sprache der nordrhein-westfälischen Verbraucherschützer formuliert, dass "zahlreiche Filme und Serien quasi über Nacht aus den Abo-Paketen verschwinden." Auf Merkzetteln und Watchlists nicht mehr zu finden sind. Oder, aus Sicht der Verbraucherzentrale wohl noch schlimmer, plötzlich zusätzliches Geld kosten.

Natürlich ist das ärgerlich. Natürlich ist die Information der Verbraucher oft verbesserungswürdig. Watchever zum Beispiel hat schon im Sommer im Blog versucht, die Hintergründe zu erklären. Mehr davon, auch von den anderen Anbietern, wäre gut.

Aber, liebe Verbraucherzentrale NRW, bitte kommt doch mal wieder zurück auf den Teppich. Da draußen lauern ganz andere Gefahren auf uns, als die Möglichkeit, eine Staffel von "The Big Bang Theory" könnte nicht mehr im Streaming-Abonnement inklusive sein.

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