Ein bisschen Krieg. Amazon will wohl nicht mit dem Chromecast spielen.

Screenshot: primecast-app.com/ 
Primecast hatte wohl nur ein kurzes Leben. Obwohl die Macher der App glaubhaft versichern, "den größten Teil ihrer Freizeit dafür verwendet zu haben, die bestmögliche Lösung zu finden, um die Privatsphäre der Anwender zu schützen, das Digital Rights Management zu unterstützen und Urheberrecht zu achten".

In dieser Woche ging die fertige Primecast-App im Google Play Store an den Start und die Begeisterung war groß. Chromecast-Besitzer konnten damit erstmals über den Google-Stick das Amazon Instant Video-Angebot nutzen. "Leider war unsere Reise nach 36 Stunden zu Ende und wir entfernten die Primecast-App wieder aus dem Google Play Store, weil sie aufgehört hatte zu funktionieren. Wir sind sehr traurig."

Niemand weiß, woran es liegt. Aber die Vermutung liegt nahe, dass der Zugriff der App auf Amazon Instant Video schlicht unterbunden wurde. Denn es ist wohl von Amazon nicht gewollt, dass sein umfangreiches Video-Angebot via Chromecast genutzt wird. Dann hätte man wohl längst eine eigene App erstellt. Für Google-TV gibt es die. Für Android-Smartphones auch. Aber schon bei Tablets ist man auf die Ipads von Apple beschränkt. Oder den Browser. Oder, natürlich, Kindle Fire Tablets.

Für den Chromecast gibt es ein anderes Amazon-Angebot: Nimm doch lieber den Fire-TV-Stick. Amazon und Google- dass ist eine zunehmend brisante Beziehung. So eine Art mehr oder weniger friedliche Koexistenz, wie damals zwischen Ost und West. Da gab es ja auch immer mal ein kleineres oder größeres heißes Gefecht, vorzugsweise in und um entferntere Länder.

Der Guardian nennt es schon einen Krieg "Goliath gegen Goliath". Für Leser ohne Bibel-Kenntnisse: Goliath war der unbesiegbare Riese, der dann vom kleinen David auf die Bretter gelegt wurde. Aber Krieg zwischen von einander abhängigen Partnern ist schwierig. 157 Millionen Dollar soll Amazon 2013 an Google für Anzeigen überwiesen haben. Das ist doppelt soviel wie Googles zweitgrößter Anzeigenkunde. Kindle-Tablets laufen auf einem angepassten Android-Betriebssystem. Ohne Play-Store.

Einer der ersten großen Investoren in die Silicon-Valley-Garage, aus der einst Google hervorging, hieß Jeff Bezos. Bei Googles Börsengang wurden aus seinen einst 250.000 Dollar 3,3 Millionen Google-Aktien im Wert von 280 Millionen. Jeff Bezos kommentiert sein Privatvermögen nicht. Falls er nicht verkauft hat, besitzt er heute Google-Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar.

Man stelle sich vor, Frau Quandt von BMW wäre Hauptaktionär bei Daimler-Benz. Die Konkurrenz zwischen Amazon und Google im immer wichtigeren Geschäft mit den Cloud-Services ist noch härter.

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