Fernsehen ist auch nichts anderes als Buchhandel- Amazon kommt.

Amazon - Logistikcenter in Leipzig. Foto: Amazon
So so, Amazon plant also fürs nächste Jahr einen neuen Videodienst. Das Angebot solle Anfang kommenden Jahres an den Start gehen, berichtete die "New York Post" unter Berufung auf Insider. Der Streaming-Dienst wird getrennt vom Amazon-Prime-Angebot kostenfrei und werbefinanziert sein und solle neue Nutzer werben, um sie schließlich auf den Geschmack eines Prime-Abonnements bringen. Kann sein. Glaube ich nicht. Auch nicht, dass ein solches Angebot dazu dienen soll, "Netflix Konkurrenz zu machen"

Warum sollte Amazon Netflix Konkurrenz machen? Netflix streamt doch ohnehin schon aus der Amazon-Cloud. Ist damit eigentlich im Prinzip nichts anderes, als einer der zahllosen Händler, die als Subunternehmer im Amazon-Warenhaus erfolgreich ihre Produkte verticken.

Denn genau dass ist der Punkt: Fernsehen ist aus der Sicht von Amazon auch nichts anderes als Handel. Die Aufgabe des Buchhändlers war es einst, gute wie erfolgversprechende Literatur im riesigen Sortiment zu finden und auszuwählen, um sie dann an den Endverbraucher zu verkaufen. Die Aufgabe eines Fernsehsenders ist es, gute wie erfolgversprechende Programme im riesigen Sortiment zu finden, um sie dann an den Endverbraucher zu verkaufen. Ob der dann in Lebenszeit für Fernsehspots bezahlt oder in Form von Geld für Abonnements oder Gebühren ist dabei egal.

Ein werbefinanziertes Internet-Fernsehen von Amazon würde für Prime werben, ja. Auch vielleicht Netflix Konkurrenz um Zuschauer machen. In erster Linie wäre es aber ein Frontalangriff auf die großen Händler- in Deutschland also RTL, ProSiebenSat1, Sky und auch ARD oder ZDF.

Der Buchhandel war dem Amazon-Angriff nicht gewachsen. Die Algorithmen von Amazon erwiesen sich in Kombination mit den Bewertungen der Leser und der ausgefeilten Logistik als überlegen. Warum sollte das beim Fernsehen anders sein? Algorithmen und Zuschauerbewertungen funktionieren dort genauso. Und die Logistik heißt dort "Cloudcenter".

Dann braucht man nur noch ein attraktives Angebot für jeden Kundengeschmack. Egal ob attraktive Serien und Filme, YouTube-ähnliche Videos oder dann vielleicht auch so etwas wie herkömmliches Fernsehen- alles da. Und am Ende gibt es die Kindle-Flatrate, die auch immer mehr selbst produzierte Inhalte enthält.

Amazon ist der führende Anbieter von Cloud-Dienstleistungen weltweit. Genau so wie vor einigen Jahren Logistikcenter entstehen derzeit rund um den Globus immer neue Amazon-Cloudcenter.

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